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Zittau

Moderner geht es wirklich nicht mehr

In Großschönau wurde eine Verknüpfungsstelle zwischen Bus und Bahn eingeweiht. Mit modernster Technik und einem Prototyp.

Landtagsabgeordneter Stephan Meyer, Minister Oliver Schenk (beide CDU) und Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (SPD) (von links) gehörten zu denjenigen, die symbolisch das Band zur Eröffnung der Verknüpfungsstelle durchschnitten.
Landtagsabgeordneter Stephan Meyer, Minister Oliver Schenk (beide CDU) und Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (SPD) (von links) gehörten zu denjenigen, die symbolisch das Band zur Eröffnung der Verknüpfungsstelle durchschnitten. © Rafael Sampedro

Moderner geht's nicht mehr. Großschönau hat jetzt eine Verknüpfungsstelle zwischen Bus und Bahn die sich sehen lassen kann. Und die wollte sich am späten Dienstagnachmittag Sachsens Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Oliver Schenk (CDU) persönlich ansehen. "Ich bin sonst eigentlich eher jemand, der solche Dinge vom Schreibtisch aus koordiniert. Aber die Gelegenheit, hier bei der offiziellen Einweihung dabei zu sein, habe ich gern wahrgenommen", sagte er. 

Der Minister betont, dass mittlerweile die Erweiterung der Verkehrsanbindung per Schiene und Straße ein Schwerpunkt im ländlichen Raum in Sachsen ist. "Das haben wir erkannt und wollen den öffentlichen Personen-Nahverkehr stärken", erzählt er.

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Und Oliver Schenk staunt, wie viele Bürger Großschönaus zur Eröffnung der Verknüpfungsstelle gekommen sind. Etwa 100 haben sich extra deswegen zum Bahnhof aufgemacht. Sie klatschen, als Bürgermeister Frank Peuker (SPD) schildert, wie langwierig der Weg bis zur heutigen Eröffnung war. Dass die Gemeinde den Bahnhof ersteigerte, um mehr Handlungsspielraum zu haben. Und dass einige Bäume dem Projekt geopfert werden mussten. Und das es dank eines Fördermittelprogrammes auch gleich möglich war, die Bahnhofstraße mit grundhaft auszubauen.

Allerdings wird dafür künftig Großschönaus Bahnhof bei Filmemachern wie Florian Henckel von Donnersmarck keine Rolle mehr spielen. Im Sommer 2016 wurde hier unter anderem sein Film "Werk ohne Autor" gedreht. "Den Flair der 1930er Jahre hat der Bahnhof mit seinem Vorplatz nun verloren", meinte Frank Peuker und ist trotzdem nicht enttäuscht darüber. 

Interessiert verfolgten Minister und Bürger am Dienstag die Funktionsweise der DFI. So heißt die dynamische Fahrgastinformationsanlage, die es jetzt an der Verknüpfungsstelle zwischen Bus und Bahn in Großschönau gibt. Für Blinde und Sehschwache ist sie eine große Hilfe. Die DFI zeigt nämlich an einer großen Tafel, ähnlich wie auf einem Flughafen, die nächsten An- und Abfahrtszeiten von Bussen und Zügen am Großschönauer Bahnhof an. Grenzüberschreitend. An der Seite gibt es für Blinde und Sehschwache zudem eine Handtaste, wie an einem Fußgängerüberweg.

Wird die gedrückt, ertönt eine freundliche Stimme und sagt alle Verbindungen an. Während dieses System schon an einigen Bahnhöfen in der Oberlausitz in Betrieb ist, stehen an der Großschönauer Verknüpfungsstelle von Bus und Bahn bisher einmalige Haltestellenschilder, die zumindest am Eröffnungstag keiner beachtet. "Die Schilder hier sind Prototypen und wurden erstmals aufgebaut", schildert Michael Breitkopf vom Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon).

"Wir haben im Zvon-Gebiet unterschiedliche Haltestellenschilder. Ähnlich ist es beim Verkehrsverbund Oberelbe. Jetzt soll es bei beiden ein einheitliches Schild geben", sagt er. 9.000 Haltestellenschilder werden deshalb ausgetauscht. Die Hälfte davon beim Zvon.

Alle vier Buslinien, die in Großschönau verkehren, halten nun an der Verknüpfungsstelle. Barrierefrei ist hier für Reisende ein grenzüberschreitender Umstieg vom Bus zu den Bahnverbindungen in Richtung Zittau/Liberec beziehungsweise Varnsdorf/Seifhennersdorf möglich.

Am Bahnhof gibt es drei hintereinander liegende Haltestellen für Busse, einem Fahrgastunterstand, ein elektronisches Fahrgastinformationssystem, Park- und Sitzgelegenheiten sowie eine LED-Straßenbeleuchtung. Zudem ist die Bahnhofstraße völlig neu gestaltet worden. Die Straße verfügt über einen Radfahrbereich, Parkbuchten und Gehwege auf beiden Seiten. Und fast ganz nebenbei wurde noch der marode Regenwasserkanal erneuert. In Anlehnung an den ursprünglichen Straßen-Charakter sind auch wieder heimische Linden gepflanzt worden.

Etwa 1,4 Millionen Euro hat das Projekt von Verknüpfungsstelle zusammen mit dem Ausbau der Bahnhofstraße und dem Verlegen eines neuen Regenwasserkanal insgesamt gekostet. Bürgermeister Frank Peuker bedankte sich deshalb am Dienstag nicht nur bei den Baufirmen und Planer, sondern vor allem auch beim Land Sachsen und beim Zvon für die Fördermittel. "Durch das Engagement von Bürgermeister und Gemeinderat ist hier in Großschönau eine Initiative entstanden, zu der wir einfach nicht nein sagen konnten", sagte Zvon- Geschäftsführer Hans-Jürgen Pfeiffer.

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