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Zittau

In einem Rutsch bis ins Altvatergebirge

Vom Glatzer Schnee- über das Riesen- und das Zittauer Gebirge bis in die Sächsische Schweiz soll eine Touristenstraße von europäischem Rang entstehen.

Im Habelschwerdter Gebirge - einem Teil der Sudeten gibt es schon einen Teil der Sudetenstraße (braunes Schild).
Im Habelschwerdter Gebirge - einem Teil der Sudeten gibt es schon einen Teil der Sudetenstraße (braunes Schild). © Wikimedia/SchiDD - CC-BY-SA 4.0

Nach rund 100 Jahren Pause soll die ehrgeizige Vision einer über 300 Kilometer langen Tourismusstraße vom Iser- über das Riesen- bis zum Altvatergebnirge Wirklichkeit werden: die Sudetenstraße. Und nicht nur das: Die Straße soll bis Zittau und in die Böhmische und Sächsische Schweiz verlängert werden. 

"Im Ergebnis soll ein touristisch nutzbares Straßensystem im Sudetengebiet entstehen, welches die gesamte Sudetenbergkette für Touristen leichter befahrbar macht", schreibt der regionale Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien im kürzlich vorgelegten Entwurf zur Überarbeitung des Regionalplans dazu. Diese Verbindung würde den bisherigen Vorstellungen nach zwischen Tschechien und Polen mäandern und im polnischen  Sieniawka (Kleinschönau), einen Kilometer vor Zittau, enden. "Die Straße kann mit einer Fortsetzung von Zittau über Rumburg/Rumburk nach Sebnitz zur Erschließung des Zittauer Gebirges sowie der Sächsischen Schweiz und somit zu einer Vernetzung dieser durch hohe touristische Potenziale gekennzeichneten Gebiete beitragen", heißt es in dem Planentwurf.

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Erste Teile sind schon fertig

Die Sudetenstraße war laut Wikipedia ein Infrastrukturprojekt in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zur "Verbesserung der Anbindung der Kurorte, Ferienorte und ländlichen Gemeinden an die Städte in den Sudeten". Während die heute polnischen Teile der Gebirgskette zum deutschen Schlesien gehörten, lagen die südlichen Teile zwar in Tschechien, waren aber von den deutschstämmigen Sudeten besiedelt. 1938 kamen auch diese Gebiete zu Deutschland. Damit fiel die gesamte Gebirgskette der Sudeten - vom Altvater- über das Glatzer Schnee-, das Heuscheuer-, das Adler-, das Eulen-, das Habelschwerdter-, das Riesen- und das Isergebirge - in die Planungshoheit der deutschen Straßenbauer.

Das Internet-Lexikon gibt Zittau als westlichen Startpunkt der Straße an. Der Regionalplan spricht von Zittaus polnischem Nachbarort. Eine Karte von Dr. Tomasz Przerwa, der an der Universität Wroclaw (Breslau) über Hitlers Straßen forscht und in den nächsten Jahren die Sudetenstraße genauer unter die Lupe nehmen will, legt dagegen nahe, dass die Straße ursprünglich in Nove Mesto pod Smrkem (Neustadt an der Tafelfichte/Tschechien) enden sollte. Der Wissenschaftler wundert sich nicht über die unterschiedlichen Aussagen. Die Pläne seien immer wieder geändert worden, teilte er der SZ mit. Der östliche Endpunkt aber war immer gleich: die Stadt Opava (Troppau/Tschechien), am östlichen Ende der Sudeten.

Auf der historischen Karte hat Dr. Tomasz Przerwa von der Uni Breslau den um 1938 geplanten Verlauf der Sudetenstraße grün eingezeichnet. Rosa eingetragen ist der damals geplante Verlauf der Reichsautobahn, der heutigen A4 in Polen.
Auf der historischen Karte hat Dr. Tomasz Przerwa von der Uni Breslau den um 1938 geplanten Verlauf der Sudetenstraße grün eingezeichnet. Rosa eingetragen ist der damals geplante Verlauf der Reichsautobahn, der heutigen A4 in Polen. © Dr. Tomasz Przerwa
© SZ-Grafik/ Quelle: Deutsches Reich/ Dr. Tomasz Prz

Mindestens vier Abschnitte der Sudetenstraße wurden vor dem Ende des zweiten Weltkrieges fertiggestellt, darunter die heutige polnische Wojewodschaftsstraße 358  von Świeradów-Zdrój (Bad Flinsberg) nach Szklarska Poręba (Schreiberhau) im Isergebirge. Sie wurde 1937 eingeweiht.

Die restlichen Abschnitte waren zum Teil als Neubaustrecken oder als Ausbau bestehender Straßen vorgesehen. So sollte es am östlichen Ende von Troppau bis Freudenthal (Bruntal/Tschechien) auf vorhandenen Verbindungen losgehen und dann auf einer noch zu bauenden Verbindung ins Altvatergebirge gehen. 20 Kilometer vor Kłodzko (Glatz) biegt die Straße dann in Richtung Riesengebirge ab, das sie in halber Höhe als Neubaustrecke passieren sollte. Auch eine leistungsfähige Passstraße vorbei an der Spindlerbaude, von der einen Seite des Gebirges zur anderen sollte dabei entstehen. Das Isergebirge sollte sie im Norden passieren. Auch heute wäre der Bau der Straße eine Verbindung neuer und dem Ausbau bestehender Verbindungen.

Umsetzung ungewiss

Die fast 100 Jahre alten Pläne für die Straße aufgegriffen haben vor rund 15 Jahren die Polen. Sie "sind an uns mit der Bitte herangetreten, zu prüfen, ob eine Verknüpfung mit unserer Region erfolgen kann", teilte Wolfgang Zettwitz vom Regionalen Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien auf Anfrage mit. "Dem sind wir nachgekommen und haben mit der Formulierung im Regionalplan darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Raum Zittau für diese Verknüpfung anbietet. Dies ist gleichzeitig ein Fingerzeig auf die notwendige Fertigstellung der B178 neu." Auch die Tschechen sind mit im Boot und haben zum Beispiel den Korridor für den Ausbau der Straße von Seifhennersdorf über Rumburk und Šluknov (Schluckenau) nach Neustadt in Sachsen in ihren Planungen freigehalten.

Doch weiter ist nichts passiert. Das ist auch nicht Aufgabe der Planer. "Es handelt sich insofern um eine raumordnerische Handlungsempfehlung, die jedoch auf regionaler und lokaler Ebene weiter zu konkretisieren ist", teilte Bianca Schulz vom sächsischen Ministerium für Regionalentwicklung mit. Zumal ein Großteil der Straße auf polnischem und tschechischen Gebiet liegt und damit allein in die Entscheidungsgewalt der beiden Nachbarstaaten fällt, wie das Verkehrsministerium ergänzt.

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Im Klartext: Die Planer schaffen die Voraussetzungen für das Projekt, umsetzen müssen es andere. Für vorerst zehn Jahre soll ihre Empfehlung für die bessere Vernetzung der touristischen Gebiete zwischen Altvatergebirge und Sächsischer Schweiz und damit für die Straße gelten. Bei denen, die das Projekt im Dreiländereck auf dem Schirm haben müssten, ist es derzeit kein Thema. "In unseren Arbeitsschwerpunkten, unter anderem in der dreiseitigen Arbeitsgruppe „Verkehr“, wurde dieses Thema in den letzten Jahren nicht behandelt", teilt Markus Köhler, Geschäftsführer der Euroregion Neisse, mit.

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