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Trebendorfer Sportler sind Botschafter 

Fremde nehmen von der Gemeinde zuerst das Haus der Vereine und die Sportanlagen wahr.

Von Constanze Knappe
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Nele und Celina hatten beim
8. Neujahrsfest des SV Fortuna Trebendorf 1996 beim Backen von Knüppelkuchen ihren Spaß.
Nele und Celina hatten beim 8. Neujahrsfest des SV Fortuna Trebendorf 1996 beim Backen von Knüppelkuchen ihren Spaß. © Foto: Joachim Rehle

Trebendorf. So geht Sächsisch“ heißt es neuerdings auf der Internetseite des SV Fortuna Trebendorf 1996. Der Sportverein ist Werbebotschafter in einer Kampagne des Freistaats Sachsen. 4 500 Vereine hatten sich dafür beworben, 100 wurden letztlich ausgewählt. Die Trebendorfer gehören als einzige aus dem Nordkreis Görlitz dazu. „Wir betrachten es als kleine Auszeichnung für unsere Arbeit“, sagt Vereinsvorsitzender René Kraink. Und die ist zweigeteilt. Sie betrifft den sportlichen Teil und darüber hinaus das Haus der Vereine, dessen Betreibung ebenfalls hauptamtlich in den Händen des Sportvereins liegt.

Dieser wurde, wie aus dem Namen erhellt, 1996 gegründet. Zuvor gab es in Trebendorf gar keinen Sportverein. Mit zwölf Leuten fingen sie an, heute sind es mehr als 300 in 14 Sektionen, einschließlich des Rehasports. „Jedes Vereinsmitglied, welches ein frischgebackenes Elternteil wird, erhält vom Verein für den kleinen Neubürger ein Willkommensgeschenk“, plaudert René Kraink aus dem Nähkästchen. Das kommt an. Die meisten Kinder werden später tatsächlich im Verein angemeldet. Dessen größte Abteilung ist mit 120 Mitgliedern die der Fußballer.

Gern blickt René Kraink auf das Spiel gegen Chemie Leipzig im Sachsenpokal zurück. Das sei einer der ganz großen Höhepunkte 2018 gewesen. „Es war ein Kraftakt“, sagt der Vereinsvorsitzende und verweist auf die mehr als 50 Helfer und die enge Zusammenarbeit mit der Polizei in Weißwasser. Am Ende wurde es das erhoffte tolle Fußballfest – auch, weil alles friedlich blieb. Den Trebendorfern brachte das viel Lob und Anerkennung ein. „Das werden wir in den nächsten 20 Jahren wohl nicht gleich wieder erleben“, ist sich René Kraink sicher. Aktuell sei das Abschneiden der ersten Männermannschaft als Tabellenletzter der Landesklasse eher enttäuschend. Dafür habe sich der Nachwuchsbereich dank der sehr guten Arbeit von Frank Petzold, Maik Ludwig, Thomas Husse, Christoph Berton, René Splichal, Heiko Böckle und Mirko Bartell in fünf Altersklassen bestens entwickelt.

In seinem Rückblick auf 2018 erinnert René Kraink außerdem an den großen Arbeitseinsatz im Juni. Mehr als 50 Freiwillige packten mit an, um die Außenanlagen zu pflegen, und brachten dazu sogar ihr eigenes Werkzeug mit. Abends wurde gemeinsam gegrillt. Das ist einer jener Termine, der seit Jahren einen festen Platz im Kalender hat und deshalb auch 2019 ansteht.

Sieben Tage die Woche Betrieb

„Das hier hat alles viel Geld gekostet“, sagt René Kraink. Finanziert wird der Unterhalt aus Mitteln der Stiftung „Zukunft in Trebendorf“. Sieben Tage die Woche sind die Sportstätten in Betrieb, oft sogar bis 22 Uhr. In diesen Wochen steht wie jedes Jahr die Generalreinigung an. Da werden sogar die Bänke abgeschraubt und in der Halle ein Gerüst aufgebaut. Weil René Kraink und zwei Mitarbeiter das alles selbst machen, dauert es fast einen Monat. Hinterher sei dann alles wieder richtig toll. Die Anlagen in der grünen Mitte von Trebendorf – das sind alles in allem 2 900 Quadratmeter Indoor-Flächen sowie 55 000 Quadratmeter Außengelände. Im Jahre 2012 eingeweiht, haben seither im Haus der Vereine Frauenverein, Dorfklub, Seniorenverein und die Domowina ihr Domizil. Der Hort nutzt fast täglich die Außenanlagen. An zwei Tagen in der Woche ist die Kita „Lutki“ zugange. Die Sektionen Volleyball und Fußball sind die Hauptnutzer der Außenanlagen. Aber auch der alljährliche Familiensporttag sowie Wettkämpfe der Feuerwehren haben ihren festen Platz im Jahresplan.

Abgesehen davon ist das Objekt für Auswärtige das erste, was sie von der Gemeinde Trebendorf wahrnehmen. Etwa wenn Bundeswehr oder Bundespolizei in der Halle trainieren, der Regionale Planungsverband tagt, die Grundschule Schleife Schuleingang feiert oder der CVJM seine christliche Jugendnacht. Selbst Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war zu seinem Bürgergespräch im Haus der Vereine. Womöglich habe diese breite Wahrnehmung dem Sportverein den Status eines Botschafters für Sachsen eingebracht, vermutet René Kraink. „So geht Sächsisch“ – in der grünen Mitte könne man das deutlich sehen. Demnächst auch auf dem Briefkopf des Vereins, am Sportplatz, an den Fahrzeugen.

Die Anlagen sind sehr gut ausgelastet, sagt er. Für 2017 – die Zahlen für 2018 werden gerade zusammengetragen – weist die Statistik 7 755 Stunden der Nutzung aus. Anfangs seien es um die 6 200 gewesen. Auf die Steigerung von 12,7 Prozent ist er schon ein bisschen stolz. Als Präsidiumsmitglied des Kreissportbundes spricht er ganz gezielt Leute an – nach dem Motto „Klappern gehört zum Handwerk“. Weil sich die guten Bedingungen herumgesprochen haben, kämen zunehmend Veranstalter auch von sich aus. Es sei immer ein Spagat, die Sporthalle zur anderweitigen Nutzung zu vergeben, dabei aber nicht die Trainingszeiten der eigenen Sportler zu beschränken. Und bei alldem schauen er und seine beiden Mitarbeiter nicht auf die Uhr. Nur so könne es funktionieren. Laut damaliger Planung waren mehr Mitarbeiter berechnet als heute vorhanden sind. Man müsse hinterher sein, dass alles pfleglich behandelt wird und instand bleibt. Das, in Eigenregie, setze gute Mitarbeiter voraus.

Die Verantwortung fürs Haus der Vereine und das Ehrenamt im Sportverein verlangen dem Trebendorfer einiges ab. „Noch macht es Spaß“, sagt er. Gespannt ist er, was die Zukunft bringt. Für den größten Verein würde er sich eine engere Zusammenarbeit mit der Gemeinde wünschen – ganz nach dem Motto „So geht Sächsisch“.