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Töpfern über die Schulter geschaut

In den Töpfereien in Sagar und Krauschwitz haben sich die Besucher am Wochenende die Klinke in die Hand gegeben.

Nicht nur die Kindern, sondern auch zahlreiche Erwachsene versuchen sich in den Räumlichkeiten der Keramikwerkstatt Hirche in Sagar am Formen des Tons.
Nicht nur die Kindern, sondern auch zahlreiche Erwachsene versuchen sich in den Räumlichkeiten der Keramikwerkstatt Hirche in Sagar am Formen des Tons. © Foto: Rolf Ullmann

Krauschwitz: In der anheimelnden Atmosphäre in den Räumlichkeiten der Töpferei von Kathrin Najorka lässt es sich während des wechselhaften Wetters bei einer herzhaften Fettschnitte und anregenden Gesprächen gut aushalten. Neben zahlreichen weit gereisten Gästen aus Berlin, Cottbus oder Dresden haben viele Besucher aus dem Landkreis die Gelegenheit am Schopfe ergriffen und mehreren Töpfereien in der Region einen Besuch abgestattet. Denn am 14. Tag der offenen Töpferei beteiligen sich erneut neben der Krauschwitzer Einrichtung auch die Keramik-Werkstatt in Sagar, der Töpferhof in Trebus sowie die Töpfermeisterin Ines Herack in Horka. Sie reihen sich damit ein in die 70 Töpfereien in ganz Sachsen, in denen sich die Meister des gebrannten Tons an den beiden Tagen über die Schulter schauen lassen. Neben der Besichtigung der kunstvollen Keramiken haben zahlreiche Besucher der noch nicht so frühlingshaften Witterung getrotzt und sind gemeinsam mit Steffen Hundro hinaus in die Drachenberge gewandert, wo einst der Ton auch für die Töpferei in Krauschwitz abgebaut wurde.

Davon weiß auch der Natur- und Landschaftsführer Jürgen Siegemund den 20 Teilnehmern bei seiner Führung zu berichten. Denn die beiden Rohstoffe Ton und Kohle stehen immer wieder im Mittelpunkt seiner Wanderungen durch den Geopark Muskauer Faltenbogen. In der Werkstatt selbst nehmen die neugierigen Gäste auch den sogenannten Kasseler Ofen in Augenschein. Nachdem in ihm jahrzehntelang Töpferwaren nach alter Tradition gebrannt wurden, kam in den 80er-Jahren das Aus. Doch nicht für immer. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erweckt ihn Töpfermeisterin Kathrin Najorka zu neuem Leben. Rund 15 Kubikmeter Fassungsvermögen weist der Ofen aus. Darin erhalten Töpfe, Krüge, Vasen und Teller durch die Kraft des Feuers ihre Eigenschaften als Gebrauchsgegenstände oder als Kunstobjekte.

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Sagar: Rund die Hälfte der Zeit als bei Kathrin Najorka benötigt der Brennvorgang hingegen in der Keramikwerkstatt von Kurt und Udo Hirche in Sagar. Über 16 Stunden haben die beiden Töpfer immer wieder den Freibrandofen mit Holz bestückt und darauf gewartet, dass endlich der Fuchs aus dem Schornstein fliegt. Der Fuchs, das ist die Flamme, die aus dem Ofen schlägt und vom erfolgreichen Fortgang des Brennvorganges zeugt. Wenn dann die Keramikkegel an den Ecken des Ofens geschmolzen sind, heißt es ,stundenlang voller Anspannung zu warten, bis der Ofen geöffnet werden kann.

Dass die Besucher am Tag der offenen Töpferei bei der Öffnung des Ofens zuschauen können, gibt dem Ganzen eine zusätzliche Würze. Denn wer möchte sich schon als Töpfer vor Publikum blamieren, wenn der Brand doch nicht gelungen ist? Doch von dieser Schmach bleiben Kurt und Udo Hirche auch in diesem Jahr verschont. Sie präsentieren den Zuschauern Keramik, die diesmal durch einen kupferroten Farbton die Augen der Betrachter beeindruckt. Bestimmt bildet diese ungewöhnliche Farbnuance für den einen oder anderen Besucher des Töpfermarktes im Erlichthof Rietschen den Anreiz, die Geldbörse zu zücken. Denn als einer der Stammgäste kündet der Stand des Betriebs aus Sagar am 31. März davon, dass hier eines der ältesten Handwerke der Menschheit in unserer Region gepflegt wird und so für die Zukunft erhalten bleibt.