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Vom Wolf, der in Reichwalde ein Hühnchen zu rupfen hatte

Der Welpe aus dem Nochtener Rudel hat vor den Menschen keine Scheu. Das ist einigen ein Dorn im Auge.

Von Doreen Hotzan

Diesen Moment hat er mit der Kamera festgehalten. Schließlich erlebt man so etwas nicht jeden Tag. Reinhard Geißler aus Reichwalde hat Anfang November einen Wolf vor die Linse bekommen. Doch nicht etwa im Wald. Nein, es war direkt vor seiner Haustür, am helllichten Tag im Reichwalder Ortsteil Ziegelei. „Das war am 12. November um die Mittagszeit herum“, erinnert sich der Anwohner. Da habe er das junge Tier bemerkt, das über sein Grundstück spazierte. Der pelzige Besucher war nicht zum ersten Mal da. „Wenige Tage zuvor ist der schon einmal hier gewesen. Nur da hatte ich meinen Fotoapparat nicht griffbereit“, bedauert Reinhard Geißler. Dafür hatte er jetzt umso mehr Glück und konnte den erneuten Besuch mit der Kamera verewigen. Als wenn so ein Ereignis nicht schon ungewöhnlich genug wäre, zeigt der Schnappschuss eine weitere Kuriosität.

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Eine Wolf, aufgenommen von einer sogenannten Fotofalle Foto: Wildbiologisches Büro Lupus
Eine Wolf, aufgenommen von einer sogenannten Fotofalle Foto: Wildbiologisches Büro Lupus

Auf dem Foto ist zu erkennen, dass der Wolf etwas in seinem Maul trägt. Es ist ein Huhn, das aus seinem Gehege ausgebüxt war. Diese Leichtsinnigkeit bezahlte es mit seinem Leben. Zufrieden mit seiner Beute trollte sich der Wolf seines Wegs. Für Ilka Reinhardt vom Wildbiologischen Büro Lupus ist dieser Vorfall eine kleine Sensation. „Es kommt schon mal vor, dass Wölfe gesehen werden. So wie andere Tiere eben auch. Nur passiert das selten am helllichten Tag“, sagt die Expertin. Dank des Schnappschusses aus Reichwalde konnte auch ermittelt werden, dass es sich um ein Jungtier handelt, das erst im Mai dieses Jahres geboren ist. „Wir haben es hier mit einem Welpen aus dem Nochtener Rudel zu tun“, sagt Ilka Reinhardt. Darauf deuten auch weitere Fakten hin. So wirkt der Wolf auf den Fotos klein und mickrig. Anzeichen dafür, dass das Tier an Räude leidet – einer Milbenerkrankung. „Er weist einige Symptome auf. Das Fell ist struppig und hat einige kahle Stellen. Das dürfte normalerweise nicht so sein“, erklärt die Expertin.

Seit der Vorfall bekannt wurde, hält das Wildbiologische Büro Lupus ein Auge auf Reichwalde. „Bisher ist es ruhig. Er ist eine ganze Weile nicht mehr gesehen worden“, sagt Ilka Reinhardt. Sie hat auch bereits mit den Anwohnern gesprochen und ihnen Tipps gegeben, wie sie sich verhalten sollten, falls sich noch einmal ein junger Wolf blicken lässt. „Auf gar keinen Fall sollten Essensreste auf dem Komposthaufen entsorgt werden“, sagt Ilka Reinhardt. Das locke die Tiere nur an. Stattdessen wird empfohlen, den Experten Bescheid zu geben.

Das sieht Reichwaldes Ortsvorsteher Manfred Herz ganz anders. „Wozu gibt es denn eigentlich das Büro?“, fragt er. Das sei in seinen Augen völlig überflüssig. „Das Geld, was dort reingesteckt wird, könnte anderswo investiert werden“, ist der Ortsvorsteher überzeugt. Ihn störe vor allem, dass der Wolf gegenüber anderen Wildtieren eine Sonderstellung einnimmt. „Der kann ja machen, was er will. Er hat ja keine Feinde“, räumt Manfred Herz ein. So könne das doch nicht weitergehen. Kurz nach dem Vorfall mit dem jungen Wolf und dem Huhn sei ein weiteres Tier im Dorf gesichtet worden. „Eine Anwohnerin hat einen erwachsenen Wolf gesehen, der am helllichten Tag durch den Ort spaziert ist“, sagt der Ortsvorsteher. In der Nähe hätten Kinder an einer Bushaltestelle gestanden. Dagegen müsste doch etwas unternommen werden. „Natürlich geht da die Angst um. Immerhin sind ja Kinder im Spiel“, sagt Manfred Herz. Er hegt die Hoffnung, dass sich vielleicht die Jäger dieser Angelegenheit annehmen könnten. So einfach ist das nicht.

„Wir werden auf gar keinen Fall reagieren“, sagt Christian Berndt, Vorsitzender des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz. Er sieht das Wolfsbüro und das Wildbiologische Büro Lupus in der Pflicht. „Die müssen doch untersuchen, was genau mit dem Wolf ist. Ob er irgendwelche Krankheiten hat“, sagt Christian Berndt. Weiterhin spiele die Aufklärung eine große Rolle. „Da muss auch die Kommune etwas tun“, so der Vorsitzende des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz.