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Tschechen radeln gern und lassen sich ungern duzen

Das Lausitzer Seenland lockt immer mehr Gäste aus dem Nachbarland. Die Gastgeber müssen einiges beachten.

© SZ/Bildstelle

Von Tilo Berger

Lausitz. Dänen und Niederländer lassen sich gern gleich duzen, Tschechen dagegen nicht. Sie empfinden das als arrogant und unhöflich, weiß Martin Fennemann von der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. Ein paar Begrüßungsworte in ihrer Sprache sowie hin und wieder eine kleine Aufmerksamkeit wissen Gäste aus dem Nachbarland wiederum sehr zu schätzen. Solche Grundregeln sollte schon kennen, wer mit Tschechen zu tun hat. Und das haben immer mehr Gastgeber im Lausitzer Seenland.

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Zwar besuchen auch Dänen und vor allem Niederländer die junge Wasserlandschaft, aber die meisten ausländischen Gäste kommen aus Tschechien. 2017 buchten Tschechen im Seenland insgesamt 13926 Übernachtungen – rund zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dazu kommt noch eine unbekannte Zahl von Tagestouristen aus dem Nachbarland. Tourismus-Experte Martin Fennemann weiß, was die Leute aus Böhmen und Mähren besonders lockt: Radfahren, Skaten, Schlösser und Gärten. All das findet sich im Seenland und seiner Umgebung.

Kleiner Wortschatz öffnet Herzen

Um die Gastgeber auf mehr tschechische Besucher einzustimmen, organisierte der Tourismusverband Lausitzer Seenland jüngst ein Seminar in der nordböhmischen Metropole Liberec. Dort erfuhren die Touristiker aus dem Seenland nicht nur mehr darüber, wie der Tscheche „tickt“, sondern bekamen auch einen kleinen Wortschatz mit auf den Weg.

„Wir können jetzt Besucher oder Anrufer aus dem Nachbarland in ihrer Sprache begrüßen“, sagt Laura Schmidt, die Leiterin der Touristinformation Hoyerswerda. Ein fließender Wortwechsel auf Tschechisch sei noch nicht möglich, aber bis jetzt auch nicht nötig. „Wir verständigen uns auf Englisch, und dann können ja auch viele Tschechen etwas Deutsch.“ Informationsmaterial über das Seenland liegt auch in tschechischer Sprache aus, „das wird sehr gern genommen“, hat Laura Schmidt beobachtet. Ähnlich äußert sich auch Birgitt Jacob von der Touristinformation Senftenberg. Ein paar Worte Tschechisch können schon Herzen öffnen.

Die Tourismusverbands-Geschäftsführerin Kathrin Winkler schwört das ganze Seenland auf tschechische Gäste ein: „Nur wer sich auf die Zielgruppe einstellt, kann bei ihr punkten und für Überraschungsmomente und Wow-Erlebnisse sorgen. Das gelingt schon mit kleinen kreativen Aktionen und Services.“ Der Service fängt mit einer netten Behandlung an – darauf legen Tschechen viel Wert. Wer sie hingegen in politische Gespräche verwickeln will, macht sich schnell unbeliebt. Richtig Pluspunkte kann einfahren, wer für den Empfang tschechischer Fernsehsender sorgt.

Drei Tage Werbung in Prag

Ab Freitag wirbt der Tourismusverband Lausitzer Seenland drei Tage lang auf einer Fahrradmesse in Prag. Mit im Gepäck haben die Lausitzer auch druckfrisches tschechischsprachiges Informationsmaterial zum Seenland, wie die Erlebniskarte mit touristischen Attraktionen.

Bereits auf Tschechisch verfügbar ist die Internetseite des Lausitzer Seenlandes. Dort finden sich zum Beispiel Informationen über die diesjährigen Seenlandtage, die am letzten April-Wochenende in Klein Partwitz stattfinden. Und die Nutzer finden auf dieser Seite Telefonnummern und Mailadressen von Ansprechpartnern im Seenland.

Informationstafeln an den Seen und Kanälen gibt es zwar ausschließlich auf Deutsch, aber diese Tafeln sollen sogenannte QR-Codes bekommen. Wer diese digitalen Codes mit seinem Smartphone scannt, kann dann die Informationen in tschechischer Sprache abrufen.