merken
PLUS

Tanz in der Ruine

An den vergangenen sonnigen letzten Herbsttagen war sie oft von Kindern umlagert: die künstliche Ruine im Pillnitzer Friedrichsgrund. Seit 1785 gehört das Bauwerk zur Pillnitzer Parklandschaft.

© Sven Ellger

Monika Dänhardt und Anja Eppert

An den vergangenen sonnigen letzten Herbsttagen war sie oft von Kindern umlagert: die künstliche Ruine im Pillnitzer Friedrichsgrund. Bis heute ist das 1785 entstandene Bauwerk nicht nur bei Schulklassen ein beliebtes Wanderziel. Zu danken haben wir den immer noch romantischen Ort Kurfürst Friedrich August III., der später König von Sachsen wurde. Er war es, der den Auftrag gab, den von den Hängen des Borsbergs umschlossenen Meixbachgrund ein bisschen aufzuhübschen – mit romantischen Wegen, schönen Blickachsen, kleinen Brücken und eben dieser künstlichen Ruine im neogotischen Stil. Die Gestaltung entsprach dem Zeitgeschmack. Die feudale Gesellschaft schielte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehr nach dem Bürgertum, fand jetzt schick, was dieses vorlebte. So wurden die geometrisch angelegten Barockgärten unmodern. Parks mussten her – frei und emotional gestaltet, mit „dramatischen“ Elementen wie Grotten oder Ruinen. Der Gartentheoretiker Hirschfeld schreibt in seinem Buch von 1780 „Theorie der Gartenkunst“: „Zurückerinnerung an die vergangene Zeit und ein gewisses mit Melancholie vermischtes Gefühl des Bedauerns, sind die allgemeinen Wirkungen der Ruinen.“

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Die Ruine, aber auch das 1872 entstandene Denkmal zu Ehren des Königspaares Johann und Amalia Augusta von Sachsen waren beliebte Postkartenmotive. Hier eine Karte von 1900.
Die Ruine, aber auch das 1872 entstandene Denkmal zu Ehren des Königspaares Johann und Amalia Augusta von Sachsen waren beliebte Postkartenmotive. Hier eine Karte von 1900. © Sammlung H. Naumann

Hoher Besuch und Filmauftritt

Die Pillnitzer Ruine war bei ihrer Errichtung ein geschlossenes Gebäude, in dem sich gut feiern ließ. Wie in einer Auflistung von 1876 nachzulesen, gab es einen Saal unter anderem mit einem „Glaskronleuchter mit 16 Armen und 32 Dillen“, einen „Kaminspiegel in weißem Rahmen mit Goldrändern“, „Consoltische mit röthlichen Marmorplatten“, ein „Ruhekanapee mit blauen Rändern, 5 Kissen und weißem Coliarbezug“. In der Küche gab es unter anderem einen „Wärmeschrank mit Doppelthüre und eisernen Rost“. Die kurfürstliche und spätere königliche Familie lud in den Sommermonaten gern Gäste in den Ruinen-Bau ein. So weilten im Juli 1790 die Prinzen und Brüder Ludwig Friedrich und Karl Günther von Schwartenburg-Rudolstadt hier. Die Chronik vermerkt dazu: „… fuhren hernach nach diesem Churfürstlichen Lustschloß, wo Sie erstlich auf einer dem Schloß gegenüber liegenden Anhöhe, einen schön eingerichteten Saal besahen, der von außen das Ansehen alter Ruinen hat.“ In den Jahren sind der Ruine allerdings Dach und Küche verlorengegangen.

Schon Ende des 18. Jahrhunderts stand die künstliche Ruine für Besichtigungen offen. Dafür wurde sogar ein Kastellan also ein Aufsichtsbeamter eingestellt. Er musste Tag und Nacht vor Ort sein und hatte auch für die „Restauration der Gäste“ zu sorgen. Zunehmend eroberte sich auch das Bürgertum den idyllischen Ort. Vor allem Künstler weilten hier zur Inspiration. Zahlreiche Reisebeschreibungen äußern sich fast verklärt, so heißt es in einer: „Dieser Ort, zu dessen Verschönerung sich Natur und Kunst so glücklich vereint haben, enthält alles, was man nur Schönes und Romantisches denken kann.“ Berühmte Besucher der künstlichen Ruine waren unter anderem Clara und Robert Schumann, Carl Maria von Weber, Carl Gustav Carus, aber auch Karl May.

Am 21. Juni 1878 konnte von dem Plateau an der Ruine ein ganz besonderes Schauspiel erlebt werden. Anlässlich der Silberhochzeit von König Albert und Königin Caroline von Sachsen hatte der Gebirgsverein Sächsisch-Böhmische Schweiz ein gigantisches Feuerwerk organisiert. Nach einem genau ausgeklügelten Plan wurden in zahlreichen Gemeinden der Sächsischen Schweiz Raketen, bengalische Feuer und Höhenfeuer gezündet. Das ganze Elbtal erstrahlte im farbigen Glanz und vom Pillnitzer Plateau bot sich ein verzaubernder Blick, wie im Dresdner Journal am nächsten Tag zu lesen war.

Übrigens hatte die Ruine im Friedrichsgrund schon mindestens einen Filmauftritt. Im Film „Goethe!“ von Philipp Stölzl bildete sie als mittelalterliche Raubritterburg den szenischen Hintergrund für eine Begegnung zwischen dem jungen Goethe und Charlotte.

Schlösserland Sachsen sucht historische Postkarten und andere Erinnerungen an die künstliche Ruine Pillnitz. Infos bitte an [email protected] oder 0351 563 911 312