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Von den Weltmeeren in die Lausitz

Susann Vanryssel ist viel herumgekommen. Nun startet sie als Hausärztin in Bautzen.

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© Uwe Soeder

Von Madeleine Arndt

Bautzen. Es war wie Gedankenübertragung. Die Allgemeinmedizinerin Christine Staeckel wollte gerade die Telefonnummer von Dr. med. Susann Vanryssel raussuchen, da klingelte die Ärztin bei ihr durch. Über die kassenärztliche Vereinigung hatten die Frauen voneinander erfahren und begannen vergangenen Sommer den großen Wechsel zu planen. Nun sind alle Formalitäten erledigt und nach mehr als 20 Jahren Praxisbetrieb ist Christine Staeckel in den Ruhestand gegangen. Am Montag tritt Susann Vanryssel die Nachfolge an. Sie ist ab sofort die neue Hausärztin in der Bertolt-Brecht-Straße 2. Die dynamische Frau mit den langen blonden Haaren hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Vor einigen Jahren ist sie noch zur See gefahren.

„Ich hatte mich als Soldatin auf Zeit bei der Marine verpflichtet“, berichtet Susann Vanryssel. Als Notärztin und Sportmedizinerin begleitete sie auf hoher See die Minentaucher. Auf dem Schiff arbeitete sie als Hausärztin, assistierte bei der Tauchausbildung und bei Übungen und behandelte Marinesoldaten, die einen Tauchunfall erlitten, in einer speziellen Druckkammer. Letzteres sei beim militärischen Tauchen aber selten passiert, da sei das Sporttauchen gefährlicher, sagt die Medizinerin. Bei Auslandseinsätzen verschlug es die Ärztin bis ans Horn von Afrika, wo sie zweimal in Dschibuti stationiert war. „Dort habe ich 2005 meinen Mann kennengelernt, einen französischen Soldaten“, sagt die 39-Jährige. Von ihm hat sie den Namen Vanryssel angenommen, der auf belgische Wurzeln zurückgeht. „Er wird so ausgesprochen, wie man ihn schreibt“, erklärt die Ärztin. Schließlich ist das bei französischen Wörtern keine Selbstverständlichkeit.

Frankophile Familie

„Wir sind eine frankophile Familie“, sagt die 39-Jährige. Die beiden Kinder – die siebenjährige Victoria und der dreijährige Vincent – haben doppelte Staatsbürgerschaften, Susann Vanryssel spricht fließend Französisch. Ihr Mann wiederum, der aus Toulouse stammt, hat sich in Deutschland verliebt. So wurde der Entschluss gefasst, in die Oberlausitz zu ziehen. Susann Vanryssel hat schon längere Zeit überlegt, sich in Bautzen niederzulassen. Schließlich sei sie in Bautzen geboren und in Crosta aufgewachsen. „Auch wenn ich viel in der Weltgeschichte rumgekommen bin, habe ich mich immer mit meiner Heimat verbunden gefühlt.“ Ihr Mann ist ausgebildeter Rettungsassistent und plant ebenfalls, hier in Bautzen beruflich Fuß zu fassen.

Doch zuerst kommt für Susann Vanryssel der große Tag, wenn sie am Montag als neue Ärztin in der Brecht-Straße die Tür aufschließt und ihre ersten Patienten in die Praxis bittet. Dort hat sich einiges verändert. Die Räume, die sich in einem Block der Wohnungsgenossenschaft Aufbau befinden, wurden in den vergangenen Wochen frisch renoviert. Ein neuer Fußboden wurde verlegt, neues Mobiliar angeschafft und auch die Medizintechnik modernisiert. „Wir haben die Telefonanlage komplett erneuert“, sagt Susann Vanryssel.

Im Akupunkturraum stehen jetzt zusätzlich ein Lungenfunktionsmesser und ein Ergometer. Mit ihnen lassen sich Belastungstest machen, die beispielsweise Aufschluss über die Durchblutung der Gefäße geben und Hinweise auf Atemwegserkrankungen. Das alte Elektrokardiogramm zur Messung der Herztöne wurde gegen ein modernes Modell ausgetauscht, genauso das Langzeitmessgerät für den Blutdruck.

Bilder von Mutter und Tochter

Die Wände des Sprechzimmers leuchten angenehm in einem frischen Grünton. Im Wartebereich hängen große Aquarelle mit Blumenmotiven. „Die Bilder hat meine Mutter gemalt“, sagt Susann Vanryssel nicht ohne Stolz. Zwei Aquarelle hat auch ihre kleine Tochter beigesteuert. Nicht ganz so professionell, aber schön bunt.

Susann Vanryssel freut sich darauf, wenn sie Christine Staeckels Patienten bald persönlich kennenlernt. Bisher kenne sie ja nur die Namen von den Karteikarten. Aber auch Neuzugänge sind in Vanryssels Praxis willkommen. Dort arbeiten weiterhin zwei bekannte Gesichter. Schwester Ina und Schwester Marita kümmern sich wie gewohnt um die Patienten und gehen der Ärztin zur Hand.

Bei den Sprechzeiten gibt es mit dem Generationenwechsel ebenfalls Änderungen. „Wegen meiner Kinder fange ich erst um 8 Uhr an, arbeite dafür aber bis um 12 Uhr“, sagt Susann Vanryssel. An Montagen macht sie nachmittags Hausbesuche.

Sprechzeiten: Montag bis Freitag 8-12 Uhr sowie zusätzlich Dienstag und Donnerstag von 14.30-18 Uhr.