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Verrückt nach den Rot-Weiß-Blauen

Kurort Hartha hat eine ganz besondere Beziehung zum FC Bayern München – und jetzt auch einen Fanklub.

Von Susanne Sodan

Rot, wohin das Auge blickt. Wer nicht im sportiven, vor allem aber roten Trikot im Gasthaus Kirchner erschien, war eindeutig fehl am Platz. Rot, ein bisschen Blau, dazu ein Schuss Weiß – die Farben des FC Bayern München. Die passen gar nicht so recht ins grüne Tharandt, wo man eher auf Dynamos Schwarz-Gelb trifft, möchte man meinen. Mehr als 3 200 offiziell gemeldete FC-Bayern-Fanklubs gibt es. Nun ist es einer mehr. In Kurort Hartha wurde die „Bayernfraktion Tharandter Wald“ gegründet. Am Freitag kamen die 28 Mitglieder zusammen, um ihren Vorstand zu wählen.

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Am Freitag, 1. Oktober, haben viele Geschäfte auf der Einkaufsmeile am Goldenen Reiter bis 23 Uhr geöffnet.

27. Februar 1900, Barcelona 1999, London 2013 – für Fußballlaien böhmische Dörfer, für die Mitglieder des Fanklubs wichtige Daten in der Geschichte ihres Vereins, Siege und Niederlagen. Fünfmal hat der FC Bayern München die Champions League gewonnen, 22-mal die Deutsche Meisterschaft, 16-mal den DFB-Pokal. Für die Mannschaft kann sich Volker Beuchel schon seit Jahrzehnten begeistern. „Bayern-Fans sind wir alle schon lange“, erzählt er. Von ihm stammt die Idee, einen Fanklub zu gründen. „Den letzten Anstoß gab schließlich der Triple-Sieg in der letzten Saison“. Offiziell hat der Tharandter Wald schon seit Juli einen Bayern-Fanklub, in Form gegossen wurde er aber erst in der vergangenen Woche.

Aus Freital, Dorfhain, Dippoldiswalde und Tharandt kamen die Fans nach Kurort Hartha. Die erste Frage, betrat man den Versammlungsort: Ist man hier in eine Pressekonferenz des FC Bayern geraten? Ein langer Tisch vor den anderen Gästetischen, geschmückt in den Bayern-Farben, Namensschilder für Christian Beuchel, Sebastian Schulze, Kevin Richter, Volker Beuchel, Uwe Ziegert und Franz Joseph Ritter – die Organisatoren des Fanklubs und nach der Sitzung auch die Vorstandsmitglieder. An der Wand hinter ihnen leitete ein Film zur Geschichte des FC Bayern München die Versammlung ein: wichtige Spiele und Spieler. Für die Fanklub-Mitglieder alte Bekannte, als Laie konnte man immerhin Paul Breitner, Oli Kahn, Mehmed Scholl erkennen.

Erster Punkt auf der Tagesordnung: die Wahl des Vorsitzes. Den übernimmt Volker Beuchel. Eine leichte Wahl für alle Anwesenden. Beuchel hatte in den vergangenen Monaten die meiste Arbeit. „Wir treffen uns am Stehtisch, trinken ein Bier und gründen einen Fanklub. Das war der ursprüngliche Plan“, erzählt Uwe Ziegert. Tatsächlich lief es ganz anders. „Einen offiziellen Fanklub auf die Beine zu stellen, da steckt viel Mühe drin. Der FC Bayern hat strenge Vorgaben, was die Satzungen und andere Regelungen angeht“, erzählt Beuchel. Entsprechend ernst nimmt er den Klub. Wer dachte, eine solche Veranstaltung sei Spaß mit Bier, wurde schnell eines Besseren belehrt. „Wir sind hier mit Feuer und Flamme dabei. Und so sollen auch unsere Mitglieder ticken“.

Beuchel und Ziegert lernten sich 1999 in Tharandt kennen, natürlich beim Fußballgucken, und ausgerechnet bei dem Spiel ihres Lieblingsvereins gegen Manchester United. Die Bayern verloren 2:1, obwohl sie bis zur 89. Minute in Führung lagen. Bei Beuchel und Ziegert flossen damals die Tränen – und das schweißt zusammen. Niederlage oder Sieg, die „Bayernfraktion Tharandter Wald“ steht hinter ihrem Verein. Gemeinsam wollen sie in Zukunft zu Spielen fahren, feiern oder eben trauern. Warum ausgerechnet der FC Bayern ihr Lieblingsverein geworden ist, lässt sich nicht recht sagen. Das habe sich mit der Zeit entwickelt, meint Beuchel.

Seit dem letzten Jahr hat Kurort Hartha aber eine ganz besondere Verbindung zu dem Klub: Tom Starke, der zweite Torwart des FC Bayern. Starke stammt aus dem Ort, hat dort erst Handball, später dann Fußball gespielt. Seine Eltern waren die Ehrengäste des Abends – gewährten Einblick in das Leben eines Profifußballers und brachten ein Geschenk für Volker Beuchel mit, das die anderen Mitglieder des Fanklubs vor Neid erblassen ließ: ein signiertes Trikot, das Tom Starke beim Champions-League-Finale in London dieses Jahr getragen hat. Im Tor stand Starke zwar nicht, dennoch, er gehört zum Kader. „Für mich ist das ein ganz wertvoller Schatz. In die Waschmaschine darf es nie“, meint Beuchel.