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Radebeul

Waldmoore in Gefahr

Das geplante fast 135 Hektar große neue Kiesabbaufeld gräbt diesen das Wasser ab, so die Befürchtung. Doch das ist nicht das einzige Problem.

Die Waldmoore Großdittmannsdorf sind über Jahrtausende gewachsen. Nun soll in ihrer direkten Nachbarschaft ein weiteres Abbaufeld für Kies und Sand entstehen. Mit möglicherweise verheerenden Folgen für diese nicht ersetzbare Landschaft.
Die Waldmoore Großdittmannsdorf sind über Jahrtausende gewachsen. Nun soll in ihrer direkten Nachbarschaft ein weiteres Abbaufeld für Kies und Sand entstehen. Mit möglicherweise verheerenden Folgen für diese nicht ersetzbare Landschaft. © Matthias Schrack

Radeburg/Würschnitz. Der Abbau von Sanden und Kiesen gehört seit 70 Jahren zum Bild der Laußnitzer/Radeburger Heide. Geht es nach den Betreibern der Kieswerk Ottendorf-Okrilla GmbH & Co. KG, soll das auch in den nächsten 40 Jahren so bleiben. 

Da der Tagebau Laußnitz 1 bei Ottendorf-Okrilla nach Auskunft des Werkes in spätestens fünf Jahren seine Grenzen erreicht hat, müssen neue Abbaufelder erschlossen werden. Bereits genehmigt ist der Bereich Würschnitz, der bis auf ein paar hundert Meter an den Ort heranreicht. Dort wird bereits gearbeitet.

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Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren für eine weitere Abbaustätte – Würschnitz-West. Dessen Grenze soll künftig nur 300 Meter vom Naturschutzgebiet Waldmoore bei Großdittmannsdorf verlaufen. Gegen diese neuen Pläne gibt es seit Längerem massiven Widerstand. 

Sowohl von der Bürgerinitiative Würschnitz contra Kiesabbau, als auch von den angrenzenden Gemeinden Radeburg und Thiendorf sowie den Landkreisen Meißen und Bautzen. Und natürlich von Naturschützern. So von der Nabu-Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf, die sich unter anderem um den Erhalt der über Jahrtausende gewachsenen Waldmoore kümmert.

Wobei deren Leiter Matthias Schrack betont: „Es geht nicht darum, dass der Nabu den Kiesabbau verhindern will. Es geht vielmehr darum, zwischen den gleichrangigen Belangen Rohstoffabbau und den natürlichen Schutzgütern, wie etwa Feuchtgebiete und Grundwasser, verantwortungsvoll abzuwägen.“ Und genau in diesem Punkt sehen die ehrenamtlichen Naturschützer ein deutliches Defizit im aktuellen Verfahren des Oberbergamtes Freiberg.

Die Befürchtungen der Würschnitzer, die diese in Bezug auf ihre Lebensqualität in der vergangenen Woche in einer Info-Veranstaltung der Bürgerinitiative äußerten, könne er durchaus verstehen. „Ich wohne in einem Ort mit einer 400er-Milchviehanlage, auch da gibt es Beeinträchtigungen.“ 

Entscheidender für die Kiesabbaupläne sei allerdings, was diese für die umliegenden Schutzgebiete bedeuten würden. Tatsächlich liegen sage und schreibe sieben Flora-Fauna-Habitatgebiete und Vogelschutzgebiete im Einzugsbereich der geplanten Kiesgruben. Darunter einmalige und unersetzliche wie die Großdittmannsdorfer Waldmoore.

 Denen drohen durch den Kiesabbau zwei Gefahren. Zum einen, so die Befürchtung der Naturschützer, wird durch den neun Meter tiefen trockenen Abbau der schräg gestellte Grundwasserleiter zerstört, wodurch die Moore auszutrocknen drohen. Zum anderen ist geplant, den Tagebau anschließend mit Bauschutt zu verfüllen. Das aber würde viele unerwünschte Nährstoffe in die Moore eintragen, die ja gerade wegen ihrer Nährstoffarmut so wertvolle Biotope sind.

Letzteres ist bereits jetzt nachweislich der Fall im Naturschutzgebiet Moorwald am Pechfluss bei Medingen, das unmittelbar an den Tagebau Laußnitz 1 angrenzt. Dieser wird bereits seit Jahren mit Bauschutt wieder aufgefüllt. Ohne eine Sperrschicht am Boden, sodass Ausspülungen in das Grundwasser gelangen. In der neuen Abbaustätte sollen Sand und Kies nun bis auf einen Meter über das Grundwasser entnommen werden. Auch dort soll der Bauschutt dann ohne eine Abdichtung eingebaut werden.

Matthias Schrack verweist darauf, dass es bisher kein gerichtsfestes hydrologisches Gutachten über die Auswirkungen des Kiesabbaus auf die Waldmoore gibt. Das Freiberger Oberbergamt wolle lediglich auf der Grundlage einer Einschätzung, die vom Kieswerk in Auftrag gegeben wurde, über den Abbau entscheiden.

 Ein Gutachten, das die Fachgruppe vor längerer Zeit zu einem alten Antrag des Kieswerks in Auftrag gegeben hatte, war zu dem Schluss gekommen, dass der Grundwasserabfluss aus dem Einzugsgebiet, welcher die Quellen und Hangmoore speist, im Endzustand um rund 60 Prozent abnimmt. Selbst wenn sich diese Abnahme kontinuierlich über den Abbauzeitraum erstreckt, sei an diesem Endergebnis nichts zu ändern.

Das laufende Verfahren des Oberbergamtes stehe aus Sicht der Naturschützer im Widerspruch zu den Ergebnissen des von der Landesdirektion 2016 durchgeführten Raumordnungsverfahrens zum Kiesabbau. 

Eine Maßgabe der raumordnerischen Beurteilung war gewesen: „Die Auswirkungen des Vorhabens auf den Wasserhaushalt, das Grundwasser und die Wasserqualität ... sind zu untersuchen. Stoffeinträge ... in die benachbarten Biotope sind auszuschließen. Eine Wasserverknappung für die benachbarten Biotope ist auszuschließen.“ Dazu, so Matthias Schrack, bedürfe es des hydrologischen Gutachtens.

Den vom Kieswerk beabsichtigten Abbau von 107 Hektar hatte die Landesdirektion auf 44 Hektar beschränkt. Die jetzige Rahmenbetriebsplanfläche umfasst sogar 134,7 Hektar. Und schließlich hatte die Landesdirektion als weitere Maßgabe formuliert: „Eine Verfüllung mit Bauschutt findet nicht statt.“ Auch das berücksichtigt der neue Antrag nicht. 

„Für den Antragsteller sind diese Maßgaben nicht rechtsverbindlich. Für andere Behörden wie das Oberbergamt sollten sie aber bindend sein.“ Stattdessen setzte das Amt die Maßgaben außer Kraft. „Damit werden die Aussagen von Behörden und der Politik und die Spielregeln der Demokratie konterkariert!“

Vom Oberbergamt dürfe man daher keine Unterstützung erwarten. Vielmehr gelte es, die Landespolitik für die Problematik zu sensibilisieren. Die war an dem Abend in Person des CDU-Abgeordneten Sebastian Fischer vertreten. 

Der schlug nach der Veranstaltung ein Treffen der Bürgerinitiative mit dem Kieswerk-Geschäftsführer im Oberbergamt vor, bei dem die Problematik noch einmal diskutiert werden soll. „Bürgerinitiativen kann man nicht mehr ignorieren“, sagt Fischer. „Das wissen sie mittlerweile auch in Freiberg.“

Die BI will vor allem die Salamitaktik der Kieswerk-Betreiber zur Sprache bringen. Die hatten, weil das Ausmaß ihrer Abbaupläne schon einmal abgelehnt wurde, einfach mehrere kleinere Tagebaue nacheinander beantragt. Die Folgen für Natur und Umwelt summieren sich aber, weshalb sie zusammen betrachtet werden müssten.