merken
PLUS Dresden

Schwere Zeiten für das Italienische Dörfchen

Die beiden Wirte kämpfen mit Problemen. Jetzt äußert sich die Stadt.

Italienisches Dörfchen Betreiber Janet und Maik Kosiol.
Italienisches Dörfchen Betreiber Janet und Maik Kosiol. © Marion Döring (Archiv)

Seit einem Jahr sind Janet und Maik Kosiol die Wirte im Italienischen Dörfchen. Neben jeder Menge Kampfgeist und Euphorie mischen sich nun immer mehr Sorgen in den Alltag der beiden Gastronomen. „Die Baustelle auf dem Theaterplatz und der Augustusbrücke macht uns das Geschäft immer schwerer“, so Maik Kosiol. Eigentlich sollte die Bauarbeiten vor dem Restaurant längst fertig sein, doch nun dauern sie bis 2021. „Als das neue Baufeld im letzten Sommer genau vor unserem Biergarten aufgebaut wurden, ist unser Umsatz dort um 50 Prozent eingebrochen“, erzählt der Wirt. Kein Gast wolle sein Bier direkt neben Baggern und Presslufthammer trinken.

Um das Objekt weiter wirtschaftlich betreiben zu können, muss Familie Kosiol schwere Wege gehen. „Wir haben uns dazu entschieden, mit Montag und Dienstag zwei Schließtage einzuführen“, so der Wirt. Das gelte für alle drei separate Restaurants im Dörfchen, also für das Schankhaus Stadtwaldschlösschen, das Milchmädchen Kaffeehaus und das Brunetti Centro. Das Milchmädchen und das Stadtwaldschlösschen müssen vom 10. bis 28. Februar wegen Umbauarbeiten komplett geschlossen werden. Der Paulaner-Biergarten bleibt vermutlich das ganze Jahr geschlossen, da die Baustelle direkt, vor dessen Toren liegt.

Anzeige
Den Muttertag besonders machen
Den Muttertag besonders machen

Machen Sie Ihrer Mutter zu ihrem Ehrentag eine ganz besondere Freude. Der Bürgergarten Döbeln hat sich dafür etwas ganz besonderes ausgedacht.

Außerdem arbeiten nun nur noch 25 der ursprünglich 40 Mitarbeiter im italienischen Dörfchen, einige seien von sich aus gegangen, andere musste er entlassen – um das Haus zu retten. Familie Kosiol wünscht sich dringend Gespräche mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) über die Baustellen-Situation. Bisher habe keiner von beiden auf ihre Briefe und Mails reagiert. 

Jetzt meldet sich auch die Stadt zu Wort. Die Betreiber des Italienischen Dörfchens seien bereits im Vorfeld der Baumaßnahme persönlich über die Baumaßnahme und die sich daraus ergebenden Einschränkungen informiert, so das Straßen-und Tiefbauamt. Auch baubegleitend führe man immer wieder Gespräche. Die Stadt Dresden sei baubegleitend im Gespräch mit dem Betreiber des Italienischen Dörfchens und ist bemüht, Beeinträchtigungen durch Bauarbeiten auf das notwendige und unvermeidbare Maß zu beschränken. Ganz vermeidbar sei dies bei einer Baumaßnahme in dieser Größenordnung leider nicht.

Was aber klar ist: Die Baustelle der Augustusbrücke wird noch größer, so dass in wenigen Wochen auch Teile des Theaterplatzes gesperrt werden müssen. Dabei handelt es sich um die Kreuzung vor der Hofkirche, wo der Verkehr derzeit links von der Sophienstraße abbiegt und vorbei am Italienischen Dörfchen zum Terrassenufer rollt. Dieser Bereich soll ausgebaut werden, teilte die Stadt mit.

Ein Blick auf die Baustelle auf dem Theaterplatz.
Ein Blick auf die Baustelle auf dem Theaterplatz. © Marion Döring

Am 1. Februar 2019 hatten die Kosiols das Traditionshaus am Theaterplatz von Wirt Uwe Wiese übernommen. Dieser gab nach 25 Jahren auf. Die offizielle Begründung: Seine beiden Mitgesellschafter wollten aus Altersgründen nicht mehr. Doch es gab noch andere Ursachen. Er hatte Mietschulden. Aus den veröffentlichten Jahresabschlüssen ging hervor, dass Wiese mit seiner Theaterplatz Gastronomie GmbH, mit der er das Italienische Dörfchen betrieb, von 2010 bis 2016 rote Zahlen geschrieben hat. Seit 2010 wuchsen die Verluste kontinuierlich auf inzwischen fast 800.000 Euro. Um sie auszugleichen, wurden immer mehr Schulden gemacht. Die Verbindlichkeiten stiegen laut Jahresabschluss bis Ende 2016 auf etwas mehr als eine Million Euro.

Weiterführende Artikel

Italienisches Dörfchen wechselt Betreiber

Italienisches Dörfchen wechselt Betreiber

Nur noch bis Ende Januar betreibt der Wirt das Restaurant im Herzen Dresdens. Unklar ist noch, wie es dann weitergeht. 

Mit Maik Kosiol übernahm ein erfahrener Gastronom das Haus. Gemeinsam mit seiner Frau Janet betreibt er außerdem die Elbterrasse Wachwitz, das Brunetti und das Kitzo Alpenstüberl. Früher auch das Luckner Parkrestaurant, diesen Laden schloss er aber 2019. Die beiden Wirte haben in den vergangenen Monaten gleich drei neue Restaurants im Dörfchen eröffnet. Unter anderem gibt es nun wieder das Stadtwaldschlösschen-Bier in Dresden. Das Getränk der Traditionsbrauerei wird im Schankhaus ausgeschenkt. 1866 eröffnete das erste „Stadtwaldschlösschen“, damals am Postplatz. Die Brauerei im Stammhaus an der Bautzner Straße produzierte und importierte damals seit 30 Jahren im Auftrag des Actienvereins der Societätsbrauerei zu Dresden so erfolgreich Bier nach bayerischer Art, dass ein zweites Lokal zum Ausschank gesucht wurde. Im Erdgeschoss eröffnete auch das Milchmädchen-Kaffeehaus. Dort gibt es Frühstück sowie Kaffee und Kuchen. Im Obergeschoss führen die beiden das Brunetti Centro, ein italienisches Restaurant, wo es Pizza und Pasta zu essen gibt.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden