SZ +
Merken

Traumjob Winzer

Benjamin Groß zog aus, um den Weinbau zu erlernen. Jetzt hat er ehrgeizige Pläne: ein Weingut in seinem Heimatort Putzkau.

Teilen
Folgen

Von Constanze Knappe

Das Zurückschneiden der Reben ist geschafft. Damit die Weinstöcke nicht verwildern, bleibt nur der Haupttrieb stehen. Jetzt muss noch die Fruchtrute auf einem Biegedraht festgebunden werden. „Neun Stunden draußen, da weißt du am Abend, was du gemacht hast“, sagt Benjamin Groß. Es könnten durchaus noch ein, zwei Stunden mehr am Tage werden, denn die Natur gibt den Zeitplan vor. Trotzdem kann sich der 24-Jährige nichts anderes vorstellen. Wenn der gebürtige Putzkauer vom Weinbau spricht, sprüht er vor Begeisterung. Dabei konnte er vor einigen Jahren Wein gerade mal nach den Farben Rot und Weiß unterscheiden.

Das erste Mal in einem Weinberg sei er als Kind gewesen. Seine Eltern haben Freunde auf Sardinien mit einem kleinen Weingut. Alle zwei Jahre hat die Familie dort Urlaub gemacht. Anstoß für den Beruf war das aber noch nicht. Den gab Vater Roland, als Benjamin so gar nicht wusste, was er denn nach der Evangelischen Mittelschule Gaußig mit sich anstellen sollte. „Weil ich handwerklich begabt und gern draußen bin, schlug mein Vater vor, dass ich Winzer werde“, erzählt er. Er recherchierte im Internet – und bewarb sich bundesweit. Mit 17 Jahren ging der Jüngste von vier Brüdern nach Baden-Württemberg. Seiner Mutter Birgit fiel das Loslassen nicht leicht. „Es hatte aber sein Gutes“, sagt Benjamin schmunzelnd. So sei er recht schnell selbstständig geworden.

In zwei Jahren wird gepflanzt

Gelernt hat er auf einem Weingut im Breisgau. Es dauerte seine Zeit, bis er mit dem Dialekt zurechtkam. Er fühlte sich wohl im Badischen. Mit der Note 1,6 legte der einstige Realschüler aus dem Osten, der nach eigenen Worten „in der Schule nie der große Überflieger war“, einen richtig guten Abschluss hin. Besser als mancher alteingesessene Winzersohn. „Es hat mich einfach gepackt“, sagt Benjamin. Ein Jahr arbeitete er noch als Geselle in seinem Ausbildungsbetrieb. Dann trieb es ihn nach Rheinhessen, in Deutschlands größtes Weinbaugebiet. Dass sein jetziger Chef nur acht Jahre älter ist als er und viel mit Fässern und Weinsorten experimentiert, das machte ihn neugierig. So viel wie möglich will Benjamin Groß dabei Erfahrungen sammeln.

Er liebt seinen Beruf, der Abwechslung wegen. „Du musst die Natur verstehen, wissen, wie sich das Wetter entwickelt, Schädlinge erkennen, im Keller mit dem Wein umgehen können und später natürlich auch mit Kunden“, sagt er. Darüber spricht er beim „Frühlingserwachen“ am Sonnabend im Jägerhof Putzkau. Um sich fit in Betriebswirtschaft zu machen, will er ab September studieren, für den Abschluss als Weinwirtschafter und Weintechniker, vergleichbar mit einem Meister. Der Jungwinzer hat Großes vor. In fünf Jahren will er die erste Flasche eines selbst abgefüllten eigenen Weins in den Händen halten. Und das nicht irgendwo in den traditionellen Weinbaugebieten Deutschlands, sondern in Putzkau. „Jedes Mal, wenn ich nach Wochen nach Hause komme, merke ich, dass Heimat eben doch etwas Besonderes ist“, sagt er. – Benjamins Pläne sind sehr konkret. Mit seinem Vater hat er das Gewerbe für einen Weinvertrieb angemeldet. Einen Keller mit Vinothek wollen die beiden Männer bauen. Die Baugenehmigung für die Einfahrt ist bereits zugesagt. In der Vinothek könnten Veranstaltungen stattfinden. Der Keller wird Lagerplatz für die ersten Weinfässer. Im zweiten Schritt käme die Weinkellerei dazu. Benjamin Groß wird gepresste Trauben in Rheinhessen kaufen, die dann in Putzkau vergoren und abgefüllt werden. Und schließlich wollen sich Vater und Sohn Südhänge zulegen. 2016 sollen die ersten Weinstöcke gesetzt werden. Frühreife Sorten, weil es hier im Vergleich zu traditionellen Weinbaugebieten später Frühling und zeitiger Winter wird. Zwar gibt es in der Oberlausitz nicht die extreme Sonne, aber sie würde reichen für einen leichten weißen Wein. Gut geeignet zu Fisch, Hähnchen, Salaten und der leichten Sommerküche. Für den Jungwinzer, der selbst am liebsten Riesling trinkt, gehört zu jedem Essen ein Wein. Er trinkt ihn mit Genuss und ganz bewusst, weil er weiß, wie viel Arbeit vom Pflanzen der Reben bis zur etikettierten Flasche drinsteckt.

„Frühlingserwachen“, 3-Gänge-Frühlingsmenü mit Weinbegleitung durch Winzer Benjamin Groß am 22. März im Jägerhof Putzkau, 03594 707690