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Warum Zittaus Bäcker Rönsch auf die Politik schimpft

Kleine Betriebe können im Wettbewerb mit den großen nicht mithalten - höchstens zu Lasten der Qualität.

Von Elke Schmidt
 3 Min.
Bäckermeister Konrad Rönsch hat die Öffnungszeiten in seinen Filialen gekürzt.
Bäckermeister Konrad Rönsch hat die Öffnungszeiten in seinen Filialen gekürzt. © Matthias Weber

Konrad Rönsch, Chef der Sankt Nikolausbäckerei in Zittau, hat seit Anfang des Jahres die Öffnungszeiten seiner drei Filialen um einen Tag verkürzt. Im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung sagt er, was Discounter und der Mindestlohn damit zu tun haben.

Herr Rönsch, Sie sagen, Sie arbeiten gern als Bäcker und können sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Trotzdem verkürzen Sie die Öffnungszeiten Ihrer Filialen. Warum?

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Wir machen in unserer Bäckerei alles selber vom Ansetzen des Natursauerteigs bis hin zum Mischen der Backzutaten. Das ist viel arbeitsintensiver als einfach nur Fertigmischungen zu verwenden. Ich stand zuletzt 80 Stunden in der Woche in der Backstube. Das ist weder für meine Gesundheit noch für meine Familie gut.

Warum stellen Sie keinen neuen Mitarbeiter ein?

Ich finde keinen. Das Arbeitsamt hat schon mehrere Leute beauftragt, sich bei mir zu melden. Aber die waren nicht einmal zum Vorstellungsgespräch da.

Stehen Sie ganz allein in der Backstube?

Nein, aber zwei meiner Gesellen haben bereits gekündigt. Ein Grund dafür war, dass sie woanders mehr verdienen. Ich würde auch gern mehr bezahlen. Das kann ich aber nicht. Der Umsatz gibt das nicht her.

Woran liegt das?

Viele Leute kaufen billiges Brot in den Supermärkten und Discountern. Ich kann mir nicht erklären, wie die niedrigen Preise dort zustande kommen können. Wir schaffen das jedenfalls nicht. Den Leuten muss auch bewusst werden: Wenn wir weiter gesunde und hochwertige Lebensmittel essen wollen, müssen wir mehr dafür bezahlen, denn der Aufwand ist ungleich höher.

Was müsste sich denn Ihrer Meinung nach ändern?

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Es müssten durch die Politik andere Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auch uns kleinen Betrieben ein Überleben ermöglichen. Ungerecht ist zum Beispiel, dass größere Betriebe keine EEG-Umlage zahlen müssen, wir kleinen dagegen schon. Fakt ist auch: Wenn der Mindestlohn steigt, müssen durch die hohen Lohnnebenkosten die Preise für Backwaren um das Dreifache steigen, um die Kosten zu finanzieren. Wer bezahlt das denn? Die Politik müsste auch eingreifen, damit jeder sich hochwertige Lebensmittel leisten kann. Wenn wir nur noch im Supermarkt Brot kaufen, kann es sein, dass das lokale Handwerk ausstirbt. Dann können wir in der Region kein Brot mehr herstellen und sind auf Importe aus China oder sonstwo her angewiesen. Oder noch schlimmer, wir werden nur noch Brotersatz zu kaufen kriegen. 

Lesen Sie dazu auch (SZ Plus):

Warum Bäcker Heidrich sein Geschäft aufgibt 

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