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Auto löst Großalarm in Waldheim aus

Am Donnerstag kam es zu einem Auffahrunfall. In einem Pkw war ein automatisches Notrufsystem installiert. Noch ist das eine Seltenheit.

Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr waren bei dem Einsatz an der Niederstadt in Waldheim vor Ort. Die Straße war kurzzeitig gesperrt.
Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr waren bei dem Einsatz an der Niederstadt in Waldheim vor Ort. Die Straße war kurzzeitig gesperrt. © Dietmar Thomas

Waldheim. Am Donnerstagvormittag gab es im Bereich Niederstadt in Waldheim eine Vollsperrung. Grund dafür war ein Auffahrunfall, wie die Polizei bekanntgab. Polizei, Feuerwehren aus drei Gemeinden sowie Rettungswagen wurden an die Unfallstelle gerufen, obwohl dort eigentlich nicht viel passiert gewesen war.  

Gegen 10.00 Uhr waren in Höhe des Spielwarengeschäftes zwei Fahrzeuge zusammengestoßen. Ein 19-Jähriger hatte dort mit seinem Renault verkehrsbedingt gehalten. Ein 73-jähriger Kia-Fahrer sah dies zu spät und fuhr auf den Renault auf. 

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Nach Angaben der Polizei sind beide Fahrer bei dem Unfall leicht verletzt worden. Der entstandene Sachschaden wird auf rund 8.000 Euro geschätzt. Schon nach kurzer Zeit konnte die Vollsperrung in der Niederstadt wieder aufgehoben werden.

Drei Feuerwehren wurden nach Waldheim alarmiert

Alarmiert wurden die Einsatzkräfte in diesem Fall über das automatische Notrufsystem eCall, das sich in einem der beiden Fahrzeuge befunden hat. Das bestätigte Christin Rost, Sachgebietsleiterin Ordnung und Sicherheit, Brand- und Katastrophenschutz in Waldheim. „Da der Fahrer des ausgelösten Fahrzeuges sich nicht gemeldet hat, hat die Leitstelle größer alarmiert“, so Rost weiter. 

Neben der Waldheimer Feuerwehr wurden so auch die Kameraden der Gemeinde Kriebethal sowie Hartha angefunkt. „Da diese spezielle Rettungsgeräte vorhalten“, ergänzte die Sachgebietsleiterin. Die Waldheimer Feuerwehr sei mit zwei Fahrzeugen und zehn Kameraden vor Ort gewesen. „Die beiden anderen Wehren konnten nach Lageermittlung schnell zurück alarmiert werden.“

Harthas Wehrleiter René Greif bestätigte, dass ein Fahrzeug mit sechs Kameraden auf dem Weg zur Unfallstelle gewesen war, aber im Bereich Kaufland-Kreuzung in Waldheim den Einsatz nach Lagebeschreibung abbrechen konnte. 

Für die Harthaer war es der erste Einsatz, zu dem sie über ein eCall-System gerufen worden sind, sagte Greif. Die Kameraden der Döbelner Feuerwehr haben, so Wehrleiter Thomas Harnisch, bisher noch gar keine Erfahrungen damit gemacht.

Alarmierung durch eCall spart Zeit

Trotz des großen Aufwandes, der für die Einsatzkräfte auch in dem Fall entstand, bewerten die Feuerwehrleute derartige Systeme positiv. „In 95 Prozent der Fälle macht die Technik, was sie soll, in fünf Prozent der Fälle ist sie kontraproduktiv“, meint René Greif. 

Es sei besser, die Kameraden würden einmal umsonst ausrücken, als dann im Nachhinein zu sagen, es hätte auch anders sein können. Ähnlich sieht es Brandrat Gert Berger von der Integrierten Rettungsleitstelle in Chemnitz. Dort kommen die Notrufe auch beim eCall an.

„Natürlich begrüßen wir solche Systeme“, sagt Berger. Ohne diese würde zum Beispiel viel Zeit vergehen, wenn in der Nacht ein Schichtarbeiter verunglückt und keiner dies bemerkt. „Das System zeigt den Unfall sofort an, auch nachts um halb 3 Uhr. Es vergeht keine unnötige Zeit mehr. Und Zeit ist Leben“, bekräftigt Berger.

In der Leitstelle würden sich die Alarmierungen durch automatische Notrufsysteme häufen. In Chemnitz gehen dabei nicht nur die Notrufe aus dem Landkreis Mittelsachsen ein, sondern auch aus dem Bereich Chemnitz sowie dem Erzgebirgskreis. Automatisch ausgelöst wird ein Notruf über das System in der Regel dann, wenn im Fahrzeug der Airbag ausgelöst wird. 

In dem Zuge werde auch eine telefonische Verbindung mit dem Fahrzeug hergestellt, erklärt Berger. Der Disponent in der Leitstelle würde sich dann über die Freisprecheinrichtung bei  den Insassen des Fahrzeuges erkundigen, was geschehen ist. 

„Viele Leute erschrecken dann erst einmal, können sich im ersten Moment nicht erklären, wo die Stimme herkommt“, so Berger. Meldet sich niemand aus dem Fahrzeug, dann würden sämtliche Einsatzkräfte von Feuerwehr über Polizei bis zum Rettungsdienst alarmiert. So wie am Donnerstag in Waldheim geschehen.

Kann der Disponent jedoch mit den Betroffenen sprechen, dann könne die Situation vor Ort besser eingeschätzt und die Alarmierung der Einsatzkräfte angepasst werden, erklärt der Brandrat. 

Automatische Notrufsystem in Pkw seit Mitte März Pflicht

Das System, das vergleichbar mit einer Brandmeldeanlage ist, übermittelt an die Leitstelle nicht nur die Information, wo das Auto verunfallt ist. Auch Angaben zum Fahrzeugtyp sowie den Insassen werden weitergegeben. 

Um die Anzahl der Insassen zu erfahren, sei es besonders wichtig, dass diese angeschnallt seien. Denn: „Übermittelt wird nur die Zahl der angeschnallten Insassen“, betont Berger.

Der Notruf kann allerdings auch manuell ausgelöst werden. Dafür befindet sich ein SOS-Knopf in dem Fahrzeug. Der könne gedrückt werden, wenn der Fahrer gesundheitliche Probleme, zum Beispiel einen Herzinfarkt, hat. Der ADAC weist allerdings darauf hin, dass der Knopf nicht bei technischen Problemen mit dem Fahrzeug getätigt werden darf.

Hin und wieder komme es allerdings vor, dass in der Leitstelle über die eCall-Systeme falsche Alarmierungen eingingen, berichtet Gert Berger. Mitunter wollen die Fahrzeuginhaber die Funktion des Knopfes nur einmal testen und seien dann überrascht, wenn sich wirklich die Leitstelle meldet. In solchen Fällen müssen die Anrufer dann plausibel erklären, dass sie wirklich keine Einsatzkräfte benötigen und den Notruf nur versehentlich abgesetzt haben.

Seit dem 31. März 2018 sind eCall-Systeme bei neu zu genehmigenden Fahrzeugmodellen Pflicht in der Europäischen Union. Das System lässt sich jedoch auch nachrüsten.

Radfahrerin stürzt in Schrebitz

Ebenfalls am Donnerstag wurde die Polizei über einen Fahrradunfall im Ostrauer Ortsteil Schrebitz informiert. Dort war gegen 10.10 Uhr eine 89-Jährige mit ihrem Rad gestürzt. 

Laut Polizei wechselte die Frau im Schulweg von der Straße auf den Radweg. Dabei stieß sie jedoch gegen einen Poller und stürzte. Die Frau zog sich nach Polizeiangaben schwere Verletzungen zu. 

Inwieweit bei dem Unfall ein Sachschaden entstanden ist, dazu lagen der Pressestelle der Polizei noch keine Angaben vor. 

Dieser Artikel wurde am 3. September um 15.46 Uhr zuletzt aktualisiert. 

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