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Verseucht hier Schweinegülle den Bach?

An der Schweinemastanlage in Stolpen wird gebaut. Die Anwohner befürchten Schlimmes – und gehen einer Spur nach.

Spuren am Hang in Langenwolmsdorf. Einwohner sehen die Bauarbeiten an der früheren Mastanlage skeptisch.
Spuren am Hang in Langenwolmsdorf. Einwohner sehen die Bauarbeiten an der früheren Mastanlage skeptisch. © privat

Die Schweinemastanlage in Stolpen- Langenwolmsdorf steht sowieso schon unter strenger Beobachtung. Die Einwohner sind misstrauisch.

 Noch sind die Ställe leer. Seit Monaten wird aber auf dem Gelände gebaut. Den Anwohnern schwant nichts Gutes. Zumindest haben sie bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Am Abend des 8. April verbreitete sich plötzlich ein beißender Gestank entlang eines kleinen Bächleins und dann weiter entlang des Langenwolmsdorfer Dorfbaches. Sogar in Stolpen-Altstadt soll man es noch gerochen haben. Ein aufmerksamer Anwohner wollte der Sache auf den Grund gehen. Gemeinsam mit ein paar anderen Männern wurde der Verlauf des Bächleins abgegangen und sie kamen bis zur Schweinemastanlage. Sie vermuten nun, dass die Gülle von dort kommt. Auf jeden Fall stimmt etwas nicht, sagten sich die Anwohner. Heiko Jost nahm einige Wasserproben. „Auf dem kleinen Bach hatte sich Schaum gebildet, ebenso an dem Zufluss zum Langenwolmsdorfer Bach. Und es stank penetrant nach Gülle“, sagt der Langenwolmsdorfer. Er gehört einer Bürgerinitiative an, wie auch Einwohnerin Jane Grass. Deren Anliegen ist es, die Stolpner aufzuklären, was hinter den Ausbauplänen des niederländischen Schweinebauern Marten Tigchelaar steckt. Und sie wollen die Anwohner und Landeigentümer in der Region sensibilisieren..

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 Eine erste Informationsveranstaltung mit Stadtverwaltung, Landratsamt und Anwohnern hat es bereits gegeben. Viele Fragen blieben offen, sagt Jane Grass. Und deshalb läuteten auch jetzt die Alarmglocken. An der Schweinemastanlage wurden auch Güllelaster gesichtet, die vermutlich die alte Gülle-Lagune geleert und auf die umliegenden Felder ausgebracht haben. Woher die auf die Wiesen und letztlich in den Dorfbach geflossene Gülle stammt, ist den Anwohnern nicht ganz klar. Wahrscheinlich aus dem alten Sammelbecken. Am Morgen des 9. April schauten sich wieder einige das Ganze von der Nähe an. Als Quelle der Verunreinigung konnte ein Rohr, von der Mastanlage kommend, sowie Spuren eines Fassanhängers auf der Wiese unterhalb des Betriebes ausgemacht werden. Von dort floss die Gülle in das kleine Bächlein unterhalb der Wiese, durch einen Teich zum Langenwolmsdorfer Dorfbach und dann weiter nach Altstadt. Die Untere Wasserbehörde des Umweltamtes wurde informiert. Dort wird zu dem Fall noch ermittelt. Eine SZ-Anfrage wartet noch auf Antworten. Darüber hinaus hat auch der Eigentümer der Anlage noch keine Aussagen zu dem Vorfall getroffen. Das Ganze wird offenbar noch geprüft. Auch eine Havarie wird in dem Unternehmen nicht ausgeschlossen. Die Anwohner sehen das anders. Denn durch den Gülleeintrag war der Dorfbach bis mindestens zwei Kilometer verseucht. In Stolpen-Altstadt wurden zahlreiche tote Fische aus dem Bach geholt und bei der Stadtverwaltung gab es eine weitere Anzeige. Was soll nun mit dem Bach und mit den verseuchten Wiesen werden? Dringt Gülle in solchen Massen ein, müsste die Wiese abgebaggert werden, da die Güllereste sonst weiter in den Bach fließen würden. Doch das ist alles noch nicht geklärt. Für die Langenwolmsdorfer ist es aber Öl ins Feuer. Denn um die Ausbaupläne gibt es schon länger Debatten. Bis zur Schließung der Anlage waren sie nicht nur vom Gestank geplagt. Auch das Tierwohl sahen und sehen sie in so einer großen Anlage gefährdet. Als dann Marten Tigchelaar die Anlage kaufte, war klar, hier kommen wieder neue Schweine rein. Der Gestank geht von vorne los, genauso wie die Massentierhaltung auf engstem Raum. Immerhin könnte er sofort 4 960 Mastschweine in die Anlage stellen. Dafür hat Tigchelaar Bestandsschutz. Wie er gegenüber SZ bereits sagte, will er sogar 14 000 Ferkel einstallen. Jane Grass und weitere Mitglieder der Bürgerinitiative waren bei ihm und was sie dort zu hören bekamen, ließ sie aufhorchen. Die Ferkel bleiben nur zwei Monate in der hiesigen Anlage und werden dann vermutlich nach Bayern oder Nordrhein-Westfalen zur Mast gebracht. „Durch dieses Rein-raus-Prinzip werden so 84 000 Ferkel pro Jahr umgeschlagen“, sagt Jane Grass. An die 200 Sattelschlepper würden dann pro Jahr die kleine Straße passieren. Dazu kommen viele zusätzliche Fahrzeuge für Futtermittel und Gülle. Das ist aber nur die eine Seite. Der Bürgerinitiative geht es vor allem auch darum, generell gegen solche Tierfabriken vorzugehen. Seit den beiden Vorfällen hat sich offenbar kein weiterer ereignet. Über weitere Einzelheiten will die Bürgerinitiative am 7. Mai um 19 Uhr bei einer Versammlung im Hotel Goldner Löwe in Stolpen berichten

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/ort/sebnitz vorbei.

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