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Warum Anwohner gegen Motocross sind

Der Motorsport soll in Bannewitz wiederbelebt werden. Viele aber fürchten um ihre Ruhe.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Bannewitz. in Aufgebot an Cross-Fahrern, Motorenlärm in der Nachbarschaft und diesen auch am Wochenende. Das befürchten derzeit viele Bannewitzer, die unweit des Grundstückes wohnen, auf dem eine neue Piste für Motorsport entsteht. Auf einer etwa 30 000 Quadratmeter großen Fläche an der B 170 im Norden des Gewerbegebietes soll der Verein Motocross Bannewitz für fünf Jahre Trainings durchführen und alljährlich zum großen Cross-Rennen an die Strecke einladen. Während die dauerhafte Nutzung der Strecke zu diesen Zwecken derzeit noch von verschiedenen Behörden geprüft wird, gibt es für das anstehende Cross-Event am 23. September bisher eine Sondergenehmigung. 75 Unterschriften gegen die Motocross-Piste an der Bundesstraße haben Anwohner der Bannewitzer Rathausspitze allerdings vorgelegt. Etliche Zuschriften und Beschwerden sind eingegangen. Was bewegt die Kritiker? Die SZ fasst die wichtigsten Punkte zusammen:

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Kritik 1: Die Lärmbelastung nimmt durch Cross-Maschinen zu
Der Kritikpunkt Nummer eins ist die zusätzliche Lärmbelastung, die durch den Motorsport für die Anwohner in der unmittelbaren Umgebung erwartet wird. „Wir wohnen seit 1997 in Bannewitz und haben uns damals für diesen stadtnahen, ruhigen Wohnstandort entschieden“, sagen Helga und Hans-Peter Mätzke, die auf der Winckelmannstraße in Bannewitz wohnen und zu denjenigen gehören, die ihr Haus nahe der geplanten Piste haben. Die Mätzkes beziehen sich auf eine bestehende Cross-Anlage bei Zwickau. Dort würde nach Recherchen der Familie noch bis zu 1,5 Kilometer entfernt eine Geräuschkulisse zwischen 70 und 90 Dezibel vorliegen. Der zumutbare Höchstwert am Tag betrage in vergleichbaren Gebieten aber nur maximal 60 Dezibel. Besonders bedenklich sei die Situation für die Pflegeeinrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes im Zentrum von Bannewitz. Für solche Einrichtungen gelte eine maximale Lärmbelastung von 45 Dezibel. „Schon das spricht gegen den Bau einer derart nah am Wohngebiet liegenden Anlage“, erklärt die Familie. Diese Argumente kann Jens Albinus nachvollziehen. Die Auflagen für Lärmschutz nahe Pflegeeinrichtungen seien hoch, bestätigt der Geschäftsführer des DRK-Seniorenwohnparks Freital, zu dem auch die Bannewitzer Pflegeheime gehören. Deshalb bestehe im Umkreis von einhundert Metern um solche Einrichtungen auch ein Feuerwerksverbot. Sorgen bereiten ihm die Motorsport-Pläne in Bannewitz aber nicht. Die bestehende Lärmschutzwand an der B 170 halte bereits viel Verkehrslärm von den Pflegeheimen zurück. Auch vor dem Hintergrund, dass noch ein Gutachten erstellt wird, in dem unter anderem der Lärm während des Cross-Betriebes ermittelt wird, sei er beruhigt. „Ich vertraue auf die Planer“, sagt Albinus.

Kritik 2: Trainings und Rennen finden zu häufig statt
Wie bereits zur Sitzung des Ortschaftsrates Bannewitz und während des Gemeinderates im Juni deutlich wurde, haben viele Anwohner nichts gegen ein großes Rennen pro Jahr, so wie es bereits zum dritten Mal in diesem Herbst stattfinden soll. Die Kritik richtet sich vielmehr gegen die häufigen Trainingszeiten. „Man möchte den Bau einer für diesen Zweck überdimensionierten Anlage mit zwei bis drei Trainingstagen wöchentlich und diversen jährlichen Veranstaltungen durchsetzen“, befürchtet Familie Mätzke, genauso andere Anwohner.

Fakt ist, dass der Trainingsumfang noch nicht endgültig feststeht. Während anfangs von ähnlichen Zeiten die Rede war, zeigte sich der Verein Motocross Bannewitz bereits kompromissbereit. Aktuell ist von 26 Trainingstagen im Jahr die Rede. An Feiertagen und sonntags werde mit Ausnahme des Rennens nicht gefahren. Die Größe der Anlage sei zudem vom Deutschen Motorsport-Bund vorgegeben.

Kritik 3: Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene fahren Motocross
Ziel des Vereins sei es, vor allem Nachwuchssport zu fördern. Die Organisatoren sind aber auch für andere Cross-Fahrer offen. Genau darin liegen die Sorgen der Anwohner begründet. Sie befürchten, dass der Sport in Bannewitz Fahrt aufnimmt und künftig eher Erwachsene mit größeren und lauteren Maschinen hier fahren. Dies könnte zur Folge haben, dass Trainingszeiten erweitert werden müssen. Der Verein machte bereits deutlich, dass die Trainings auch notwendig seien, um das alljährliche Rennen und die Strecke zu finanzieren. Um dies sicherzustellen, sind die Cross-Fahrer auch mit anderen Sportlern im Gespräch. „Gern möchten wir BMX-, Fahrrad-, Trailfahrern und Mountainbikern die Strecke als Trainingsplattform anbieten“, heißt es vom Verein. Konkrete Trainingszeiten und Nutzungsumfänge sollen aber auch im Betreibervertrag festgehalten werden, den der Verein mit der Gemeinde Bannewitz abschließt.