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Verwirrung um Brachen

Anwohner wehren sich gegen ein Wohnprojekt am Leutewitzer Park. Der Investor sieht sich im Recht. Nun sorgt ein neuer Vorschlag für Unruhe.

© Christian Juppe

Von Annechristin Bonß

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Ingenieurkammer sucht Geschäftsführer

Ab sofort bietet die Interessenvertretung der sächsischen Ingenieure in Dresden eine Nachfolge in der Position als Geschäftsführer an.

Eigentlich könnte Uwe Köhn sofort losbauen. Die Grundstücke am Rand zum Leutewitzer Park, hinter den Gebäuden an der Ockerwitzer Straße 57 und 59, gehören dem Geschäftsführer der Baufirma VSC bereits. Direkt hinter den Häusern, in zweiter Reihe, darf gebaut werden. So steht es auch im derzeit geltenden Flächennutzungsplan. Beides bestätigt die Stadt auf SZ-Nachfrage. Die Bagger könnten kommen.

Wenn nicht sein Vorhaben zwischen die Fronten von Naturfreunden, Anwohnern und Kommunalpolitikern geraten wäre. Die Anwohner wollen hier keine neuen Häuser. Die Naturfreunde fordern, dass der Leutewitzer Park wachsen soll und die Flächen grün bleiben. Und die Kommunalpolitiker streiten darüber, wie viel Bebauung darüber hinaus möglich sein kann.

Vor sieben Jahren hat Uwe Köhn die 14 000 Quadratmeter gekauft. Die erstrecken sich ab dem Ende der Schaumbergerstraße und bis zur kleinen Stichstraße auf die Ockerwitzer Straße östlich davon. Nach einem damals eingereichten Bebauungsplan sollten hier elf Einfamilienhäuser, sechs Doppelhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser entstehen. Gekommen ist es dazu nicht. Eine Verkäuferin habe ihr Gebot für eines der Grundstücke zurückgezogen, informiert der Investor in einer Broschüre.

Uwe Köhn ärgert sich darüber nicht mehr. Er hat neue Pläne, will nur noch drei Mehrfamilienhäuser mit zweimal neun und einmal sechs Wohnungen bauen. Damit könne ein wunderbarer Abschluss zum Park entstehen, sagt er. Und hat bei der Stadt eine sogenannte Ergänzungssatzung zum Bebauungsplan beantragt. Die sieht neben den beiden Häusern ein drittes hinter dem Grundstück mit der Nummer 63 vor. Das würde zwar in der dritten Reihe stehen, sei jedoch in der Verlängerung eine gute Grenze zum Park.

Die Schaumbergerstraße soll in diesem Zusammenhang asphaltiert werden, ein Wendekreis ist geplant und ein Fußweg zum Park. Der soll zeitgleich wachsen. Denn den Rest seines Grundstücks – immerhin 12 300 Quadratmeter – hat der Investor der Stadt als Geschenk angeboten, als Ergänzung zum Park. Wegen der bürokratischen Regeln verzichtet die Verwaltung zwar auf das Geschenk, bietet jedoch den Mindestpreis pro Quadratmeter von 30 Cent. Dem hat der Investor zugestimmt.

Und er hat losgelegt: Im Januar 2015 ließ er den Wildwuchs auf seinem Grundstück entfernen. Eine Genehmigung brauchte er nicht. Auch eine Strafe droht nicht. Das bestätigt die Stadt ebenfalls. Den Anwohnern an der Schaumbergerstraße gefällt das gar nicht. Sie wollen in der kleinen Sackgasse keine weiteren Gebäude. Die würden freilich den Blick auf den Park versperren. Vielmehr solle die Stadt die Chance nutzen, den Park zu vergrößern, so die Forderung. Und zwar bis an die bestehende Bebauung heran.

Unterstützung erhoffen sie sich von der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit. Die hat ein Antrag formuliert. Demnach solle die Ergänzung zum Bauplan möglichst schnell in den Stadtrat kommen, die gerodeten Bäume wieder aufgeforstet werden und ein öffentlicher Fußweg von der Schaumbergerstraße in den Park entstehen. „Auf keinen Fall wird damit eine Wohnungsbebauung ausgeschlossen“, teilt die SPD im Dresdner Westen mit.

Das sieht Bernd Möller, Chef der Initiative „Erweiterung Leutewitzer Park“, allerdings anders. Den Anwohner von der Schaumbergerstraße hatte Rot-Grün-Rot als offiziellen Vertreter kürzlich in den Ortsbeirat Cotta geschickt, um den Antrag vorzustellen. Mehrmals wurde er gefragt, wie der Antrag zu verstehen ist. „Die Parkerweiterung ist an dieser Stelle wichtiger. Wir wollen keine Bebauung“, antwortete er. Trotz anderer Interpretation bestätigte der Rat dennoch mehrheitlich den Antrag.

Uwe Köhn kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Auch er fordert eine schnelle Entscheidung. Bauen wird er so oder so. Die beiden Häuser hinter der Ockerwitzer Straße 57 und 59 kommen auf jeden Fall. Lehnt der Stadtrat die Ergänzungssatzung ab, will er dagegen Beschwerde einreichen. Die Stadt hat nun zugesagt, dass es zeitnah eine Entscheidung geben soll.