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Tuberkulose an der Neiße nachgewiesen

13 Menschen tragen die Erreger in sich, nicht alle sind krank. Fündig wurden die Kreisärzte auch in einer Asylunterkunft.

© dpa

Von Gabriel Wandt

Landkreis. Eigentlich ist Tuberkulose in Deutschland sehr selten. Im Landkreis Görlitz haben sich in diesem Jahr dennoch fünf Menschen mit dieser Krankheit infiziert. Drei von ihnen litten an einer offenen Lungentuberkulose, zwei an anderen, nicht ansteckenden Formen von Tuberkulose (Tbc). Das teilt Katja Bürgel von der Tuberkuloseberatung des Landkreises mit. Darüber hinaus sind acht Menschen bekannt, die an latenter Tbc leiden – die also entsprechende Bakterien in sich tragen, bei denen die Krankheit aber nicht ausbricht und wo auch keine Ansteckungsgefahr besteht.

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Ein solcher Fall ist dieses Jahr auch in einem Asylbewerberheim im Landkreis Görlitz aufgetreten, wie Kreissprecherin Marina Michel jetzt bestätigte. Zwei Kinder und ihre Mutter sind an der latenten Tbc-Form erkrankt. Die Familie kam im Dezember 2012 aus Chemnitz in den Landkreis. Wo genau sie jetzt untergebracht ist, darüber gibt das Landratsamt in Görlitz auch auf Nachfragen keine genaueren Informationen an die Öffentlichkeit.

Die Tbc-Bakterien bei den Kindern wurden bei einer Routinekontrolle festgestellt, informiert Frau Bürgel vom Gesundheitsamt. Die Kinder seien weder krank noch ansteckend, und sie wurden vorsorglich mit Antibiotika behandelt, um einen Krankheitsausbruch zu verhindern. Diese Behandlung sei erfolgreich gewesen. Nun werden die Kinder regelmäßig durch das Gesundheitsamt überwacht, das gilt auch für die Mutter. Sie war bereits in Chemnitz untersucht worden, jedoch ohne Befund. Nach dem Entdecken der Tbc bei den Kindern wurde die Familie erneut untersucht und auch bei der Mutter die latente Form der Krankheit entdeckt. Ziel ist es laut Frau Bürgel nun, auch die Mutter vorsorglich zu behandeln. Sollte die Gefahr einer Ansteckung auftauchen, würde sie isoliert in einem Fachkrankenhaus, beispielsweise in Coswig bei Dresden, behandelt.

Insgesamt sind im Zuge der Tuberkulose-Erkrankungen im ganzen Landkreis rund 100 Menschen aus der Umgebung der Betroffenen untersucht worden, also Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen. 40 Blut- beziehungsweise Hauttests seien dabei durchgeführt worden, 80 Personen wurden nach Amtsangaben geröntgt.

Laut Robert-Koch-Institut sind in Deutschland 2011 statistisch gesehen 5,3 von 100 000 Einwohnern an Tbc erkrankt. Am häufigsten ist die Lungentuberkulose. Tbc wird durch die Atemluft, beispielsweise durch Tröpfchen beim Husten, übertragen. Wenn andere Menschen die Erreger einatmen, müssen sie aber noch nicht gleich erkranken. Laut Gesundheitsamt ist Tbc in Deutschland gut heilbar, üblicherweise mit Antibiotika. Die Behandlung ist jedoch langwierig, wie Katja Bürger aufführt: Bei ansteckender Lungentuberkulose muss der Patient vier Wochen ins Krankenhaus und danach mindestens sechs Monate daheim weiterbehandelt werden. Sobald der Patient nicht mehr ansteckend und wieder fit ist, kann er aber auch wieder arbeiten gehen. Wer Erreger in sich trägt, kann mit Antibiotika verhindern, dass die Krankheit ausbricht.