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Verkaufsoffensive für das Schloss Grillenburg

Das Touristenziel wird mit dem Jägerhaus veräußert. Die Villa, einst Nazi-Domizil, soll nicht in falsche Hände geraten.

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© Andreas Weihs

Von Stephan Lorenz

Die Stadt Tharandt will das Neue Jägerhaus im Tharandter Wald im Ortsteil Grillenburg loswerden. Auch für das benachbarte Schloss, das dem Freistaat gehört, wird ein Käufer gesucht. Da beides nur zusammen veräußert werden soll, haben die Stadt und der Freistaat jetzt eine Verkäufergemeinschaft gebildet. Laut Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, wird das Exposé in den nächsten Wochen vorbereitet und dann bei der Immobilienmesse im Herbst in München vorgestellt.

Im Juni hatten sich Vertreter des Landtags, der Ministerien, der Landesstiftung für Natur und Umwelt sowie Stadt- und Ortsvertreter an dem Schloss getroffen. Letztere hatten schon seit Monaten auf einen solchen Termin gedrängt. Dass sich Stadt und Freistaat nun zu einer Verkäufergemeinschaft zusammentun, ist das Ergebnis dieser Gespräche.

Der ehemalige sächsische Nazi-Gauleiter Martin Mutschmann ließ das Jägerhaus direkt hinter dem Jagdschloss auf der sogenannten Schlossinsel in den 30er-Jahren als staatliches Gästehaus errichten. Es wurde schnell zum Treffpunkt für jagdbegeisterte Nazi-Größen. Auch Reichsmarschall Hermann Göring war dort hin und wieder zu Gast, um auf die Pirsch zu gehen.

Tatsächlich war „König Mu“ – wie der Gauleiter vom Volksmund genannt wurde – passionierter Jäger und förderte als Landesjägermeister das Jagdwesen in Sachsen. Da er die Villa teilweise auch privat nutzte, wurde sie auch „Mutschmann-Villa“ genannt. Während der DDR-Jahre war das Neue Jägerhaus bis 1990 Kurheim.

Es diente in dieser Zeit der sowjetischen Delegation um Leonid Breschnew und Alexei Kossygin als Quartier beim geheimen Dresdner Treffen der Staaten des Warschauer Pakts im März 1968 zum Prager Frühling. 1972 schlief Fidel Castro bei seinem DDR-Besuch dort. Bis 1993 war es Pension der Gemeinde Hartha.

Zuletzt stand es unter Denkmalschutz – und leer. Seit 2006 gehört das Haus der Stadt Tharandt, bis 2011 wurde es an die Stiftung Musik Kunst Natur aus Bannewitz verpachtet. Lange hat die Stadt Tharandt versucht, das Objekt zu verkaufen. Gespräche mit Interessenten soll es gegeben haben, wie Bürgermeister Silvio Ziesemer (parteilos) zuletzt bestätigte.

Doch keine Stiftung im Schloss?

In das ebenfalls leerstehende Schloss sollte ab 2017 die Landesstiftung für Natur und Umwelt (Lanu) einziehen. Aber, so Gößl vom Finanzministerium, man wolle sich auch nach einer wirtschaftlicheren Lösung umschauen: „Wir haben das geprüft, ein Lanu-Einzug wäre sehr kostspielig. Zudem würde der Platz im Schloss dafür nicht ausreichen. Daher wollen wir auch alternative Lösungen suchen.“

Im aktuellen Doppelhaushalt des Freistaates sind für den Umzug der Landesstiftung für Natur und Umwelt zum Januar 2017 bislang noch insgesamt drei Millionen Euro eingeplant. Der Freistaat hatte bereits in den Jahren 2010/11 rund 980 000 Euro in das Schlossdach investiert. Seither aber ist die restliche Bausubstanz der Witterung überlassen. Mit Argwohn blicken die Grillenburger auf die bröckelnde Fassade des herrschaftlichen Domizils.

Die Stadt möchte das gesamte Schlossinsel-Areal als Einheit nutzen. Dazu Alexander Jäkel von der Stadt: „Ziel für den Freistaat und Tharandt ist eine grundsätzlich öffentliche oder teilöffentliche Nutzung.“ Mit der Lanu als „Hauptmieterin“, die dann Teilbereiche des Schlossareals belegt, könne man dem Ziel nahekommen.

Und wie will man beim Verkauf des geschichtsträchtigen Jägerhauses verhindern, dass Neonazi-Größen die Villa kaufen, um daraus einen Treffpunkt für die rechte Szene zu machen? „Es soll ein dreistufiges Verfahren geben: Zuerst werden wir sehen, wer überhaupt Interesse bekundet. Dann werden wir die Interessenten genauer unter die Lupe nehmen, und in der dritten Phase sollen Gespräche mit potenziellen Käufern geführt werden“, so Ministeriumssprecher Gößl. Zudem könne man in den Kaufverträgen Klauseln einbauen, die den Missbrauch durch die rechte Szene verhindern. (fp/mit SZ)