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Wann kommt 5G nach Bautzen?

Die Netzbetreiber bauen fleißig an der nächsten Mobilfunk-Generation. Vodafone installiert allein in diesen Wochen zwölf neue LTE-Antennen im Kreis.

Von Theresa Hellwig
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Erst 2018 wurde der Funkmast in Weigsdorf-Köblitz gebaut. Seine Aufgabe: Ein Funkloch schließen und 5.000 Leute mit LTE versorgen.
Erst 2018 wurde der Funkmast in Weigsdorf-Köblitz gebaut. Seine Aufgabe: Ein Funkloch schließen und 5.000 Leute mit LTE versorgen. © Steffen Unger

Bautzen. Im Zug von Dresden nach Bautzen fährt seine Frau von Funkloch zu Funkloch, erzählt Matthias Knaak, stellvertretender Vorsitzender der Bautzener CDU-Stadtratsfraktion. Weiße Flecken – davon gibt es mehr als ausreichend im ländlichen Raum. Dabei reden doch mittlerweile eigentlich schon alle von 5G, der nächsten Mobilfunk-Generation. Um damit zu starten, bauen die Netzbetreiber jetzt auch im Landkreis Bautzen fleißig aus. Beim CDU-Stammtisch hat Vodafone seine Ausbaupläne vorgestellt – die SZ hat sich auch bei den anderen Netzbetreibern umgehört.

Das bedeutet 5G

Die kurze Erklärung, was 5G ist, lautet: Es ist die neue Mobilfunkgeneration, die auf 4G folgt. Etwas konkreter erklärt, ist es ein effizienterer Mobilfunkstandard. Sehr viel größere Datenmengen sollen dadurch sehr viel schneller transportiert werden können, Datenraten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sollen möglich sein.

Dafür wird es gebraucht

Als Helmut Zeitz, Senior-Experte der Vodafone GmbH, von 5G erzählt, parken viele Autos vor der Spree-Pension in Bautzen – natürlich keine autonom fahrenden. Das, was Zeitz an die Wand wirft, wirkt weit von diesem Ort entfernt: Er spricht von Autos, die miteinander kommunizieren und autonom fahren. Redet von sogenanntem „Smart Farming“, also schlauer Landwirtschaft: Durch 5G-Technik sollen automatisierte Saat, Düngung und Pflege möglich sein. „Bewässern könnte vom Homeoffice aus funktionieren“, sagt er. Und er spricht von Telemedizin, digitalen Sprechstunden, intelligenten Haltestellen und Mülleimern, die sich automatisiert melden, wenn sie voll sind. All das sind Dinge, die nur durch 5G möglich werden, erzählt Zeitz.

Aber auch im normalen Haushalt hätte 5G Auswirkungen: Ein 5G-fähiges Smartphone könnte den Inhalt einer ganzen DVD über eine mobile 5G Datenverbindung im Idealfall innerhalb von vier Sekunden laden, erklärt zum Beispiel die Telekom den neuen Standard. Von ruckelfreien Videos beim Streamen in HD-Qualität uneingeschränktem Nutzen der Smartphone-Applikationen spricht Telefonica.

Das sind die Voraussetzungen für 5G

Für 5G sind neue Frequenzbänder nötig geworden. Die Bundesnetzagentur hat diese im Frühjahr 2019 versteigert. Die bewegen sich im Bereich von etwa 3.500 Megahertz (MHz), also 3,5 Gigahertz (GHz). Zwar läuft 5G nicht nur über dieses Netz, im ländlichen Raum eignen sich oftmals sogar eher die niedrigen Frequenzen, aber die höheren Frequenzbereiche bieten größere Bandbreiten und liefern die Kapazitäten dafür, eine große Geräteanzahl mit höheren Datenraten zu versorgen.

Eine Voraussetzung für 5G ist jedenfalls, dass die Sendeanlagen mit Glasfaser erschlossen werden – dabei ist das Breitbandausbau-Projekt des Landkreises wichtig. „Zum Beispiel in Bischofswerda, Rammenau und Salzenforst ist das schon der Fall“, so Zeitz. „Diese Sendeanlagen könnten hier also zu den ersten 5G-Standorten gehören, sicher ist das aber noch nicht.“

Und auch ein flächendeckendes LTE-Netz ist Grundvoraussetzung für 5G, erklärt Helmut Zeitz von Vodafone. Dafür bauen die Telekommunikationsunternehmen auch im Kreis Bautzen fleißig aus.

So kommt das neue Netz in den Kreis

Eine LTE-Netzabdeckung von 97,3 Prozent biete Vodafone seinen Kunden im Kreis Bautzen, sagt Zeitz. Gerade arbeitet Vodafone daran, die weißen Flecken in der Region zu schließen. An 12 Orten sollen allein in diesen Wochen LTE-Antennen installiert werden, darunter zum Beispiel zwei Orte in der Stadt Bautzen. Auch in Steina, Oßling, Schirgiswalde, Kamenz, Malschwitz, Steinigtwolmsdorf und Hochkirch werden gerade Antennen installiert oder gegen modernere ausgetauscht. „Das wird jetzt aber auch das ganze Jahr so weitergehen“, sagt Zeitz. Etwa 100 Standorte seien es, die bis 2025 für 5G nachgerüstet werden müssten. „Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, so Zeitz. Auch einen neuen Mobilfunkmasten will das Unternehmen bauen.

Auch die anderen Netzbetreiber sind aktiv. Die Telefonica GmbH, durch deren Netze zum Beispiel O2-, Tchibomobil und Alditalk-Kunden surfen, verrät zwar nicht, wo sie in diesem Jahr neue LTE-Standorte errichten will. „Wir wollen aber einen weiteren Gang hochschalten“, sagt Pressesprecher Florian Streicher, „und den flächendeckenden LTE-Netzausbau im Landkreis Bautzen noch intensiver vorantreiben“. Im vergangenen Jahr habe Telefonica unter anderem in der Gemeinde Sohland, im Haselbachtal sowie in Commerau und in Neschwitz LTE-Stationen errichtet. Ebenso will die Telekom weiter aufrüsten und in diesem Zuge neue Mobilfunkmasten im Landkreis errichten. Als Netzbetreiber neu dazugekommen ist 1 und 1, das Unternehmen befindet sich nach eigenen Angaben gerade in Gesprächen zum Netzausbau.

Dann kommt 5G in den Landkreis

Bis 2025, so das Ziel der Bundesregierung, soll das Mobilfunknetz im ländlichen Raum ausgebaut werden. Zusätzlich zu den Bundesautobahnen und ICE-Trassen sollen dann Landesstraßen, Bahntrassen und größere Wasserwege mit 5G versorgt sein. Ein wenig müssen sich Unternehmen und Anwohner im Kreis Bautzen noch gedulden: Nutzen können sie das neue Netz noch nicht. In Dresden und an einigen anderen Orten in Sachsen führt Vodafone gerade einen ersten 5G-Testbetrieb durch. Helmut Zeitz schätzt, dass Vodafone in drei bis sechs Monaten im Landkreis Bautzen erstmals 5G anbieten wird. Die Telekom möchte im Kreis Bautzen erstmals im Jahr 2021 das neue 5G-Netz anbieten.

Davor sorgen sich einige Bürger

Zum CDU-Stammtisch kamen einige Kritiker, die sich vor gesundheitlichen Auswirkungen von 5G sorgen. Explizit sorgten sie sich vor einer möglichen Krebsgefahr durch 5G. Jens Frühauf, Sachgebietsleiter für Kreisentwicklung im Landratsamt, versucht, diese Ängste vor Funk-Emissionen zu nehmen: „Es gibt weltweit viele Studien, die das Thema untersucht haben“, sagt er. „Es gibt aber noch keine nachgewiesene Gefährdung.“ Er weist auf strenge Grenzwerte in der Bundesrepublik hin, die eingehalten werden müssen.

Testfelder für 5G in Sachsen

Einige Testfelder mit 5G-Technologie gibt es in Sachsen schon:

Im Erzgebirge fahren versuchsweise ferngesteuerte Züge des „Smart Rail Connectivity Campus“. Im Gegensatz zum autonomen fahren führt durchaus ein Triebwagenführer den Zug – er sitzt dafür aber nicht mehr darin. 120 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft forschen hier zum Bahnverkehr der Zukunft.

Auf dem landwirtschaftlichen Versuchsgut des Freistaats in Köllitsch in Nordsachsen, einem der größten Testfelder in Europa, haben Tests mit Feldspritzen und Drohnen begonnen – allerdings zunächst mit einer Nokia-Antenne mit der vierten Mobilfunkgeneration 4G, also LTE.

In der Lausitz stehen Versuche in Hoyerswerda und Welzow bevor: Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden wollen gemeinsam mit Handwerk und Industrie herausfinden, wie 5G zum Einsatz kommen könnte. Zum Beispiel sollen Drohnen mit Farbdosen Hauswände anstreichen und auch autonomes Fahren wird weiter getestet.

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