merken
PLUS

Verfolgungsjagd auf Video

Ein Pole raste mit einem gestohlenen BMW durch den Landkreis. Die Polizei filmte ihn dabei. Jetzt steht er vor Gericht.

Von Frances Scholz

Eine Sommernacht in Bayern. Ein Mann knackt das Türschloss eines BMW 520 mit einem Werkzeug. Nun ist nur noch die Wegfahrsperre zu überlisten – mit einem elektronischen Gerät, das man an den Diagnosestecker anschließt. Der BMW startet und rollt auf die A 4 nach Osten mit Ziel Zgorzelec. Dort kommt der Autoknacker aber nie an. Stattdessen steht er morgen in Bautzen vor Gericht. Wegen Diebstahls und einer recht spektakulären Verfolgungsjagd.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Diese startet kurz hinter Dresden, als zwei Polizisten auf den BMW aufmerksam werden. So nehmen morgens um 4.15 Uhr ein Hubschrauber, der die riskante Fahrt filmt, und ein Streifenwagen die Verfolgung auf. Die Beamten in zivil versuchen den Fahrer zur Kontrolle zu zwingen. Allerdings tritt der aufs Gas. Mit Tempo 230 rast er über die Autobahn. Die Polizisten versuchen ihm zu folgen. Rufen noch einen zweiten Wagen zur Verstärkung hinzu. In Höhe des Rastplatzes „Löbauer Wasser“ sehen sie eine Chance den BMW zu stoppen.

Die Bilder des Videos zeigen ein Lkw auf der rechten Spur. Ein Streifenwagen setzt sich auf die linke Spur ab, der andere auf die Standspur. Jetzt fährt der Pole hinter dem Lkw. In einem waghalsigen Manöver lenkt der Flüchtige auf das Auto der Beamten zu. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, bremsen diese. Der Pole nutzt die Lücke und rast auf der Standspur davon.

Doch als wäre das nicht genug, legen Polizisten an einem danach folgenden Parkplatz Nagelgurte aus. Fährt man darüber, sind die Reifen platt, das Auto kommt zum Stehen. Da der Pole aber ständig die Fahrspur wechselt, um der Polizei zu entkommen, fahren die Beamten selber in das Hindernis. In einem neuen Fahrzeug setzten sie die Verfolgungsjagd fort. An der Abfahrt Nieder Seifersdorf verlagert sich die Fahrt auf die Landstraßen Richtung Westen über Melaune, Kleinradmeritz, Rosenhain, Löbau, Plotzen und Hochkirch. Der Pole überfährt rote Ampel, überholt bei Gegenverkehr und fährt meist auf der linken Spur. Erst in Waditz kurz vor Kubschütz stoppt er mitten auf der Bundesstraße 6 und fährt in den Ort. Dort lässt er den Wagen stehen und versucht zu Fuß zu flüchten. Kurze Zeit später kommen mehrere Beamte hinzu. Aus der Luft bekommen sie Hinweise, in welche Richtung sich der Flüchtige bewegt. Als sie ihn finden, leistet er Widerstand. Greift einen Polizisten an und verletzt diesen an der Hand.

Die Schilderung des Staatsanwaltes und das Beweisvideo beeindrucken den gelernten Lackierer Grzegorz F. wenig. Der breitschultrige 29-jährige Mann aus Zgorzelec mit kurzen schwarzen Haaren und dicker schwarzer Winterjacke tischt dem Gericht bereits vor zwei Wochen eine ganz andere Geschichte auf. Er habe ein Fahrzeug für zwei Ukrainer überführen sollen. Sie hätten ihn in einem Kasino in Zgorzelec angesprochen und ihm 500 Euro dafür versprochen. Die beiden Männer haben ihn demnach sogar bis nach Bayern gefahren, um das Fahrzeug zu holen. Erst später habe er dann gemerkt, dass das Auto wohl gestohlen sei. Auch der getürkte Plastikschlüssel sei ihm nicht komisch vorgekommen, schließlich wisse er ja gar nicht, wie ein Originaler von BMW aussieht. Er sei noch nie so ein Auto gefahren.

Dabei verstrickt er sich in Widersprüche und gibt zu doch schon während der Fahrt nach Bayern von den Ukrainern erfahren zu haben, dass das Auto geklaut ist. Aus Angst vor den beiden Männern, fuhr er trotzdem mit dem BMW los. Bei der späteren Verfolgungsjagd mit der Polizei sei er in Panik geraten, weil er gar keinen Führerschein hat. Zudem stand er unter Einfluss von Drogen. Morgen sollen vier Zeugen gehört und ein Urteil gesprochen werden. Grzegorz F. drohen bis zu vier Jahren Haft, da er im Straßenverkehr das Leben anderer gefährdete. „Er hat sein Auto als Waffe benutzt“, sagt Richter Dirk Hertle.