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Von Mord bis Diebstahl – Karte zeigt gefährliche Orte Böhmens

Im Internet ist sie abrufbar. Sie gibt Auskunft über Straftaten im Nachbarland.

Von Katja Zimmermann

Einbrecher – in Rumburk suchten sie in den ersten zehn Monaten dieses Jahres 25 Wochenendhäuser, 14 Wohnungen und 32 Autos heim; elf Autos und 19 Fahrräder wurden gestohlen. In Zittaus Nachbarstadt Hrádek (Grottau) sind in diesem Zeitraum acht Wochenendhäuser, zwölf Wohnungen und 20 Kraftfahrzeuge ausgeraubt worden; zehn Autos und vier Fahrräder wurden gestohlen. – Und eine neue Karte im Internet macht es möglich, sich für jeden Ort in Tschechien die exakte Zahl von Straftaten inklusive ihrer Aufklärungsrate anzeigen zu lassen.

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Durch farbige Markierungen ist auf den ersten Blick ersichtlich, wo in Tschechien die Kriminalität hoch und wo sie niedrig ist. So ist es im Schluckenauer Zipfel am sichersten im Nordwesten in Velký Šenov (Groß Schönau). Hier gab es 2013 bis Oktober „nur“ 130 Straftaten von tätlichen Angriffen über verschiedene Diebstähle bis hin zu Fahrten unter Alkoholeinfluss. Dagegen wurden in Šluknov (Schluckenau) im gleichen Zeitraum 215 Straftaten, im Rumburk sogar 548 verzeichnet.

Die Besonderheit dieser interaktiven Karte beruht unter anderem darin, dass die Daten nach jedem Monat zugänglich sind, zurück bis ins Jahr 2008. Über die Suchfunktion oben links lassen sich durch die Eingabe einer bestimmten Adresse sogar die Daten für einen Stadtteil anfordern. Michal Tošovský, der Koordinator dieses Polizeiprogramms, ist sich sicher, dass die Karte „viele Menschen ruhiger schlafen lässt“. Denn durch die Aufschlüsselung der Kriminalität in verschiedene Straftaten erhalten nicht nur Behörden und Organisationen, sondern auch die Bürger für ihre Heimatregion genaue Zahlen. Die beweisen, ob gewisse Befürchtungen berechtigt sind oder nicht. In „unserer“ Grenzregion zum Beispiel gibt es kaum schwere Gewaltverbrechen – Ausnahmen sind ein bereits aufgeklärter Mord in Rumburk und zwei in Èeská Lípa (Böhmisch Leipa). Zu einer Vergewaltigung in Jablonné (Gabel) südlich des Zittauer Gebirges konnte noch kein Täter ermittelt werden. In nahezu allen tschechischen Orten in der Nähe der Grenze zur Oberlausitz wurden jedoch bis zu zwei Dutzend Handgreiflichkeiten registriert. Die Karte ist von der gemeinnützigen Organisation „Otevøena spoleènost“ (Offene Gesellschaft) mit Sitz in Prag initiiert worden. Jeden Monat trägt sie mehr als 200 000 Zahlen von der Polizei ein. Das Projekt für fast eine halbe Million Kronen (reichlich 18 000 Euro) wird von der Stiftung Open Society Foundations gefördert, einer Gesellschaft mit Sitz in New York, die sich für Toleranz, Menschenrechte und Demokratie einsetzt. Wie die Organisation „Otevøena spoleènost“ betont, soll die Karte „ein Instrument für aktive Bürger“ sein. Sie können die Kriminalitätsentwicklung in ihrem Wohnort verfolgen und im Falle des Anstiegs eines bestimmten Typs die Polizei um eine Erklärung bitten.

Dazu gibt es ein Kontaktformular auf der Karten-Seite. Das stärke den Bürger in seiner Position als „Klient der Polizei“. So habe er die Möglichkeit, die Qualität der Polizeiarbeit zu kontrollieren und im Fall des Falls um mehr Engagement zu bitten.

Webseite auf Tschechisch: www.mapakriminality.cz, auf Englisch: www.czechcrime.org