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Unsozial und kinderfeindlich

Angeregt von der SZ, saßen am Donnerstag in der Kindertagesstätte "Knirpsenland" im Bautzener Gesundbrunnen Betroffene an einem Tisch: Eberhard Neumann, Vorsitzender, und Gabriele Absch, Sachgebietsleiterin...

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Angeregt von der SZ, saßen am Donnerstag in der Kindertagesstätte "Knirpsenland" im Bautzener Gesundbrunnen Betroffene an einem Tisch: Eberhard Neumann, Vorsitzender, und Gabriele Absch, Sachgebietsleiterin Kindertagesstätten des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt, die ab 1. Oktober Träger von neun Kitas im Landkreis Bautzen sein wird; Dana Benad, Petra Hörenz-Freiberg, Andrea Rook und Carola Güttler, deren Kinder im "Knirpsenland" betreut werden; sowie Roswitha Sprigade, die Leiterin der Kita.Eberhard Neumann: Wir halten diese Pläne für absolut unsozial, kinderunfreundlich und familienfeindlich. Und sie sind eigentlich auch ein Verstoß gegen das Kindertagesstätten-Gesetz, das einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab drei Jahre vorsieht. Der wird aber ausgehöhlt durch die höheren Kosten, die durch die sinkenden Landeszuschüsse auf die Familien zukommen. Viele werden sich dann einen Platz nicht mehr leisten können.Carola Güttler: Ich halte die Kürzungen für ein Signal in die falsche Richtung. Viele Familien werden sich dann gegen Kinder entscheiden. Andererseits wird die Bevölkerung auch in Sachsen immer älter. Wer soll dann noch für die Rente aufkommen?Eberhard Neumann: Die Konsequenz wäre, dass wahrscheinlich viele ihre Kinder nicht mehr oder nur noch sechs Stunden in die Einrichtung bringen. Für uns als Träger wäre das wirtschaftlich ein wesentlicher Einschnitt, und es würde wieder Arbeitsplätze kosten. Vor allem für kleine Einrichtungen hieße das wahrscheinlich das Aus.Carola Güttler: Ich müsste die Mehrkosten in Kauf nehmen, um nicht die Arbeit zu verlieren. Ich arbeite als Lehrerin zwar in Teilzeit, muss aber flexibel sein.Petra Hörenz-Freiberg: In mir steigt die Wut hoch, weil ich dafür bestraft werde, dass ich noch ein Kind in die Welt gesetzt habe. Ich bin alleinerziehend und auf Sozialhilfe angewiesen, möchte aber unbedingt eine Arbeit oder ABM haben. Doch wenn die Kinderbetreuung nicht gesichert oder nur auf sechs Stunden reduziert ist, brauch` ich gar nirgendwo erst anzufangen.Andrea Rook: Die finanzielle Seite ist ja das eine. Aber ich denke, dass viele Frauen hier doch arbeiten wollen, nicht nur wegen des Geldes. Und da zerstören solche Sparpläne für viele auch das Lebenskonzept.Dana Benad: Außerdem muss man sich auch mal über die Auswirkungen auf die Kinder Gedanken machen. Hier lernen sie in der Gruppe soziales Verhalten. Das kann man ihnen zu Hause gar nicht bieten.Roswitha Sprigade: Wir Erzieherinnen sehen die Gefahr, dass wir bei weiteren Kürzungen unsere Arbeit nicht in der Qualität machen können wie bisher, pädagogische Konzepte nicht mehr umsetzen können.Gabriele Absch: Das ist keine Familienpolitik, die hier betrieben wird. Wir wollen in die Zukunft investieren. Muss denn das Kind immer erst in den Brunnen fallen, ehe man wach wird?

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