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Urlaubsgäste vom Zuckerhut

Deutsch-Brasilianische Freundschaft: Südamerikaner besuchen Oberlausitzer Familie in Herwigsdorf.

Von Marcus Scholz

Dietmar und Gerlinde Grolms posieren zusammen mit ihrem befreundeten Ehepaar aus Brasilien für ein Erinnerungsfoto vor der Dresdner Frauenkirche. Die Brasilianer haben es nach langer Anlaufzeit endlich geschafft, ihren Urlaub in Deutschland zu verbringen und gleichzeitig die Herwigsdorfer Familie zu besuchen.

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Angefangen hat alles während eines Fluges zu den Olympischen Spielen nach Peking 2008. „Wir kamen auf dem langen Flug ins Gespräch und tauschten unsere Adressen“, erklärt Dietmar Grolms. Seine Frau schrieb anschließend sofort ein paar englische Sätze auf eine Postkarte und schickte diese dann Richtung Brasilien. Seitdem ist der Kontakt nie abgerissen. Nachdem man sich jahrelang per E-Mail austauschte, fasste sich Familie Grolms schließlich ein Herz und flog im letzten Jahr selbst an den Zuckerhut. Dabei hatte das Ehepaar zunächst ein etwas mulmiges Gefühl. „Da wir größtenteils nur Kontakt über das Internet hatten, wussten wir anfangs nicht, ob wir und die brasilianische Mentalität zusammenpassen. Nach kurzer Zeit hatte sich die Spannung aber gelegt und wir haben uns super verstanden“, erzählt Gerlinde Grolms.

Und nun war es also umgekehrt. Nach langer Planung kam das brasilianische Paar nach Deutschland – natürlich um Familie Grolms zu besuchen, aber auch um Land und Leute kennenzulernen. Am Flughafen Frankfurt/Main angekommen, wurden sie von ihren deutschen Freunden freudig empfangen. Auf dem Plan stand eine kleine, akribisch geplante Rundreise quer durch Deutschland. Treue Begleiter waren dabei stets ein portugiesisch-deutsches Wörterbuch sowie eine App für das Handy. „Die Verständigung klappt meist gut. Zur Not helfen wir uns mit Händen und Füßen“, erzählen die Herwigsdorfer.

Los ging es in Koblenz am Deutschen Eck mit einer Schifffahrt auf der Mosel. Nächstes Ziel war die Kasseler Wilhelmshöhe. Der unter Unesco-Weltkulturerbe stehende, größte Bergpark Europas hatte es mit seinen Burgen und Schlössern den Brasilianern angetan. „Sie wollten gar nicht mehr aufhören Fotos zu schießen, denn in Brasilien gibt es so etwas ja nicht“, schildert Frau Grolms. Um Mann und Frau bei der Reisezielauswahl gerecht zu werden, führte der Weg über eine Betriebsführung bei Dr. Oetker, hin zur Autostadt nach Wolfsburg. Über Hamburg, Berlin und Dresden ging es dann schließlich Richtung Heimat. Endlich in der Oberlausitz angekommen, waren die südamerikanischen Gäste begeistert von dem vielen Grün in den Gärten, der Bauweise der Häuser und der Ordnung in den Städten. Sie selbst kommen nämlich aus Curitiba, einer Millionenstadt südwestlich von Rio de Janeiro. „Dort sieht es aus wie in einer Kaserne. Die Häuser sind von Stacheldraht umzäunte, hohe Betonklötze“, erzählt Gerlinde Grolms.

Neben den vielen Besichtigungen tauschte man beim gemeinsamen Backen und Kochen gegenseitig Rezepte aus. Unbedingt probieren wollten die beiden Brasilianer echtes „German Eisbein“ und typisch deutsche Gerichte wie Kasseler mit Sauerkraut, Roulade, Klöße oder Currywurst. Die Grolms wurden im Gegenzug in die Herstellung eines originalen Caipirinha eingeweiht. Begeistert waren die Gäste auch vom deutschen Bier. „Wir haben bestimmt mehr als zehn verschiedene Sorten ausprobiert“, erzählt Dietmar Grolms.

Natürlich spielte auch das Thema Fußball an den vielen gemeinsamen Tagen eine kleine Rolle. Die Gäste aus dem Gastgeberland der diesjährigen Weltmeisterschaft waren allerdings nicht so optimistisch, was ihre brasilianische Mannschaft angeht. „Sie denken, dass Brasilien nicht Weltmeister wird. Insgeheim hoffen sie aber auf ein Finale gegen Deutschland. Da können sie für beide Mannschaften sein“, sagt Dietmar Grolms und lacht.

Auch wenn es manchmal schwerfällt, den Kontakt über eine so große Distanz aufrecht zu erhalten, soll die Freundschaft weiterhin bestehen bleiben – egal wer Weltmeister wird.