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Warum die Dresdner Eislöwen vom Aufstieg reden

Erst 2021 kehrt im Eishockey wieder Normalität ein. In Dresden gibt es schon einen Plan.

Das Ziel für Torwart Marco Eisenhut (vorn), Steven Rupprich und die anderen Dresdner Eislöwen ist die erste Liga.
Das Ziel für Torwart Marco Eisenhut (vorn), Steven Rupprich und die anderen Dresdner Eislöwen ist die erste Liga. ©  Robert Michael

Höher, schneller, weiter. Darum geht es schließlich im Sport. Deshalb klingt es absurd, wenn eine Mannschaft in der zweiten Liga vorn liegt, nicht aufsteigen darf. Das war allerdings die jahrelange Praxis im deutschen Eishockey, seit 2005 gibt es keinen direkten Auf- und Abstieg mehr zwischen den beiden höchsten deutschen Spielklassen. Bis 2011 durften die Meister der 2. Bundesliga immerhin noch hoch, sofern sie wirtschaftlich stark genug waren. Nun soll ab der Saison 2020/21 wieder das im Sport übliche Prozedere gelten.

Das ist gar nicht mehr so lange hin, wie es sich anhören mag. Deshalb erklären die Dresdner Eislöwen schon jetzt deutlich, sich für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) qualifizieren zu wollen. „Das ist unser Ziel, und das wollen wir unseren Partnern in der Stadt, Sponsoren und Fans bereits vermitteln“, sagt Geschäftsführer Maik Walsdorf. „Für einen Standort wie Dresden, der die infrastrukturellen Voraussetzungen bereits erfüllt, kann es nicht der Anspruch sein, weiter in der zweiten Liga zu spielen.“

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Mit 4.400 Plätzen hat die 2007 neu eröffnete Arena die geforderte Kapazität, trotzdem wäre sie laut Walsdorf im Aufstiegsfall eine Nummer zu klein. Nach den Vorstellungen des Vereins müsste sie auf etwa 6.000 erweitert werden, für ein Ost-Duell gegen die Eisbären Berlin wären auch das sicher zu wenig. Den Ausbauwunsch habe man vor knapp einem Jahr an den Bürgermeister und den für die städtischen Sportstätten zuständigen Eigenbetrieb übermittelt. „Wir wollten nicht, dass es später heißt: Hättet ihr mal eher etwas gesagt.“ Vorerst hat die Modernisierung des Heinz-Steyer-Stadions Priorität, aber die möglichen Varianten für zusätzliche Plätze in der Eishalle würden geprüft.

Als Argument dafür nennt Walsdorf erstens das bevorstehende Open-Air-Hockey, denn die Tickets für das Sachsenderby der Dresdner gegen Weißwasser am 4. Januar 2020 sind so gut wie ausverkauft. Bei der ersten Auflage vor dreieinhalb Jahren hatten 31.853 Zuschauer die Partie im Fußball-Stadion von Dynamo live gesehen. Diesmal kommen zwar auch rund 10.000 Fans aus Tschechien, weil vorher Litvinov und Sparta Prag das erste offizielle Ligaspiel im Ausland austragen. Trotzdem sieht Walsdorf in der großen Nachfrage einen Beleg für die Beliebtheit der Sportart in Sachsen und speziell in Dresden.

„Wir haben die Möglichkeit, so weit lehne ich mich aus dem Fenster, in der von den Zuschauerzahlen her zweitbeliebtesten Mannschaftssportart in Deutschland ein Aushängeschild für die Stadt und den Freistaat zu sein“, meint der 32-Jährige. Der sportliche Erfolg wäre für die Eislöwen mit höheren Kosten verbunden. Der Etat für eine Spielzeit würde von jetzt knapp drei auf gut fünf Millionen Euro steigen. „Ich denke, das ist nicht utopisch, sondern ein Budget, das wir auch neben Dynamo in Dresden gut darstellen können“, sagt Walsdorf.

Neuer Charakter für die Mannschaft

Zumal die Klubs an der zentralen Vermarktung der DEL partizipieren, die Mehreinnahmen also nicht ausschließlich in der Region erzielt werden müssten. Mit der Westminster Unternehmensgruppe hatten die Eislöwen 2018 nach fünf Jahren wieder einen Hauptsponsor gewonnen, der Vertrag wurde bereits bis 2021 verlängert. Die Sponsoren USD Immobilien und die Fira Bau haben ihre Unterstützung zur Premiumpartnerschaft ausgebaut.

Wenn man sich die Neuzugänge der Dresdner für die neue Saison anschaut, könnte man zu dem Schluss kommen, sie nehmen schon mal Anlauf. „Es ist unser Credo, den Charakter der Mannschaft zu verändern“, sagt Walsdorf und spricht damit auch im Namen von Sportgeschäftsführer Thomas Barth. Man habe Spieler geholt, die noch etwas erreichen wollen und bereit sind, andere mitzuziehen. „Das war in den Jahren zuvor nicht optimal.“ Ein Grund sei die Ligastruktur gewesen. „Die Spieler wussten, dass sie in der DEL 2 mit ihrem Hobby Geld verdienen, aber selbst wenn man als Ziel die Meisterschaft ausgibt: Darüber kommt nichts mehr.“

Das ändert sich. Für die Lizenz müssen die Klubs, die aufsteigen wollen, bis Mitte Mai 2020 eine Bürgschaft in Höhe von 816 000 Euro hinterlegen. Diese Voraussetzung wollen die Eislöwen auf jeden Fall erfüllen, auch deshalb gehen sie mit der DEL als Ziel bereits in die Öffentlichkeit. Allerdings will sich Walsdorf auf keinen Zeitpunkt festlegen. „Wir müssen nicht der erste Aufsteiger sein, auch nicht der zweite.“ Frankfurt, Bietigheim und Kassel sieht er als stärkste Konkurrenten, die „uns sportlich und finanziell zum jetzigen Zeitpunkt noch überlegen“ sind. Hinzu kämen die künftigen Absteiger aus der ersten Liga.

Die Gefahr, sich im Wettstreit wirtschaftlich zu übernehmen, schließt Walsdorf für die Eislöwen jedoch aus. „Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.“ Vor fünf Jahren hätte die Spielbetriebs GmbH ohne die Unterstützung der Stadt Insolvenz anmelden müssen. Es wurden fast 300.000 Euro Schulden erlassen und ein Darlehen über 150.000 Euro gewährt. Die letzte Rate in Höhe von 25.000 Euro wurde im April überwiesen.

„Wir machen keine Hau-ruck-Aktion und nehmen fünf Millionen Euro in die Hand – dann muss es klappen“, betont der Eislöwen-Geschäftsführer jetzt. „Wir planen defensiv seriös, das wird von den Gesellschaftern vorgegeben.“ Das sind der Stammverein, der 55 Prozent der Anteile hält, Präsident und Unternehmer Peter Micksch (Feinblech- und Metallsonderkonstruktionen GmbH) sowie Christian Domschke als Privatperson und Marian Ziburske, geschäftsführender Gesellschafter von Westminster.

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„Wir gehen das Ziel mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit an“, sagt Walsdorf, „aber wir wollen auch sportlich schon jetzt zeigen, dass mit uns zu rechnen ist.“ Der Auftrag geht an die Mannschaft, die nach dem Fehlstart mit dem Einzug ins Halbfinale gezeigt hat, wozu sie in der Lage ist.

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