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Suchdienst verschickt Akten aus Militärarchiv

Ein Görlitzer hat konkrete Auskunft über den Verbleib seines Vaters erhalten. Das ist in Zukunftöfter möglich.

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Von Jenny Ebert

Der Brief hat Udo W.* aufgewühlt. Nach Jahrzehnten der Ungewissheit hat er nun schwarz auf weiß, dass sein Vater im März 1945 in Posen interniert wurde und zum Arbeitsbataillon kam. Nur wenige Wochen später ist er an Mangelernährung (Dystrophie) gestorben. Das alles steht in einer Akte aus dem Moskauer Militärarchiv, die der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Udo W. als Kopie mitgeschickt hat. „Das liest man natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt der 72-jährige Görlitzer. „Die Erinnerungen kommen wieder hoch.“

Diese konkrete Auskunft ist ein seltener Fall für Ingo Ulrich, der den Suchdienst im Görlitzer Kreisverband des DRK betreut. Dass selbst Kopien russischer Akten mitgeschickt werden, begeistert ihn. „Und da immer mehr Akten über deutsche Kriegsgefangene und Internierte auftauchen, sind in Zukunft vielleicht sogar öfter solche Auskünfte möglich“, freut er sich.

Das überrascht Udo W. „Man staunt, wie akribisch die Russen das alles aufgeführt haben“, sagt er und zeigt den Brief, in dem der genaue Standort des Grabes seines Vaters in der Ukraine verzeichnet ist. Seit 1945 hat er nichts mehr von ihm gehört. Damals war W. sieben Jahre alt. Der Vater war beim Volkssturm und wurde 1945 von der Familie getrennt. Seit 1947 lebt W. in Görlitz – ohne je irgendetwas von seinem Vater zu hören. Seit etwa zwei Jahren überlegten er und sein älterer Bruder, beim Suchdienst nach seinem Verbleib zu fragen. Bis sie schließlich den Weg zu Ingo Ulrich fanden und vor wenigen Tagen diesen Brief bekamen. „Ich weiß nun, dass mein Vater nicht an den Kriegshandlungen beteiligt war.“ Das beruhigt. Jetzt würde nur noch ein Besuch am Grab fehlen. „Vielleicht fahre ich mal hin.“

* Name ist der Redaktion bekannt.

Die nächste Suchdienst-Sprechstunde findet heute , 14 bis 17 Uhr, im Kreisauskunftsbüro statt (Altenpflegeheim Görlitz-Königshufen, Lausitzer Straße 7).