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Steiniger Weg zum neuen Kuhgarten

Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG möchte einen Wohlfühlstall errichten. Die Gemeinde will aber mitreden. Nun dauert alles länger.

Solch ein Wohlfühlstall nach niederländischem Vorbild soll in Kleincarsdorf gebaut werden.
Solch ein Wohlfühlstall nach niederländischem Vorbild soll in Kleincarsdorf gebaut werden. © Dresdner Vorgebirgs Agrar AG

Wer auf dem Weg von Possendorf nach Kreischa an Kleincarsdorf vorbei kommt, sieht eine Bushaltestelle und, hinter Baumreihen versteckt, ein paar Einfamilienhäuser. Rechts und links daneben: Felder. Doch das ländliche Idyll ist in Gefahr, das zumindest meinen viele Einwohner. Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG aus dem benachbarten Hänichen plant hier einen Kuhstall-Neubau. Seit einigen Monaten gärt es deshalb in Kleincarsdorf. Viele Einwohner sind gegen das Bauprojekt der Landwirte. 

Das dürfte nun noch eine Weile auf sich warten lassen. Denn der Gemeinderat Kreischa hat in seiner Sitzung am Montagabend entschieden, zunächst einen Bebauungsplan für das Kuhstallgelände aufzustellen. Erfahrungsgemäß dauert es etwa ein Jahr, mitunter auch länger, bis in so einem Verfahren am Ende feststeht, ob gebaut werden darf oder nicht.

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Das große Zeitfenster wollten die Landwirte von Anfang an umgehen, als sie im vergangenen Jahr beim  Landratsamt ein Verfahren nach dem sogenannten Bundesimmissionsschutzgesetz beantragten. Damit hätte die Entscheidung für die Baugenehmigung beim Landkreis gelegen. Die Gemeinde wäre lediglich angehört worden. Schneller und kostengünstiger wäre eine Entscheidung bei den Landwirten eingetroffen. 

Allerdings hatten sie nicht mit dem Protest der Kleincarsdorfer gerechnet. Die sehen das Projekt kritisch, befürchten Lärm und Gestank, der vom neuen Kuhstall ausgeht. Außerdem zieht eine Stallwirtschaft mehr Traktor- und Lkw-Verkehr an. Letztendlich geht es den Anwohnern auch um ihre Grundstücke, deren Wert mit dem Kuhstall-Projekt sinken könnten. 

Die Landwirte dagegen wollen für ihre Tiere nur das Beste. Entstehen soll kein herkömmlicher Stall, sondern ein Kuhgarten. Dies sei eine ganz neue Haltungsform, die von einem niederländischen Biobauern entwickelt wurde. "Wir holen die Weide quasi in den Stall. Die Tiere leben hier nicht in klassischen Liegeboxen, sondern können sich frei bewegen, sie haben mehr Platz, Tageslicht und Rückzugsmöglichkeiten", schreibt die Agrar AG in einem Faktenpapier, das an die Gemeinderäte ging. 

Zum Kuhgarten gehört ein großer Auslauf, zum Melken gehen die Tiere eigenständig an den Roboter. Rund 630 Kühe und rund 150 Kälber sollen in dem Stall untergebracht werden. Die Tiere werden derzeit noch in Ställen in den Rabenauer Ortsteilen Obernaundorf und Lübau gehalten.  

Landwirte bieten Entgegenkommen an

Viele Gemeinderäte sitzen nun zwischen den Stühlen. "Ich kann die Anwohner verstehen, aber es gibt auch eine unternehmerische Freiheit", sagt Andreas Wohlfahrt (Freie Bürgervertretung Kreischa). Man wolle nicht das Vorhaben verhindern, sondern die Pläne verbessern. Dem schloss sich die AfD an. "Wir verstehen beide Seiten. Aber die Landwirtschaft gehört ins Dorf", sagte Frank Fiebiger. Der CDU-Mann Jens Rühle pflichtete ihm bei: "Es geht um eine Lösung, mit der alle Interessen vereinbart werden."

Mit dem Bebauungsplan-Verfahren nimmt die Gemeinde die Planungshoheit selbst in die Hand. Festgelegt werden unter anderem die Ausmaße der Gebäude, die Zufahrten ins Gelände und die Gestaltung der gesamten Anlage. Im Verfahren werden der Immissionsschutz und die Umweltverträglichkeit einen großen Stellenwert einnehmen.

Sobald der Entwurf vorliegt, wird er öffentlich ausgelegt. Dann haben alle die Möglichkeit, die Unterlagen einzusehen und ihre Bedenken, Einwände und Verbesserungsvorschläge zu äußern.

Für die Landwirte bedeutet das nun, mitzuarbeiten. Nach den Kritiken und Protesten, die in einer Petition mit Unterschriftensammlung gipfelten, haben sie sich selbst bereits Gedanken gemacht. "Wir wollen Ihnen entgegenkommen", äußerte Vorstand Ingolf Schulze im Gemeinderat und kündigte an, zwischen dem Kuhstall und den Wohnhäusern einen etwa 3,5 Hektar großen Grüngürtel anzulegen, der zum Wald heranwachsen soll. Der soll Gerüche und Lärm zusätzlich dämpfen.

Zudem möchte man im Dorf einen alten Wirtschaftshof ausbauen und dort einen Hofladen und eine Milchtankstelle einrichten. Dabei denke man nicht nur an den Verkauf von Produkten, sondern auch an die Bildung. "Wir wollen ein Anlaufpunkt für die Jugend werden." Kindergartengruppen und Schulklassen sollen sich zukünftig bei der Vorgebirgs Agrar AG umschauen dürfen.

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Außerdem ist geplant, die Verwaltung der AG von Hänichen nach Kleincarsdorf zu verlegen. "Dann fließt das Steuergeld in die Kreischaer Gemeindekasse." 

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