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Neuer Trend: Baden im Wald

Wandern war gestern, heute ist Erleben mit allen Sinnen angesagt. Die Therapie aus Fernost kann man jetzt auch in Demitz-Thumitz und Kamenz ausprobieren.

Karin Grundmann aus Demitz-Thumitz lädt als zertifizierte Kursleiterin zum Waldbaden ein.
Karin Grundmann aus Demitz-Thumitz lädt als zertifizierte Kursleiterin zum Waldbaden ein. © SZ/Uwe Soeder

Demitz-Thumitz. Man muss den Stamm der Buche ja nicht gleich umarmen. Mit einem geschätzten Umfang von gut zwei Metern kann ihn einer allein sowieso nicht umfassen. Aber man kann mit den Fingerspitzen die Rinde fühlen. Sie fasst sich anders an als bei der wesentlich jüngeren Buche, die daneben steht. Irgendwie härter und rauer. Sagt zumindest das Gefühl. 

Für den Laien ist eine Buche eben eine Buche. Die Demitzerin Karin Grundmann sieht mehr darin. Nicht nur, weil Buchen seit ihrer Kindheit ihre Lieblingsbäume sind. 

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Kursleiterin: "Der Wald tut uns gut"

Andere gehen im Wald wandern oder spazieren. Karin Grundmann taucht noch viel tiefer in den Wald ein, um ihn mit allen Sinnen zu erleben. Nach einem Kurs beim Bundesverband für Waldbaden im vergangenen Herbst ist sie zertifizierte Kursleiterin. Nun lädt sie Interessierte ein,  den Wald neu zu entdecken, um im Einklang  mit der Natur die Gesundheit zu stärken.   

Waldbaden geht, ohne dass man ins Wasser steigen muss. Stattdessen soll der Alltag für ein paar Stunden beiseite geschoben werden. An einem Ort,  wo es  würzig riecht, wo das Licht  durch die Bäume schimmert, wo die Luft klar ist, sich die Baumwipfel im Wind wiegen und der Boden unter den Füßen federt. "Der Wald tut uns gut", sagt Karin Grundmann.

Aus Japan kommt Shinrin Yoku, das Waldbaden. Japans Regierung förderte in den 1980er-Jahren ein millionenschweres Forschungsprogramm, um die medizinische Wirkung des Waldbadens nachzuweisen. Im Jahr 2006 wurde  das erste Zentrum für Waldtherapie eröffnet, und japanische Universitäten bieten inzwischen eine fachärztliche Spezialisierung in Waldmedizin an. 

Nun folgt auch Deutschland diesem Trend. In Heringsdorf auf Usedom wurde ein Kur- und Heilwald geschaffen. Auch im Dresdner Raum werden bereits Kurse im Waldbaden angeboten. In der Oberlausitz ist Karin Grundmann nach eigenen Angaben damit die erste. Ihre Kurse in Demitz-Thumitz und Kamenz gehen über vier Stunden. Für Einsteiger gibt es auch einen zweistündigen Schnupperkurs. 

Den Wald mit allen Sinnen erleben

In Demitz befindet sich ihr "Revier" am Hang des Klosterberges. Man trifft sich am Rand des Steinbruches "Großer Bruch".  Dieser Treffpunkt ist bewusst gewählt. Auf den ersten 200 Metern hat man den Blick auf Demitz. "Man lässt den Alltag zurück", sagt Karin Grundmann. Außerdem ist es eine Art Warm-up. Wenn sich Leute in einer Gruppe bereits kennen, haben sie sich einiges zu erzählen. Andere können sich miteinander bekannt machen. 

Am Kriegerdenkmal, das am Waldrand steht, taucht die Gruppe dann in den Forst ein. Man schaut als erstes auf ein Buchenwäldchen - und ist plötzlich mittendrin im Waldbaden. Die Kursleiterin lässt die Teilnehmer Bäume betrachten. Jeder nimmt etwas anderes wahr: der eine einen stattlichen Stamm, der andere eine Baumgruppe, der dritte die üppige Krone.  

Später wird Karin Grundmann auf einen Baum zeigen. Man sieht den starken Stamm, das frische Blattgrün, einen abgestorbenen Ast, der herabgebrochen ist. "Dieser Baum ist wie das Leben in einer Familie", sagt sie. Ein Werden und Vergehen, eine starke Wurzel und ein starker Stamm, eine weit verzweigte Verästelung... 

Beobachtungsübungen wie diese gehören zum Waldbaden. Ebenso wie Atem- und Bewegungsübungen zwischendurch. Dabei geht es - im Unterschied zum Wandern, wo man ein Ziel erreichen möchte - nicht um Leistungsdruck. Man schlendert langsam durch den Forst und genießt. Während der vierstündigen Tour bewegen sich die Teilnehmer nur in einem Umkreis von maximal einem Quadratkilometer. Und sie entdecken dabei immer wieder Neues. 

Das kleine helle Birkenwäldchen unterwegs wirkt auf uns anders als der dunkle Fichtenwald. Die Waldluft ist nach einem Regen eine andere als an einem trockenen Sommertag.  Auf den Waldwegen läuft es sich im Frühjahr anders als im Herbst, wenn das Laub fällt.  Eigentlich weiß das jeder. Aber nur die wenigsten nehmen es bewusst wahr. 

Naturschutz auf die spezielle Art

Mit dem Waldbaden möchte Karin Grundmann zu den Ursprüngen zurückführen. Sie lässt die Teilnehmer den Wald sehen, hören, riechen, fühlen, ja sogar schmecken. "Bei unserer Rast essen wir bewusst", sagt sie. Zudem lässt sie den Wald emotional wirken. Sie möchte, dass man sich im Wald wohl fühlt. Deshalb finden die Kurse nur vom Frühjahr bis zum Oktober statt; zehn Grad sollten es schon mindestens sein. 

Waldbaden hilft, den Kopf frei zu bekommen, Stress abzubauen, Kraft zu tanken, das Immunsystem zu stärken. Die Kurse wollen Anregungen geben, wie man auch allein den Wald bewusst wahrnehmen kann. 

Karin Grundmann liebt den Wald nicht erst, seitdem der Gesundheitstrend aus Fernost  zu uns herüber geschwappt ist. Bis zum vergangenen Jahr war sie die langjährige Vorsitzende des Bischofswerdaer Wandervereins. Sie geht weiterhin wandern. 

Seit 30 Jahren ist sie beruflich in der Gesundheitsberatung tätig, hat sich auf Dinge spezialisiert, die den Stoffwechsel anregen. Dazu gehören Ernährung und Bewegung -  und nun als weiterer Baustein die Entspannung. 

Sie möchte die Liebe zum Wald vermitteln. Für sie auch eine Art praktizierten Naturschutzes. "Nur was man kennt und liebt, das erhält man auch", sagt sie.   

Die nächsten Kurse finden an diesem Sonntag (7. Juni) in Demitz-Thumitz und am 13. Juni in Kamenz statt. 

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