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Vier Millionen Euro für glückliche Kühe

2018 brannte bei der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf eine Scheune nieder. Jetzt investiert sie in die Zukunft. 

Harald Weickelt, der Vorsitzende der  Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf vor der Großbaustelle für die neuen Ställe.
Harald Weickelt, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf vor der Großbaustelle für die neuen Ställe. © Matthias Weber

Weithin sichtbar sind die zwei großen Kräne auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf. Hinter den alten Ställen aus den 1970er Jahren plant der Landwirtschaftsbetrieb ein großes Projekt. 

"Wir wollen, das es unseren Kühen besser geht und auch die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter verbessern", sagt Vorstandsvorsitzender Harald Weickelt. 620 Milchkühe und 700 Kälber werden in den sechs alten Ställen der Agrargenossenschaft gehalten. Wobei noch in einem Stall das Melk-Karussell untergebracht ist. 

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Die Ställe sind zu DDR-Zeiten eigentlich für Jungrinder gebaut worden. Deshalb sind sie für ausgewachsene Milchkühe eigentlich etwas zu klein, obwohl sie noch den Normen entsprechen, schildert er. Als Folge sind die Ställe dunkler und muffiger. "Das ist nicht mehr zeitgemäß, weder für die Kühe noch für die Mitarbeiter", erzählt Harald Weickelt. Heute ist es kaum vorstellbar, dass hier vor der Wende 4.200 Jungrinder standen. 

Deshalb ist jetzt auf zwei Hektar Wiesenfläche hinter den Ställen eine riesige Baustelle entstanden. Bis zum Jahresende entstehen hier zwei neue Stallgebäude. Das größere wird ein großer Rinderstall für 576 Kühe. 137 Meter lang und 35 Meter breit wird der sein. Hier gibt es dann keinen Spaltenfußboden mehr. 

Maschinell  wird der Mist regelmäßig weggeschoben. Computergesteuert funktioniert auch die Belüftung und das Regulieren der Jalousien je nach Sonneneinwirkung für die Ställe. Die Kühe können sich frei im Stall bewegen. Sie haben Liegeflächen, Fressbereiche, Trinktröge und etwas Besonderes zum Wohlfühlen.

Was aussieht, wie ein Teil einer Autowaschanlage, sind Massagebürsten für die Kühe. Tritt eine Kuh an sie heran, schaltet die sich automatisch ein - massiert und reinigt zugleich das Fell. Die Kühe sind weniger krankheitsanfällig, werden älter und sie geben länger Milch.

In den etwas kleineren Neubau daneben kommen die Kühe in einen Wartebereich vor dem Melken. Hier gibt es auch separate Bereiche für die Klauen-Pflege und Behandlungsställe. 

An das Gebäude schließt sich künftig gleich das neue Melkhaus mit dem Melkkarussell an. 40 Kühe haben darin Platz. "In vier bis fünf Stunden haben wir hier alle Kühe gemolken", sagt Harald Weickelt. 16.000 Liter Milch geben sie täglich sieben Mal die Woche. 

Unabhängig, aber zeitgleich mit dem Neubau-Projekt will die Agrargenossenschaft eine neue Scheune aufbauen. Die alte war im Vorjahr abgebrannt.

Die alten Ställe sollen zudem nacheinander saniert werden. Hier werden die Jungrinder und noch ein Teil der Milchkühe gehalten. "Sie haben dann darin wesentlich mehr Platz und können sich auch dort austoben", sagt der 55-Jährige.

Denn mehr Kühe will der Landwirtschaftsbetrieb nicht halten, da keine zusätzliche Lagerkapazität für die Gülle gebaut wird. 22.000 Kubikmeter Gülle, 1.000 Tonnen Silomais und 500 Tonnen Grassilage werden in der eigenen Biogasanlage im Jahr zu Strom verarbeitet. Seit 2011 läuft die Anlage bereits und hat allein im vergangenen Jahr 931.000 Kubikmeter Biogas erzeugt und 2,2 Millionen Kilowattstunden Strom gewonnen. 

Bis zum Jahresende sollen die zwei neuen Stallanlagen und das Sanieren der alten Ställe fertig sein.  Vier Millionen Euro werden dafür investiert. 25 Prozent davon fließen als Fördermittel in das Projekt. 

Später ist noch geplant, die neuen Dächer mit Fotovoltaikanlagen zu nutzen. "Dann könnten wir etwa zwei Drittel unseres Energiebedarfes selber decken", berichtet Harald Weickelt. Die Dächer der alten Ställe sind dagegen an einen Betreiber von Solaranlagen vermietet. 

32 Mitarbeiter und fünf Auszubildende sind in dem Landwirtschaftsunternehmen beschäftigt. Neben der Rinderhaltung werden hier noch 1.176 Hektar Grün- und Ackerland bewirtschaftet.

Die alten Ställe werden saniert
Die alten Ställe werden saniert © Matthias Weber

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