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Vom Brüsseler ins Dresdener Parlament

Marika Tändler-Walenta will ihre Region und Die Linken im Landtag vertreten. Ihr Herz schlägt aber nicht nur für Politik.

Das bisschen Regen macht Marika Tändler-Walenta im Döbelner Bürgergarten gar nichts aus. Dafür gibt es ja Regenschirme, zumal ihr Exemplar ein ganz spezielles ist: „Der gehörte meiner Oma, die vor einem halben Jahr verstorben ist“.
Das bisschen Regen macht Marika Tändler-Walenta im Döbelner Bürgergarten gar nichts aus. Dafür gibt es ja Regenschirme, zumal ihr Exemplar ein ganz spezielles ist: „Der gehörte meiner Oma, die vor einem halben Jahr verstorben ist“. © Dietmar Thomas

Döbeln. Für das Gespräch an ihrem Lieblingsplatz müsste Marika Tändler-Walenta eigentlich in einem Leipziger Fußballstadion sitzen. „Früher war es Dynamo Dresden, heute ist es der Regionalligist BSG Chemie Leipzig“, verrät die Roßweinerin, für welches Team ihr Fußballherz schlägt.

Mit mindestens genauso viel Leidenschaft wie als Fußballfan macht die 35-Jährige Politik für ihre Partei Die Linke. „Wir wollen die stärkste Kraft links der CDU werden“, ruft sie das Motto für die anstehende Landtagswahl aus. Mindestens 20 Prozent – das ist das Ziel, dass Marika Tändler-Walenta mit ihrer Partei am 1. September erreichen will.

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Dafür packt die junge Politikerin auch selbst tatkräftig an. Seit Wochen ist sie im Wahlkreis unterwegs, arbeitet Wahlkampftermine ab und tackert die Wahlplakate für ihre Partei höchstselbst an die Laternenmasten in der Region. Quasi „nebenbei“ ist die Roßweinerin aktuell aber auch noch Pressesprecherin für Gregor Gysi, den Chef der europäischen Linken. „Wenn ich einen Job übernehme, dann will ich darin auch richtig gut sein“, beschreibt sie ihren Ehrgeiz und ihr Lebensmotto.

Nach der Schule in Roßwein zog es die junge Frau früh aus ihrem Elternhaus hinaus in die Welt. „Ich bin nach Aachen gegangen, um mein Abitur zu machen. Abgeschlossen habe ich das dann aber in Dresden“, erzählt sie. Für das Soziologie-Studium kehrte sie nach Leipzig zurück. Dort begann auch ihr politisches Engagement für Die Linken. Nach einem Praktikum im Europaparlament stand für sie fest: „Dort will ich meine erste Berufserfahrung sammeln.“ Mit ihrer damals knapp zweijährigen Tochter zog sie nach Brüssel, um als parlamentarische Assistentin für Lothar Bisky (PDS/Die Linke) zu arbeiten.

„Das war ein ganz bewusster Schritt. Trotzdem war vor allem das erste Jahr in Brüssel ziemlich hart“, erinnert sie sich. Tagtäglich pendelte sie drei Stunden zur Arbeit. Während ihre kleine Tochter im Kindergarten spielend Französisch lernte, musste sie die Sprache nach ihrem Arbeitstag am Abend büffeln. Erst nachdem ihr damaliger Freund nach Belgien nach und die Familie gemeinsam in die Innenstadt umzog, wurde der Alltag leichter. „Ich habe dort so viel gelernt, habe alle Bereiche und Prozesse der Arbeit im Europäischen Parlament kennengelernt“, berichtet sie.

Fünf Fragen – fünf Antworten

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Das war vor ein paar Tagen, beim Plakatieren mit meiner Tochter. Da wäre ich beinahe von der Leiter gefallen.

In welche Rolle würden Sie gern einen Tag lang schlüpfen?

Jürgen Klopp. Der ist ein super Trainer, sehr talentiert, mit Bodenhaftung und er hat ein kleines linkes Herz. 

Welches Fahrzeug bevorzugen Sie: Diesel, Benziner oder E-Auto?

Am liebsten wäre mir der ÖPNV. Ich fahre aktuell einen Diesel, für E-Autos im ländlichen Raum ist es noch nicht soweit.

Neben wem möchten Sie im Landtag gerne sitzen?

Neben Henning Homann (SPD) und Wolfram Günther (Die Grünen). Damit würden wir ein starkes Rot-Rot-Grünes-Bündnis bilden.

Auch Politiker müssen relaxen. Wobei schalten sie ab?

Ganz klar: beim Fußball.  

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Doch ganz loslassen wollte und konnte sie ihre sächsische Heimat auch in der Ferne nicht. „In Brüssel habe ich oft und gern mit Ossis rumgehangen“, erzählt sie. Nachdem Lothar Bisky verstarb, zog es sie 2013 aber wieder in die Heimat zurück.

Die kleine Familie verlegte ihren Lebensmittelpunkt auf den elterlichen Hof in einem Dorf bei Roßwein. Doch für die Arbeit in Brüssel setzte sie sich noch ein weiteres Jahr lang 2 Uhr nachts ins Auto, um pünktlich 9 Uhr an ihrem Arbeitsplatz zu sein. Mit der Hochzeit, der Geburt ihrer zweiten und dem Schulanfang der ersten Tochter sollte dann aber zunächst das Familienleben mehr im Mittelpunkt stehen. Doch die politische Arbeit kam dabei trotzdem nicht zu kurz. Im Jahr 2014 wurde sie Mitglied im Bundesvorstand, seit 2017 leitet die Soziologin die mittelsächsischen Linken. Als Pressesprecherin für Gregor Gysi kehrt Marika Tändler-Walenta zumindest tageweise auch wieder nach Brüssel zurück. „Die Zusammenarbeit mit Gregor ist großartig. Ich lerne viel und es macht Spaß“, sagt sie.

Mit dem Listenplatz 5 und der Tatsache, dass sie zum Kernteam der sächsischen Linken gehört, ist ihr der Einzug in das Landesparlament ziemlich sicher, schätzt sie. „Ich bin keine Quatscherin. Ich will, dass sich die Gesellschaft verändert“, macht sie deutlich. Soziale Gerechtigkeit, eine Reform für Alleinerziehende und der Kampf gegen die größer werdende Schere zwischen Stadt und Land seien die Themen, die sie sich für ihre Arbeit als Abgeordnete im Landesparlament vorgenommen hat. „Wir brauchen endlich wieder eine Döbelner Linken-Abgeordnete im Dresdener Parlament“, sagt sie und erklärt auch noch warum: „Der Zug von Döbeln nach Dresden muss kommen. Die Frage, die dazu jetzt noch zu klären ist, ist nicht ob, sondern wann und wie.“

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