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Tierisch abgeräumt

Sabine Eidam gehört bundesweit zu den besten Tierwirten. Für ihre Kälbchen steht sie gern mitten in der Nacht auf.

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© Katja Frohberg

Von Carina Brestrich

Die schwarz-weiß Gefleckte ist neugierig: Was will die Frau da? Und was hält sie da in der Hand? Die braune Kollegin neben ihr hat schon durchschaut, dass es zumindest nichts zu Fressen ist. Sie widmet sich schnell wieder den Grashalmen, während Sabine Eidam ihre Silbermedaille in die Kamera hält und strahlt. Die blonde, junge Frau macht eine Ausbildung zu Tierwirtin bei der Agrarproduktion „Am Bärenstein“ in Struppen. Und sie ist eine von Deutschlands Besten. Das hat sie beim Bundesentscheid des diesjährigen Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend bewiesen. Da nämlich belegte die 21-Jährige aus Naundorf den zweiten Platz.

Überhaupt ist Sabine Eidam eine Ausnahme in ihrem Fach. Allein schon aufgrund ihres Abiturs, das in ihrer Berufsschulklasse sonst nur noch eine Mitschülerin hat. In der Landwirtschaft zu arbeiten, sei für viele nicht attraktiv, sagt Sabine Eidam. Auch das Image der Agrarbranche sei nicht unbedingt das Beste. „Aber zu Unrecht“, ist sie überzeugt. „Ich stehe nicht den ganzen Tag im Stall und schaufel’ im Mist rum.“ Das wissen auch ihre Freunde: „Sie sind zum Glück recht offen. Ich habe den Hof schon einigen von ihnen gezeigt.“

Stattdessen sei der Job als Tierwirtin in der Rinderhaltung ein anspruchs- und verantwortungsvoller. „Es geht ja hier um Lebewesen.“ So etwa kümmert sich Sabine Eidam um die Pflege der Kälber und ihrer Mütter. Sie greift ein, wenn es beim Kalben Komplikationen gibt, sie erkennt, wenn es einem Tier nicht gut geht. Und sie ist auch dafür zuständig, dass jede Kuh das richtige Futter bekommt: „Der Verdauungstrakt einer Kuh ist kompliziert. Das hätte ich vor der Ausbildung nicht gedacht“, sagt sie.

Im Gegensatz zu vielen ihrer jungen Kollegen ist Sabine Eidam das Interesse an der Landwirtschaft nicht in die Wiege gelegt worden. „Ich komme nicht aus einer Bauernfamilie“, sagt sie. Ihre Liebe zu Tieren und zur Natur entdeckte sie dennoch früh: „Wir haben immer Ferien auf dem Bauernhof gemacht. Mir hat es immer Spaß gemacht, da mit anzupacken“, erzählt sie. Später habe sie dann ein Praktikum bei der Struppener Agrarproduktion gemacht. Dort habe ihr auch das Betriebsklima gefallen. „Das hat mir bei der Entscheidung geholfen“, sagt sie.

Die hat Sabine Eidam noch an keinem Tag ihrer dreijährigen Ausbildung bereut, wie sie sagt. „Jeder Tag ist anders“, sagt sie. Zudem sei sie ein überaus großer Naturfreund und gern an der frischen Luft. „Und wenn so ein Kälbchen erst mal auf der Welt ist, ist das schon ein schönes Gefühl“, erzählt sie. Dass sie deshalb mitunter schon in der Nacht aufstehen und auch am Wochenende ran muss, stört sie kaum. „Man gewöhnt sich daran“, sagt die Auszubildende, „außerdem ist so ein Sonnenaufgang ja auch schön.“

In wenigen Wochen beendet Sabine Eidam ihre Ausbildung. Dann geht es zum Studium nach Dresden. „Ich will Agrarwirtschaft studieren“, erzählt sie. Nebenbei möchte sie aber weiterhin bei der Agrarproduktion in Struppen aushelfen. „Mir ist wichtig, den Praxisbezug zu behalten“, sagt sie. Später würde sie gern einen höheren Posten übernehmen. Sorgen, dass sie dann nur noch im Büro sitzt, hat sie nicht: „Das kenne ich von meinem jetzigen Betrieb auch nicht“, sagt sie. Dessen Leiter sind stolz auf ihren Vorzeige-Lehrling. Und sie sind froh, dass Sabine Eidam auch weiterhin im Betrieb mithelfen wird. „Jemanden mit so viel Liebe zum Tier und zur Heimat findet man nicht so oft“, sagt Vorstand Uwe Scheumann.

Fürs Studium nach Dresden umziehen, das wird Sabine Eidam nicht. Die junge Frau schüttelt sofort den Kopf. Stattdessen wird sie weiterhin bei ihren Eltern in Naundorf wohnen und mit dem Zug zur Hochschule pendeln: „In Dresden würde ich das Leben auf dem Land viel zu sehr vermissen“, sagt sie.