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Vergrippt

Das Virus ist da. Kitas, Heime und Betriebe sind betroffen. Einige scheinen verschont zu bleiben. Warum?

Von Peter Anderson, Sven Görner und Wolf Dieter Liebschner

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Grippeviren kennen keinen Anstand. Selbst vor Kita-Leiterinnen machen sie nicht halt. So hat es auch Meike König vom „Kleinen Moritz“ erwischt. „Eigentlich gehört Frau König ins Bett, aber sie hält weiter die Stellung“, sagt Petra Ludewig, die bei der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen für die Kitas zuständig ist. Trotzdem ist die Situation in der Moritzburger Einrichtung seit Wochenbeginn sehr angespannt. „Von 22 Mitarbeiterinnen sind zwölf nicht im Dienst“, sagt Petra Ludewig. „Den Schwimmkurs und andere Angebote können wir derzeit daher nicht anbieten. Wir haben die Eltern auch informiert, dass Gruppen zusammengelegt werden müssen.“ Wer es ermöglichen kann, soll sein Kind zudem bis 13 Uhr abholen. Zwar seien auch Kinder erkrankt, im Verhältnis aber deutlich weniger als Erzieherinnen.

Ob bei allen Fällen tatsächlich eine Grippe – von den Fachleuten als Influenza A bezeichnet – vorliegt, lässt sich schwer nachweisen. Der Begriff Grippe werde häufig auch beim Auftreten von grippalen Infekten, also Erkältung verwendet, heißt es aus dem Gesundheitsamt des Kreises. Die Folgen einer Erkältung ähneln denen einer echten Influenza, unterscheiden sich aber deutlich in Schwere und Verlauf. Eine wirkliche Grippe beginnt plötzlich mit Fieber über 38,5 Grad Celsius, mit einem schweren Krankheitsgefühl, trockenem Husten und starken Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen.

Im Meißner Landratsamt liegen zum Grippe-Verlauf derzeit vor allem Informationen aus Schulen, Altenheimen oder großen Kindertagesstätten vor. Wo viele Menschen eng miteinander in Kontakt kommen, steigt das Risiko sich anzustecken. In der dritten Woche des neuen Jahres habe es einen sprunghaften Anstieg um fast 50 Prozent der gemeldeten Fälle gegeben. Wie die Behörde informiert, wurden in einem Altenpflegeheim 32 erkrankte Bewohnern und nochmals 30 erkrankte Mitarbeiter registriert. Davon seien sieben Fälle mit Influenza A bestätigt. Bei den restlichen Erkrankten könne nicht mit Gewissheit gesagt werden, ob es sich um einen grippalen Infekt oder um eine richtige Influenza handele.

Bestätigt wird ein erhöhter Krankenstand von verschiedenen Betrieben. „Leider verzeichnen wir mehr erkrankte Mitarbeiter als sonst“, sagt die Personalchefin der Coswiger GFC Antriebssysteme GmbH Carolin Martin. Um die Produktion bei einer Grippewelle aufrecht zu erhalten, setzte das Unternehmen grundsätzlich auf Vorsorge. Dazu gehörten bei GFC ein betriebliches Gesundheitsmanagement, betriebsärztliche Vorsorgeuntersuchungen und Obstangebote in der Kantine. „2014 haben wir einen Gesundheitstag für unsere Mitarbeiter organisiert. Zu den Angeboten zählten verschiedene Kurse, Gesundheitschecks und auch Grippeschutzimpfungen. Die wurden von unserer Betriebsärztin durchgeführt“, so Martin weiter.

Das Meißner Kreisgesundheitsamt hält eine Impfung auch zu Beginn der Grippesaison weiterhin für günstig. Die Behörde verweist auf Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission. Die spreche sich dafür aus, Kinder ab dem sechsten Lebensmonat, Jugendliche und Erwachsene zu impfen. Auch wenn der empfohlene Impfstoff weniger wirksam gegen einen der enthaltenen Virustypen ist, sei eine Grippeschutzimpfung dennoch sinnvoll.

Wer von Grippe und Erkältungen bislang verschont geblieben ist, führt die verschiedensten Begründungen an. Entwarnung kommt zum Beispiel aus dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth. „Alle bei uns sind putzmunter“, sagt Pressesprecher Martin Junge. Was vielleicht daran liegen könnte, dass Weinbau zumeist mit Arbeit an der frischen Luft verbunden ist. „Aktuell haben wir im Teehaus keine Grippefälle“, sagt Werkleiter Joachim Schacht, ebenfalls in Radebeul. Er klopft dabei auf Holz. „Ich hoffe, dass das so bleibt, wir haben alle Hände voll zu tun.“ Ohnehin gebe es in einem Lebensmittelbetrieb strenge Regeln für Hygiene und Gesundheitsvorsorge, so Schacht .

„Vor jedem Betreten der Produktionsräume sind die Hände zu desinfizieren. Und bei einer Infektion muss der Arzt aufgesucht werden. Da darf kein Mitarbeiter hier tätig sein.“ Zur Gesundheit trage ebenfalls das gute Betriebsessen bei. „Es wird von unserer Köchin täglich frisch zubereitet, enthält viel Gemüse und ist vitaminreich“, sagt Joachim Schacht.

An der Meißner Triebischtal-Schule fehlen Schülern zufolge krankheitsbedingt derzeit mindestens zehn Lehrer. Auch mehr als ein Dutzend Jugendliche sollen betroffen sein. Deutlich besser sieht es dagegen in Radeburg und Boxdorf aus. An den dortigen Oberschulen fehlen nur eine beziehungsweise zwei Lehrkräfte. In der Grundschule sind sogar alle Lehrer an Bord. Und von den 313 Schülern sind nur sieben krank. Der einhellige Tenor lautet: „Wir hoffen, dass wir es so in die Ferien schaffen.“ Die starten am 7. Februar.

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