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Ungeplantes Gondeln auf dem Mühlteich

Ab dem Wochenende kann man in Bischofswerda wieder Boot fahren. Doch im Vorfeld lief einiges schief.

Von Gabriele Naß und Ingolf Reinsch

Rund ums Entenhaus auf dem Mühlteich können Bischofswerdaer und Gäste der Stadt ab Sonnabend in einem Tretboot ihre Runden drehen. Täglich von 14 bis 18 Uhr, zu den Öffnungszeiten des Eispavillons der Konditorei Kalt, ist die Bootsausleihe möglich. Die Konditorei ist neuer Betreiber des im vergangenen Jahr vom Wirtschaftsförderverein Bischofswerda gesponserten Tretbootes. Zunächst läuft der Bootsverleih im Probebetrieb, sagte Harald Kalt, Inhaber der Konditorei, auf Anfrage. Eigentümerin des Bootes bleibt die Stadt Bischofswerda. Sie legt auch die Preise fest. Die Bootsmiete für eine halbe Stunde kostet zwei Euro, für eine Stunde drei Euro.

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Hier darf ab Pfingsten jeden Nachmittag gegondelt werden. Die Anlegestelle ist über die Stufen am Eispavillon der Konditorei Kalt zu erreichen. Dort meldet man sich auch, wenn man mit dem Tretboot fahren möchte. Fotos: Regina Berger, Wolfgang Schmidt
Hier darf ab Pfingsten jeden Nachmittag gegondelt werden. Die Anlegestelle ist über die Stufen am Eispavillon der Konditorei Kalt zu erreichen. Dort meldet man sich auch, wenn man mit dem Tretboot fahren möchte. Fotos: Regina Berger, Wolfgang Schmidt © Regina Berger

Der Umzug des Schiffes vom Gondel- zum Mühlteich war nicht geplant – und ursprünglich auch nicht gewollt. Er ist eine Notlösung, nachdem der bisherige Betreiber seinen Vertrag mit der Stadt gekündigt hat. Die Bischofswerdaer Veranstaltungsagentur Fun & Game, die den Kiosk im Bad betreibt, hatte im vergangenen Sommer den Bootsverleih zu den Badöffnungszeiten übernommen. Und sie hatte große Pläne, deren Verwirklichung Bischofswerda gut getan hätte. Das Unternehmen wollte investieren und in diesem Jahr noch ein, zwei Tretboote sowie einige Ruderboote für den Gondelteich kaufen. Um Leuten, die nur mit dem Schiff fahren möchten, den Umweg übers Bad zu ersparen, sollte am Gondelteich ein Verkaufshäuschen, eventuell auch ein kleiner Biergarten aufgebaut werden. Mit dem früheren Kulturamtsleiter Norman Reitner sei man sich in wesentlichen Punkten einig gewesen, heißt es bei Fun & Game. Doch nach dessen Weggang habe es in der Zusammenarbeit mit der Stadt einen Bruch gegeben. So habe Fun & Game bisher nur einen Betreibervertrag für das eine Boot gehabt. Um wie geplant in fünfstelliger Höhe investieren zu können und dafür einen Bankkredit zu bekommen, hätte man aber den Gondelteich langfristig pachten müssen. Das Unternehmen habe den neuen Marketingchef der Stadt und auch den Oberbürgermeister deswegen angesprochen – ohne bis zu Beginn der neuen Badsaison den gewünschten Pachtvertrag zu bekommen. Auch zwei weitere Wünsche des Unternehmens wurden nach dessen Angaben nicht erfüllt: der nach einer Klingel für den Imbiss am Badeingang, sodass Besucher sich wegen des Gondelns auch hätten melden können, wenn das Bad, etwa wegen kühlen Wetters, geschlossen ist. Und die Bitte nach einem klärenden Gespräch, um vereinbarte Bestimmungen zur Versorgung der Badbesucher einzuhalten. Dies sei Fun & Game zugesagt, aber bis zur Eröffnung der Badsaison nicht realisiert worden.

Warum die Stadt dem Bootsbetreiber nicht entgegengekommen ist, lässt sich zurzeit im Rathaus nicht feststellen. OB und Marketingchef sind im Urlaub. Hauptamtsleiterin Inga Skambraks sieht seitens der Stadt keine Versäumnisse. Von der Pressearbeit bis hin zum Verschenken von Gutscheinen fürs Gondeln habe die Stadtverwaltung „alles dafür getan, dass das Boot positiv angenommen wird“, sagt sie.

Der Wirtschaftsförderverein Bischofswerda, dem Unternehmer aus der Stadt angehören, hatte das Tretboot im Wert von rund 2 000 Euro im vergangenen Jahr für den Gondelteich gesponsert. Eine Aktion, die vor allem ein Zeichen für die Belebung der Innenstadt setzen sollte. Der Wirtschaftsförderverein hat ein Konzept erarbeitet, wie der an der Stolpener Straße geplante Supermarkt mit dem Altmarkt verbunden werden kann. Ein Vorschlag: die Wiederbelebung des Gondelteiches.

Der jetzige Umzug des Schiffes an den Mühlteich ist mit dem Verein abgestimmt. „Es trägt bei, die Innenstadt zu beleben, egal auf welchem der beiden Teiche das Boot fährt“, sagt Vereinsvorsitzender Steffen Thiele. Wichtiger als das Boot sei zurzeit eine andere Frage: Darf der geplante Supermarkt überhaupt gebaut werden? Einrichtungen außerhalb Bischofswerdas lehnen ihn ab. Der Wirtschaftsförderverein hat dafür kein Verständnis: „Bischofswerda sollte selbst entscheiden können, wie sich die Stadt entwickeln soll.“