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Verkehrskollaps durch Globus-Markt befürchtet

Der Widerstand gegen ein Einkaufszentrum am Alten Leipziger Bahnhof wächst. Probleme gibt es schon jetzt.

© Kretschmar + Dr. Borchers Architekten

Von Ulrike Kirsten

Wird ein Einkaufsmarkt auf dem derzeit noch ungenutzten Gelände gebaut, steuert Dresden auf eine verkehrspolitische Katastrophe zu. Da sind sich die Neustädter Ortsbeiräte einig. Sie sprachen sich deshalb in ihrer Sitzung am Montag mehrheitlich gegen das Großprojekt aus. Denn das riesige Einkaufszentrum soll genau zwischen Leipziger Straße und Eisenbahnstraße entstehen. Schon jetzt gehören diese zu den vielbefahrenen Straßen in der Landeshauptstadt. „Die Grenzen der Belastbarkeit sind schon heute längst erreicht“, sagte Valentin Lippmann von den Grünen.

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Die Straßen rund um den Schlesischen Platz oder die Kreuzung Antonstraße/Eisenbahnstraße wären dann in Spitzenzeiten noch verstopfter. Man müsse mit Rückstau bis auf die Marienbrücke, deutlichen Geschwindigkeitsverlusten und einer extremen Mehrbelastung beim Autoverkehr rechnen. „Das steht in den unabhängigen Gutachten zum Bebauungsplan. Dennoch sieht die Stadt das Projekt als unbedenklich an. Diese Haltung ist hanebüchen“, so Lippmann. Er könne nicht nachvollziehen, wie die Stadt den Einkaufsmarkt als verträglich für die Neustadt ansehen könne.

Nicht anders sieht es Johanna Thoelke, Ortsbeirätin der SPD. „Dass durch den Markt genauso viel Straßenverkehr entstehen soll wie durch ein Wohngebiet, wie es in dem Gutachten behauptet wird, das verwundert mich doch sehr.“ Wie zusätzliche Ampeln den Verkehr regeln und Stau verhindern sollen, sei ihr schleierhaft. Zwar stimmte Benita Horst dem Projekt als Einzige zu. „Ich sehe derzeit keinen anderen Investor, der dort etwas bewerkstelligen kann. Aber auch ich kann mich dem Verkehrsproblem nicht verschließen“, sagte die FDP-Ortsbeirätin.

Die Globus SB-Warenhaus Holding hat der Stadt das Projekt in den vergangenen Monaten mit zusätzlichen, millionenschweren Aufmerksamkeiten schmackhaft machen wollen. Es war bereits vor einigen Monaten vorgestellt worden, musste aber vom Investor überarbeitet werden. Um die Auswirkungen der Ansiedlung des Marktes zu mildern, müssen unter anderem die angrenzenden Straßen umfangreich und kostenintensiv ausgebaut werden. Nicht nur die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal will das Unternehmen sanieren, auch die Kosten für die Erschließung des Geländes über zwei Hauptzufahrten im Westen und Osten des Areals will die Globus-Gruppe übernehmen. Sie will beispielsweise die Leipziger Straße zum Teil, die Eisenbahnstraße sogar komplett ausbauen. Geplant ist auch eine zusätzliche Straßenbahnhaltestelle an der Leipziger Straße. An der Finanzierung würde sich Globus selbstverständlich beteiligen. Trotz aller verlockender Angebote, die Neustädter Ortsbeiräte überzeugte all das nicht. Die SPD sieht in dem überarbeiteten Plan nur den verzweifelten Versuch der Stadt, ein unverträgliches Projekt doch noch irgendwie möglich zu machen. „Es ist erstaunlich, dass die Gutachter Aussagen treffen, die klar gegen das Projekt sprechen. Trotzdem soll das unbedingt durchgedrückt werden“, sagte Johanna Thoelke.

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