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Ungewisse Zukunft für den Dreikaiserhof

Viele Mieter des Geschäftsgebäudes haben die Kündigung erhalten. Der Zugang für Besucher ist beschwerlich.

Nach 13 Jahren im Dreikaiserhof muss Thomas Kluttig sein Fitnessstudio räumen. Der Umzug ist mit einigen Hindernissen verbunden.
Nach 13 Jahren im Dreikaiserhof muss Thomas Kluttig sein Fitnessstudio räumen. Der Umzug ist mit einigen Hindernissen verbunden. © Sven Ellger

Thomas Kluttig fühlt sich schikaniert. Bis zur Monatsmitte muss er sein Fitnessstudio Injoy im Dreikaiserhof an der Kesselsdorfer Straße geräumt haben. Doch die sperrigen Fitnessgeräte kann er nur über das Treppenhaus oder einen kleinen Personenaufzug abtransportieren – sofern sie dort hineinpassen. Der geräumige Warenaufzug ist ihm zufolge seit Wochen außer Betrieb. Eigentlich sollte der Umzug rund 7 500 Euro kosten, nun stehen fast 20 000 Euro im Raum, weil viel mehr Umzugshelfer mit anpacken und die schweren Geräte teilweise die Treppen hinabbugsieren müssen.

Vergangenen Juni hat der 49-Jährige überraschend die Kündigung durch den neuen Eigentümer, die „R & S Invest Dresden Kesselsdorfer Straße GmbH“ erhalten. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main wird vom 29-jährigen Georg Block geführt. Der hat in den vergangenen Jahren mehrere Gesellschaften gegründet, häufig um einzelne Objekte in ganz Deutschland zu verwalten oder zu vermieten. Darunter auch die Wallstraße 11 oder die Heeresbäckerei in Dresden.

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Offen ist bisher, was der junge Unternehmer mit dem Dreikaiserhof vorhat. Auch andere Mieter des viergeschossigen Gebäudes haben eine Kündigung erhalten. Ein Teil des Sanitätshauses Iltzsche zieht in wenigen Wochen an die Ecke Kesselsdorfer Straße/Bünaustraße. Die Filiale von SchlafOptimal, einem Zentrum für Matratzenanpassung, wird laut Geschäftsführer Torsten Röhr ab Juli auf der Borsbergstraße zu finden sein. Anderen Mietern wurde auch zur Jahresmitte gekündigt, aber teilweise eine Option auf Verlängerung mitgeteilt.

Auf SZ-Anfrage teilt Eigentümer Block mit, dass das Objekt auch weiterhin „für die gewerbliche Nutzung“ vorgesehen ist. Die abschließenden Planungen lägen hierfür aber noch nicht vor. Demnach kann er auch nicht beantworten, welchen Betrag er in das Gebäude investieren will. Die jetzigen Zustände im Gebäude empfinden viele Mieter als belastend. Die Rolltreppe vom Haupteingang in das erste Obergeschoss ist defekt. „Die Leute finden schlecht her. Das Treppenhaus sieht furchtbar aus und wird auch nicht gewischt“, meint Torsten Röhr von SchlafOptimal.

Vorm Dreikaiserhof wird derzeit an der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße gebaut.
Vorm Dreikaiserhof wird derzeit an der Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße gebaut. © Sven Ellger

Thomas Kluttig vom Injoy sagt, er habe die Umstände mehrmals bei der Hausverwaltung, der Dresdner Firma Elbtal Immobilien GmbH angesprochen. Auch, dass der einzige Personenaufzug am Wochenende ebenfalls komplett abgeschaltet wird. „Zuletzt haben unsere Kunden hier teilweise vor der Haustür gestanden, uns angerufen und gefragt, welchen Weg sie denn nehmen müssen, um zu uns zu kommen“, sagt Injoy-Mitarbeiterin Steffi Loik. Das alles interessiere aber weder Hausverwalter noch Eigentümer, meint ihr Chef. Eigentümer Block sagt: „In dem Objekt gab es diverse Sachbeschädigungen, teilweise Brandschäden, deren Abwicklung bei der Versicherung liegt. Leider ist es so, dass für bestimmte Einrichtungen die Lieferung der Ersatzteile auch ihre Zeit benötigt.“

Thomas Kluttig hat mit seinem Fitnessstudio bisher rund 2300 Quadratmeter Fläche auf zwei Etagen genutzt. 2006 hatte der damalige Studioleiter die Filiale übernommen, auch weil er von der zentralen und verkehrsgünstigen Lage überzeugt war. Viele Mieter sind sich einig, dass das Haus mit der Tiefgarage und den Fahrstühlen für die Besucher sehr günstig gelegen ist. Und, dass vor allem ältere Menschen mit den Arztpraxen, der Apotheke, Physio- und Ergotherapien sowie dem Sanitätshaus ein Rund-Um-Angebot im Gesundheitsbereich hatten.

Für das Fitnessstudio hat sich Kluttig gar nicht erst nach einem Alternativstandort umgesehen. Die Mietpreise seien zu sehr gestiegen und die Konkurrenz sprieße nur so aus dem Boden. „Als ich angefangen habe, gab es sieben Fitnessstudios in meinem Einzugsbereich. Jetzt sind es 22. Das ist ein reiner Verdrängungswettbewerb, den ich als Einzelunternehmer nicht durchhalten kann.“ Mehrere Hundert betroffene Kunden musste er über die Schließung informieren. Sie können in seinen anderen beiden Filialen im TK Nickern oder in Heidenau weitertrainieren oder kündigen.