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Döbeln

Warum das Publikum nur Rot sieht

In Waldheim und Leisnig laden die Feuerwehren zum Mitmachen ein. Bei der Technikschau fehlen zwei Jubilare.

Der Waldheimer Nachwuchs beim Wettkampf: Mit dem Wasserstrahl mussten Dosen abgeräumt werden.
Der Waldheimer Nachwuchs beim Wettkampf: Mit dem Wasserstrahl mussten Dosen abgeräumt werden. © Lars Halbauer

Von Claudia Erbert, Helene Krause und Lars Halbauer

„Mitmachen kannst du bei uns ab acht“, erklärt Tom Schütze dem fünfjährigen Billy Joe Vogel aus Waldheim. Der ist begeisterterer Fan von Feuerwehrmann Sam und findet die Hauptfigur selbst auch am besten. „Kann ich jetzt richtiges Feuer löschen?“, will er ungeduldig wissen. Die Jungen und Mädchen der Walhdeimer Jugendfeuerwehr kennen sich mit dem Löschsimulator gut aus. Sie entzünden das Feuer mithilfe einer Gasflasche auf einem Metallgestell, das einen Flächenbrand darstellen soll oder in einem runden Behälter, der einem Papierkorb nahekommt. Auch die Feuerlöscher sind speziell zum Üben: „Hier kann man mit einem Kompressor Wasser reinfüllen und dann damit löschen.“

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Ganz alleine darf Billy Joe noch nicht löschen, Tom hält mit fest. Geschützt ist der kleine Feuerwehrfan schon, er hat seinen eigenen Helm mitgebracht. Etwas einfachere gibt es neben der Bastelstraße zu kaufen, so dass sich alle kleinen Besucher entsprechend ausrüsten können. Dort gibt es auch viele verschiedene Feuerwehrautos zum Zusammenbauen und Juliane Gröhnert schminkt mit ihrem Team vom Checkpoint Massanei bis in die Abendstunden Kindergesichter – nicht immer passend zum Motto, aber immer passend für die kleinen Gäste.

Die können wie immer auch in die echten Fahrzeuge klettern und sich alles genau erklären lassen. „Wir hätten gerne noch unsere beiden Jubilare, die 80-jährige große Drehleiter und den 50-jährigen W 50 gezeigt, aber beide sind nicht fahrtauglich“, bedauert Holger Miedtank, der vorm Fest optimistisch war, dass es doch noch klappt. Für die Reparatur der Leiter wurden aus Spenden und Vereinsgeldern etwa 6 000 Euro eingesetzt, dennoch hat sie auf dem Rückweg vom TÜV noch einmal gezischt und war wieder kaputt. Auch der Hochwasserschaden am W 50 konnte noch nicht behoben werden.

Dennoch sind Geburtstagskinder auf dem Markt zu sehen: „Das Waldheimer Löschfahrzeug ist genau 20, der TSFW aus Meinsberg ebenso und der ELW1 aus Waldheim ist zehn geworden. Jüngster hier in der Runde ist das Gebersbacher Fahrzeug, das ist quasi null Jahre.“

Der Vorsitzende des Feuerwehrvereins kennt sich nicht nur mit den Fahrzeugen, sondern auch mit den Regeln für den Feuerwehrwettkampf aus. Obwohl die Wehren aus Schönberg, Reinsdorf, Erlbach, Meinsberg, Kriebstein, Gebersbach, Grünlichtenberg und die Kübler&Niethammer Werksfeuerwehr zu Gast sind, treten nur vier Erwachsenen-Teams an, bei den meisten fehlen wichtige Kameraden. Die Jugend dagegen ist hochmotiviert und zahlreich vor Ort: Gleich fünf Mannschaften melden sie an und lernen noch während des Wettkampfs voneinander, Fehler der Vorgänger sollen möglichst nicht wiederholt werden.

Startschuss, Ankleiden, Leitungen kuppeln, Kübelspritze mit Eimerkette füllen, Dosen vom Baum spritzen, zurückrennen – klingt in der Theorie einfacher, als es sich dann tatsächlich darstellt, so dass die Teams deutlich länger als angenommen brauchen.

Mit Feuereifer dabei

Auch beim Mitmachtag der Leisniger Feuerwehr auf Burg Mildenstein sind die Kinder mit dem sprichwörtlichen Feuereifer dabei. Der vierjährige Johannes Bienert aus Machern trägt eine Feuerwehruniform. Mit einem Schlauch spitzt er Wasser auf ein Haus, das auf einer Holztafel aufgemalt ist. „Johannes würde gern bei der Feuerwehr mitmachen“, sagt Mutter Kathrin Bienert. „Aber das geht erst, wenn er fünf Jahre alt ist. Zu Hause hat er schon diverse Feuerwehruniformen.“ Auch Leon und Lilly Riemer aus Auerbach tragen eine Feuerwehruniform. „Leon ist bei der Jugendfeuerwehr“, sagt Vater Tobias.

Das Löschen zu üben, ist nur eine Aktion der Jugendfeuerwehr Leisnig beim Mitmachtag. „Die Kinder können verschiedenen Stationen absolvieren“, sagt der Chef der Jugendfeuerwehr Marko Gentzsch. Dazu zählen: Notruf wählen und die fünf W abfragen (Wer? Wann? Wo? Was? Wie viel?), Feuerwehrkleidung nach Zeit anziehen sowie das Schlauchkegeln. Dabei werden Kegel aufgestellt. Ein Schlauch wird ausgerollt und versucht, mit dem Schlauch so viele Kegel wie möglich umzuschubsen. „Die Übung dient dazu, dass Ziel zu erkennen, damit die Schläuche ungefähr in die Richtung des Brandherdes gerollt werden“, sagt Gentzsch. „Wir wollen mit der Aktion Nachwuchs für die Jugendfeuerwehr gewinnen.“ Des Weiteren gibt es für die Kinder eine Hüpfburg und bei zwei Lesungen aus dem Buch „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee nicht kalt“ erfahren sie Interessantes über die Feuerwehr. Außerdem gibt es eine Vorführung zur Fettexplosion und eine zum Umgang mit Feuerlöschern. Für Kinder, die auf der Burg in Feuerwehruniform erscheinen, ist der Eintritt frei.

Doch auch die Erwachsenen bekommen einiges geboten. Der Feuerwehrverein Naunhof-Beiersdorf ist nicht nur für Speisen und Getränke zuständig, er hat auch seine historische Müllersche Pferdezugspritze von 1924 mitgebracht. Bei zwei Vorführungen können die Besucher erleben, wie vor fast einhundert Jahren bis 1958 gelöscht wurde. Die Spritze zieht ein Traktor Famulus 36, Baujahr 1972 auf den Burghof.

Die Kameraden der Feuerwehr Raitzen stellen ihren Oldtimer vom Typ Ford Transit, Baujahr 1969, vor. „Das Fahrzeug hat eine Tragkraftspritze und eine entsprechende Funkausrüstung“, sagt Manfred Stein von der Feuerwehr Raitzen. Der 83-jährige ist der Gerätewart.

Der Mitmachtag der Feuerwehr Leisnig ist eine Aktion im Rahmen der Feuerwehr-Sonderausstellung „Retten. Löschen. Bergen. Schützen.“ , die derzeit auf der Burg zu sehen ist.

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