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Tänzer wagen erste zaghafte Schritte

Die Tanzvereine in der Region beginnen langsam wieder mit dem Trainingsbetrieb. An Normalität wie vor Corona ist aber noch nicht zu denken.

Die ersten Tänzer der Döbelner Dance Company haben wieder mit dem Training begonnen. Trainerin Lisa Niepel übt mit Karola (vorn) und einem Teil der Gruppe „Haltlos“ vor allem Grundelemente und Fitness.
Die ersten Tänzer der Döbelner Dance Company haben wieder mit dem Training begonnen. Trainerin Lisa Niepel übt mit Karola (vorn) und einem Teil der Gruppe „Haltlos“ vor allem Grundelemente und Fitness. © Dietmar Thomas

Döbeln. Hebe-Figuren, Drehungen, Bodenfolgen. Bei kaum einer Choreografie kommen die Tänzer umhin, einander zu berühren. Dabei einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten – unmöglich.

Genau diese Regel muss von den Tanzvereinen bisher aber umgesetzt werden. Erst nach dem 6. Juni könnten weiter Lockerungen in Kraft treten. „Von einem Training wie vor der Corona-Krise sind wir derzeit noch weit entfernt“, sagt Sabine Kramer vom Vorstand der Döbelner Dance Company (DDC).

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Trotzdem haben sich alle kleinen und großen Tänzer gefreut, dass es mit dem Training endlich wieder losgeht. Vor wenigen Tagen haben sich die ersten Gruppen wieder in ihrer Trainingsstätte in der Turnhalle Döbeln-Nord getroffen. „Aber wir mussten fast alle Gruppen aufteilen“, erklärt Sabine Kramer. Denn nur sieben Tänzer dürfen gleichzeitig in die Halle. So ist es derzeit noch vorgeschrieben.

Soziale Kontakte wieder aufbauen

Deshalb müssen sich die Gruppen wöchentlich abwechseln oder trainieren in kleinen Gruppen nacheinander. Das bedeute nicht nur mehr Zeitaufwand für die Trainer, sondern auch einen finanziellen Mehraufwand für den Verein. Trotzdem wollte die Döbelner Dance Company nicht auf den Neustart verzichten.

„Wichtig war uns, dass der soziale Kontakt wieder aufgebaut wird“, so Sabine Kramer. Daran, eine Choreographie zu entwickeln, sei allerdings unter den geltenden Bedingungen nicht zu denken. Deshalb stünden zunächst Krafttraining und das Festigen der Körperspannung auf dem Plan.

Ähnlich sieht es bei den Harthaer „Black Diamonds“ aus. Am Freitag haben die beiden großen Gruppen wieder mit dem Training begonnen. „Wir konzentrieren uns zunächst auf das Basis- und Konditionstraining“, sagt Simone Berger, stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Eine Dauerlösung sei das aber nicht. „Wir können unter diesen Umständen keine Tänze kreieren“, so Simone Berger.

Teilnahme am Tanzfest fraglich

Obwohl die „Black Diamonds“ auch während der Sommerferien den Trainingsbetrieb absichern könnten, steht noch nicht fest, ob der Verein wegen der eingeschränkten Trainingsbedingungen mit seinen fünf Gruppen am Döbelner Tanzfest am 29. November teilnehmen wird.

Auch die Tanzperlen des Zschopautales sind zum Thema Tanzfest eher geteilter Meinung. Bei dem Waldheimer Tanzverein beginnt das Training gerade wieder in kleinen Gruppen, zum Teil im Freien auf dem Oberwerder. „Im Vordergrund stehen die Wiederholungen von Schritt-Kombinationen und Fitnesstraining, aber alles unter Beachtung der Corona-Regeln“, sagt Tanzleiterin Carolin Kirchner.

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Je nachdem welche Lockerungen möglich werden, sei noch unklar, wann wieder mit dem normalen Training begonnen werden kann. „Für die Vorbereitung des Tanzfestes bleibt dann nur noch wenig Zeit“, so Carolin Kirchner. Bei den Tanzperlen ist es außerdem ein ungeschriebenes Gesetz, dass beim Tanzfest neue Tänze gezeigt werden. Außerdem müsste der Verein sich bereits jetzt um die Kostüme kümmern.

Auf jeden Fall festhalten wollen die Tänzer an ihrem Weihnachtsprogramm, das sie traditionell am 3. Advent aufführen. „Wir hoffen, dass das bis dahin möglich ist“, so die Tanzleiterin. Alle anderen geplanten Auftritte und Veranstaltungen, wie zum Beispiel die „Burg der Märchen“ in Kriebstein, sind abgesagt worden. „Damit entfallen natürlich Einnahmen für den Verein“, so Carolin Kirchner. Auch Sponsoren würden sich derzeit mit Finanzspritzen eher zurückhalten.

Hoffen auf weitere Lockerungen

Die Mitglieder der Tanzgruppen des Kinder- und Jugensportclubs (KJSC) haben in den vergangenen Wochen teilweise online via Videokonferenz trainiert. „Leider gibt es hierbei erhebliche Einschränkungen. Choreografien oder Hebungen können gar nicht geübt werden“, sagt Trainerin Nicole Böhm.

​„Mit den ersten Lockerungen beginnen wir nun – unter Einhaltung aller Regeln – zunächst draußen zu üben. „Dort lassen sich jedoch Bodenelemente nicht wirklich gut trainieren, und mit den aktuell noch geltenden Abstandsregeln sind auch keine Partnertänze möglich“, sagt Nicole Böhm. Bisher trainieren beim KJSC allerdings nur die Gruppen der älteren Tänzer wieder. „Bei den Kleinen können wir nicht garantieren, dass der derzeit noch geltende Mindestabstand eingehalten wird.“

Nicole Böhm hofft, dass sehr bald auch diese Gruppen wieder loslegen können. Vielleicht wird das ja mit den am vergangenen Donnerstag erlassenen Lockerungen möglich. Danach sind im Sport zwar die Hygieneregeln einzuhalten. Der Freistaat Sachsen gibt diese aber nicht mehr pauschal vor. Vielmehr sollen die Vereine sich an die Empfehlungen der Fachverbände halten.

Alle Ligaturniere, an denen die Tänzer teilnehmen wollten, wurden bereits abgesagt. „In der Kinder- und Regionalliga konnte wenigsten ein Turnier getanzt werden. Die Oberliga hatte noch nicht einmal begonnen“, so Nicole Böhm. Im Herbst sollten nach aktuellem Stand Turniere für Solo, Duo- und Kleingruppen starten.

Home-Training für die Fitness

Thorsten Hartwig, Vorsitzender des WelWel Aport- und Tanzvereins Döbeln, hofft, dass mit den angekündigten Lockerungen bessere Trainingsbedingungen einhergehen. „Platz haben wir im WelWel ja genug, aber Rock`n`Roll ohne Anfassen, das ist schwierig“, so Hartwig. Am 10. Juni wird erstmals wieder gemeinsam trainiert. „Auch unser Trainer, der aus Bratislava kommt, hat signalisiert, dass er sein Land jede Woche für 48 Stunden verlassen darf. Somit würde das passen.“

Um ihre Fitness zu erhalten, haben die rund 35 Tänzer des WelWel Sport- und Tanzvereins sich mit Home-Training über die Corona-Zeit geholfen. Als deutsche Vizemeister hoffen die Tänzer darauf, dass die Wettkämpfe in diesem Jahr noch ausgetragen werden können. Eine Meisterschaft, die noch vor der Sommerpause stattfinden sollte, wurde abgesagt. Für das Döbelner Tanzfest im November stehen nach Meinung Hartwigs die Vorzeichen gut. „Sollte es allerdings ohne Zuschauer stattfinden müssen, wäre ich dagegen“, sagt er. „Ein Geister-Tanzfest ist für mich undenkbar. Die Veranstaltung lebt von der Atmosphäre mit den vielen Zuschauern.“

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