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Training mit Abstand

In den Sportvereinen läuft der Trainingsbetrieb wieder an. Wie werden sie den strikten Hygiene-Auflagen gerecht? Die SZ hat sich umgehört.

Vereinschef, Trainer und Hygiene-Beauftragter: Johannes Diemert misst mit einem kontaktlosen Fieberthermometer die Temperatur von Niklas. Nur wer keine erhöhte Temperatur hat, darf am Fußballtraining beim MSV 08 teilnehmen.
Vereinschef, Trainer und Hygiene-Beauftragter: Johannes Diemert misst mit einem kontaktlosen Fieberthermometer die Temperatur von Niklas. Nur wer keine erhöhte Temperatur hat, darf am Fußballtraining beim MSV 08 teilnehmen. © Claudia Hübschmann

Meißen. An Johannes Diemert kommt keiner vorbei. Ehe die Kicker beim MSV 08 mit dem Training im Heiligen Grund beginnen, müssen sie ihre Körpertemperatur messen lassen. Vereinschef Johannes Diemert hat eigens für diese Prozedur ein kontaktloses Infrarot-Fieberthermometer beschafft. Der Vereinsvorsitzende, der nun auch Hygiene-Beauftragter des MSV 08 ist, notiert die an der Stirn jedes seiner Sportler gemessenen Werte. „Bei 37,5 Grad ist die Grenze“, sagt Johannes Diemert. Zeigt das Display mehr an, darf der Spieler nicht am Training im Stadion Heiliger Grund teilnehmen.

Das Fiebermessen ist aber nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen der rund 350 Mitglieder zählende Verein die strengen Auflagen zur Hygiene umsetzt, ohne die eine Rückkehr zum Trainingsbetrieb nicht möglich wäre. Separate Ein- und Ausgänge ins Stadion, bis auf Weiteres geschlossene Kabinen und Duschen, so dass die Spieler in Sportkleidung zum Training erscheinen, gehören ebenso dazu wie enorme Vorräte an Desinfektionsmitteln. Auch Schutzmasken hat der Verein angeschafft.

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Was beim Training nun vor allem zählt, ist der Abstand. 1,50 bis 2 Meter müssen zwischen den einzelnen Sportlern eingehalten werden. Die Teams werden in kleine Gruppen unterteilt, sodass maximal vier Mann gegen vier Mann auf einem Tennisfeld trainieren – hauptsächlich Pass-Übungen und Flanken, so die Auskunft von Johannes Diemert. Auf Zweikämpfe und das obligatorische Spiel zum Abschluss der Trainingseinheit muss derzeit verzichtet werden. 

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

Jeder Spieler im Verein sei über die Maßnahmen zum Schutz gegen die Corona-Pandemie informiert worden. Die „klaren Ansagen an alle“, so der Vereinschef war eine Voraussetzung, damit die Fußballer – auch die Männer und alten Herren – wieder im Heiligen Grund trainieren können. Und die Trainer greifen zur Trillerpfeife, wenn sie den Mindestabstand zwischen ihren Kickern als nicht ausreichend wahrnehmen, fügt Johannes Diemert hinzu.

Die mit den Lockerungsansagen aus Dresden verfügten Auflagen umzusetzen verlangen nicht nur den Spielern, sondern auch den Trainern allerhand ab. Um allein die ausreichenden Abstände zu gewährleisten, wurden die Trainingsgruppen in mehreren Altersklassen geteilt, so dass nun statt der üblichen 18 nur noch neun Spieler zu einer Trainingseinheit erscheinen, erklärt Johannes Diemert. Um das auch organisatorisch bewältigen zu können, wurde die Trainingszeit je Einheit von 90 auf 75 Minuten verkürzt.

Vereinsheim bleibt tabu

Die Kicker vom SV Fortschritt Meißen-West werden am 18. Mai wieder mit dem Trainieren beginnen, wie Fußball-Abteilungsleiter Jörg Bellmann informiert. Als in der vorigen Woche aus dem Rathaus das Signal kam, dass die Fußballer aller Altersklassen am Juteplan wieder auflaufen dürfen, haben sich Vereinsführung und Übungsleiter zusammengesetzt und beraten, wie der Verein den aktuellen Anforderungen genügen kann. „Unser Vereinsheim darf leider nicht betreten werden“, nennt Jörg Bellmann eine der Einschränkungen, dies sich aus den Hygiene-Auflagen der Staatsregierung ergeben.

Alle Sportler und Eltern werden über Whatsapp über die Maßnahmen informiert. Da das Vereinsheim derzeit nicht zugänglich ist, sollen die Kicker in Sportkleidung zum Training erscheinen. Die Trainingszeiten sollen den Anforderungen angepasst werden – so wird es nur noch ein wöchentliches Training geben, das sich dann über zwei Stunden statt der gewohnten anderthalb Stunden erstreckt. Um Körperkontakt zu vermeiden, werden auch auf dem Juteplan keine Spiele stattfinden, stattdessen absolvieren die Fußballer in den verschiedenen Nachwuchs-Altersklassen Läufe und individuelle Übungen mit dem Ball – mit Abstand natürlich. Und: Jörg Bellmann hat seine Trainer und Übungsleiter gebeten, beim Wahren der Abstandsvorgaben mit Fingerspitzengefühl vorzugehen. 

Geteilte Gruppen

20 Quadratmeter pro Sportler. „Für uns ist diese Vorgabe kein Problem“, sagt Nadja Schuster, die Vorsitzende des Speedskate Club Meißen. Die Rollschuh-Sportanlage im Heiligen Grund bietet ausreichend Platz für das Training der schnellen Flitzer, auch bei coronabedingten Einschränkungen. Vorigen Dienstag konnten sich die Meißner Rollschuh-Sportler nach der Zwangspause hier endlich wieder treffen. Zu den Empfehlungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Deutschen Rollsport- und Inlineverbandes (DRIV), an die sich die Meißner Rollschuhsportler halten, gehört, dass nicht mehr als fünf Sportler auf der Anlage gleichzeitig trainieren dürfen. Auch hier zählt der Abstand: „Zwei Meter zum Nebenmann beim Gehen, vier Meter beim schnellen Gehen und zehn Meter zum Vordermann beim Laufen“, erläutert Nadja Schuster.

Darüber hat die Vereinsführung die Sportler ebenso belehrt wie über das Händewaschen zum Beginn und Ende des Trainings. Und beim Umziehen achten die Trainer darauf, dass jede der Sitzbänke auf der Anlage von nur einem Speedskater benutzt wird. Wie Nadja Schuster informiert, wurden die Trainingsgruppen geteilt. Nun treffen sich um 17 Uhr die jüngeren Sportler, eine Stunde später dürfen die älteren auf die Anlage. Beim Training steht die Lauftechnik im Vordergrund. Läufe finden paarweise statt. Die Speedskater sollen Schnauftücher im Gesicht tragen.

Athletik-Übungen im Freien

Auch die Wassersportler der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft können nun wieder trainieren. Die Wettkampfgruppe trifft sich zu Athletik-Übungen und Läufen im Freien, wie Übungsleiterin Tina Bönisch vom DLRG-Bezirk Niederes Elbtal berichtet. Natürlich gilt auch dabei die allgemeine  Abstandsregel. Die Sportler und angehenden Wasserretter können ihr Vereinsgebäude an der Hochuferstraße nutzen, da sich hier das vorgeschriebene Einbahnstraßensystem durchsetzen lässt – es gibt jeweils einen separaten Ein- und Ausgang. Eine Wasserleitung, die ins Freie führt, ermöglicht das Händewaschen am Beginn und Ende des Trainings. Türklinken am und im Vereinsheim werden nach jeder Trainingseinheit desinfiziert. 

Wann allerdings die Wassersportler und -retter der DLRG in Freibädern und an Seen eingesetzt werden, ist noch nicht klar. Die konkrete Vorbereitung und Einsatzplanung für die Badesaison werde umgehend erfolgen, sobald die Gesundheitsämter Hygiene-Konzepte der Freibäder und Badestätten an den Seen bestätigt haben. Nur unter dieser Voraussetzung kann auch diese jetzt von der Staatsregierung verkündete Lockerung der Corona-Beschränkungen wirksam werden.

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