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Überraschender Fund

Näpfchensteine sind eher selten. Doch es gibt sie. Das wurde jetzt bewiesen. Die genaue Herkunft bleibt aber ein Rätsel.

© Maud Schulze

Von Anja Weber

Stolpen. Die Führung zum bronzezeitlichen Schälchen- oder Näpfchenstein in Rennersdorf-Neudörfel durch den Stolpener Geologen Thomas Scholle war gut nachgefragt. Denn so mancher wollte wissen, was es mit dem Stein auf sich hat und auch warum er erst jetzt unweit der ehemaligen Milchviehanlage entdeckt wurde. Seit wenigen Tagen ist nun eine Publikation erhältlich. Sie nennt sich: „Der Fund eines Schalensteins/Näpfchensteins zwischen Rennersdorf und Stolpen – eine archäologische Besonderheit“, informiert der Geologe. Die Autoren dieser Publikation sind Maud Schulze und Thomas Scholle. Veröffentlicht wurde das Heft vom Museum der Westlausitz in Kamenz, mit dem der Geologe zusammenarbeitet. In dieser Publikation mit sieben farbigen Abbildungen werden die Fundsituation, Erläuterungen zur Geschichte und Funktion dieses in der Bronzezeit bearbeiteten Steins sowie die ersten detaillierten Untersuchungen vorgestellt. Bestandteil dieser Publikation sind auch spezielle mikroskopische Untersuchungen sowie Erläuterungen zu möglichen Nutzungen dieses Steins durch die sogenannte Lausitzer Kultur in den Jahren 1 400 bis 500 vor Christi.

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Gefunden hat den Stein Maud Schulze aus Lauterbach, eher durch Zufall bei einem Spaziergang. Sie hatte aber den wahren Wert dieses Steins erkannt und den Stolpener Geologen informiert. Der Schälchenstein liegt seit mindestens 70 Jahren an dieser Stelle, weiß er. Wo er eigentlich herkommt oder wo er die vielen Jahre vorher vergraben war, kann derzeit noch keiner genau sagen. Viele vor Maud Schulze sind an ihm vorbeigelaufen, ohne auf seine besondere Oberfläche zu achten. Und selbst der Geologe war von dem Fund überrascht. „Bei dem Näpfchen- oder Schälchenstein handelt es sich um ein eiszeitliches Geschiebe, dass in der Bronzezeit bearbeitet wurde“, sagt der Experte.

Auf der Oberfläche des Steins befinden sich zahlreiche kleine Näpfchen, die von Menschenhand hier eingearbeitet wurden. Es handelt sich um runde oder ovale, meist mehrere Zentimeter durchmessende Vertiefungen; einzelne Steine weisen zusätzlich Wetzspuren auf. Versuche zeigen, dass mit spitzen Felsstücken in den Fels geschlagene Ausbuchtungen in kurzer Zeit zu glatten Schalen ausgerieben werden können. Im Volksmund heißt dieser besondere Stein oft auch Opferstein, also auch ein heidnischer Kultstein. Dieser Stein wurde in den letzten Monaten auch intensiv mikroskopisch untersucht. Die überraschenden Forschungsergebnisse wurden bereits bei der Exkursion vorgestellt. Übrigens: Solche Schälchensteine sind sehr selten. Sie stehen meist im Zusammenhang mit Grabfeldern der sogenannten Lausitzer Kultur, weiß der Experte.

Der Rennersdorfer Näpfchenstein wurde bisher nur auf der Sommer-Exkursionen des Gewerbevereins Stolpen und zum Tag des Offenen Denkmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Thema Schalensteine/Näpfchensteine sind für 2016 weitere Untersuchungen an anderen Fundstellen bei Bautzen und Göda geplant.

Bestellung unter: www.museum-westlausitz.de oder ab Ende Jan. bei Thomas Scholle für fünf Euro zu erwerben.