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Quer durch den Altkreis Riesa wird eine große Gasleitung verlegt. Nur an einer Stelle stockt es.

Das fehlende Stück: Bei Bobersen (im Bild unten) soll die Ferngasleitung die Elbe queren. Links im Hintergrund liegt Riesa.
Das fehlende Stück: Bei Bobersen (im Bild unten) soll die Ferngasleitung die Elbe queren. Links im Hintergrund liegt Riesa. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Die Bagger sind längst weiter gerückt. Waren sie kürzlich noch rechts und links der Elbe direkt nördlich von Riesa im Einsatz, bringen sie nun zwischen Zeithain und der Landesgrenze zu Brandenburg die markanten gelben Gasrohre unter die Erde. Die sogenannte Ferngasleitung (FGL) 12 quert den Altkreis Riesa von Strehla über Zeithain, Wülknitz und quer durch die Gemeinde Röderaue Richtung Elsterwerda, bevor es von dort weiter zum Netzknoten Lauchhammer geht.

Fast überall wird dieser 65 Kilometer lange Abschnitt derzeit planmäßig saniert - nur an einer Stelle nicht: dort, wo die ab 1955 gebaute Alttrasse die Elbe quert. Aus der Luft ist deutlich zu erkennen, wie aus Richtung Strehla heran durch die Äcker gegraben wurde - und wie in Bobersen nicht nur eine Wohnsiedlung, sondern auch ein Kleingarten und ein Baumstreifen am Elbufer geschnitten wurde.

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Nach Monaten von Bauarbeiten ist dort Ruhe eingekehrt, wo sich laut der Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren etliche Tierarten tummeln: Auf der linken Elbseite etwa fühlen sich Stare, Feldlerchen, Schwarzmilan und Mäusebussard wohl. Bei Bobersen kommen noch Kuckuck, Bluthänfling und die Grüne Keiljungfer - eine Libelle - dazu. Nicht zu vergessen das Fledermausvorkommen aus Rauhhaut-, Wasser- und Zwergfledermaus, das sich gleich nördlich von Bobersen befindet.

Zweieinhalb Meter Tiefe reichen nicht

All die Tierarten sind aber nicht der Grund, warum die Verlegung der neuen Gastrasse an dieser Stelle stockt. Anlass dafür waren Sorgen, die man sich beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) machte. Ursprünglich sollte die neue Gasröhre zweieinhalb Meter unterhalb dem Grund der Elbe hindurchführen. Das WSA verlangte aber einen "Sicherheitszuschlag" von einem weiteren Meter Tiefe, weil es möglicherweise zu Geschiebeumlagerungen kommen könnte.

Nun wurde also ein neuer Plan für die Querung des Flusses gemacht. Dabei soll der sogenannte Elbedüker deutlich tiefer in der Elbe verlegt werden. Das ganze macht einen neuen Planfeststellungsbeschluss nötig - und verzögert dementsprechend die Bauarbeiten. "Da wir eine Bauzeit von etwa vier Monaten kalkulieren und ein Bau über den Jahreswechsel nicht möglich ist, könnte es sein, dass wir diese Baumaßnahme erst Anfang des kommenden Jahres angehen können", sagt Ralf Borschinsky, Pressesprecher der Ontras-Gastransport-Gesellschaft.

Die Versorgung der Kunden mit Gas sei trotzdem gesichert. Während der Bauzeit des neuen Dükers könne man einen Reservedüker als „Umleitungsstrecke“ nutzen, der etwa 60 Meter stromabwärts zum alten Hauptdüker im Fluss liegt. Man plane die Bauabschnitte nach Möglichkeit so, dass man das Gas über alternative Wege transportieren könne. "Wo dies aufgrund der örtlichen Gegebenheiten einmal nicht möglich ist, sorgen wir für eine temporäre mobile Ersatzversorgung", sagt Borschinsky. Je nach benötigter Menge behelfe man sich über Flaschenbatterien oder mit verflüssigtem Erdgas (LNG), das in Trailern angeliefert und vor Ort verdampft und normal ins Gasnetz eingespeist wird.

Ein Blick aus der Luft auf die Baustelle zwischen Bobersen und Elbwiese.
Ein Blick aus der Luft auf die Baustelle zwischen Bobersen und Elbwiese. © Foto: Lutz Weidler
Die Ferngasleitung selbst sieht recht unscheinbar aus, gehört aber zu einem wichtigen Netz.
Die Ferngasleitung selbst sieht recht unscheinbar aus, gehört aber zu einem wichtigen Netz. © Sebastian Schultz
Die Baustelle wird kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen, da der Elberadweg bei Bobersen ohnehin seit Jahren gesperrt ist.
Die Baustelle wird kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen, da der Elberadweg bei Bobersen ohnehin seit Jahren gesperrt ist. © Sebastian Schultz

Wenn die Genehmigungen da sind, wird der Düker auf der Riesaer Uferseite komplett vorgefertigt und dann über Rollenbahnen seitlich in die Elbe eingeschoben und mittels Winden gezogen. Dann wird die Elbe auch für die Schifffahrt komplett gesperrt sein, aber nur für wenige Stunden. Nennenswerte Auswirkungen auf den Straßenverkehr rechts und links der Elbe soll es dabei nicht geben.

Eine Premiere ist das für die Ontras-Experten nicht: Die Leitungen des Gastransporteurs queren allein die Elbe etwa 20 Mal, so Borschinsky. "Allerdings sind Querungen in dieser Größenordnung als Baumaßnahme eher selten." Nur alle zwei bis fünf Jahre hätten Planer und Bauherr damit zu tun. Für die ausführenden Spezialfirmen dagegen sei so eine Dükerung Alltagsgeschäft. "Weit öfter, derzeit mehrmals im Jahr, bauen wir Düker durch kleinere Gewässer", sagt Borschinsky. Dort werden die Rohre dann mit Schwerlastkränen an Ort und Stelle gebracht.

Alles in allem kostet so ein Düker laut Ontras etwa 1,8 Millionen Euro. Zum Vergleich: Beim normalen Streckenbau kalkuliert man mit einer Million Euro pro Kilometer Leitung. "Je nach Gelände, Rohrdurchmesser und Bodenbeschaffenheit kann es auf freien Strecken wesentlich kostengünstiger, bei engen Verhältnissen, Verkehrsweg- und Gewässerkreuzungen aber auch wesentlich teurer werden", sagt der Ontras-Sprecher.

Ausstiegshilfen für Biber und Otter

Von der Elbequerung abgesehen laufe der Bau der FGL 12 in Sachsen wie vorgesehen. Der Bauabschnitt zwischen Strehla und Zeithain wurde längst abgeschlossen, so dass dort das Gas bereits durch den neu gebauten Abschnitt strömt. Mittlerweile ist der Bauabschnitt zwischen Zeithain und der Landesgrenze zu Brandenburg außer Betrieb und gasfrei, so dass dort die Erneuerung läuft. Zeitgleich verlegt Ontras auch zwei längere Anschlussleitungen neu. "Die Leitungsstränge werden parallel zur Bestandsleitung verlegt, da diese aus versorgungstechnischen Gründen weiter in Betrieb bleiben muss", sagt Borschinsky. Deshalb gelten für die Arbeiten dort besondere Vorschriften und erhöhte Sicherheitsanforderungen.

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Das Ontras-Ferngasnetz durchzieht nahezu das komplette Gebiet der einstigen DDR und ist an mehreren Stellen mit dem polnischen und tschechischen Gasnetz verbunden. Bei der Elbquerung bei Riesa wird eine 40 Zentimeter dicke Gasleitung "im Betonmantel" verlegt. Die muss nicht nur die Elbe, sondern auch die Elbwiesen samt Deich und Wegen queren. Als Ausgleichsmaßnahme muss die Ontras zwei Flurstücke in Goltzscha und Merschwitz renaturieren. Und auf die Tierwelt achtgeben - das reicht von Bauzeitenbeschränkungen im Umfeld der Vogelhorste über die vorherige Vergrämung von Bodenbrütern bis hin zu Ausstiegshilfen in den geplanten Baugruben: Die müssen außerhalb der Bauzeiten so ausgestattet sein, dass eventuell hineinfallende Tiere wie Fischotter und Biber auch selbst wieder hinausklettern können.

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