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Warum die Feuerwehr in die Scheune zieht

Die Ruppersdorfer Kameraden starten ihre Einsätze jetzt dort, wo einst Kälber standen. Dafür winkt eine moderne Belohnung.

Steffen Weinert (r.) und Wehrleiter Michael Jähne sind mit der Ortsfeuerwehr Ruppersdorf in die Scheune gezogen.
Steffen Weinert (r.) und Wehrleiter Michael Jähne sind mit der Ortsfeuerwehr Ruppersdorf in die Scheune gezogen. © Foto: Matthias Weber

In einer echten Hau-Ruck-Aktion und mit viel Handarbeit ist die Ruppersdorfer Feuerwehr in ein sonderbares Quartier umgezogen: Raus aus dem alten Depot - rein in eine Scheune, die auf dem Hof des Ortswehrleiters Michael Jähne steht. "Es hat gepasst", kommentiert Wehrleiter Jähne knapp die Suche nach einem Alternativ-Quartier. Denn das musste her, weil in den kommenden anderthalb Jahren Ruppersdorf ein neues Depot bekommt. In den nächsten Tagen wird das alte Gebäude bereits abgerissen und damit Geschichte sein.

Deshalb haben die Kameraden alles mitgenommen, was sie in den kommenden Monaten dringend brauchen werden: "Wir haben das Rolltor im alten Depot aus- und hier wieder eingebaut", erklärt der stellvertretende Wehrleiter Steffen Weinert. Ebenso sind die Kameraden mit den alten, einst selbst gefertigten Kleider- und Helmhaken verfahren, ebenso mit dem Schränkchen für Telefon und Alarmfax und anderen Utensilien. Sogar die alten Türschlösser haben die Ruppersdorfer an ihren neuen Standort mitgenommen: "Da müssen wir nicht erst bei allen die Schlüssel tauschen", erklärt Weinert schlicht.

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Gegen die Kälte bringen die Kameraden Styropor- und Fliesschutz in der alten Scheune an - schließlich müssen sie sich vor und nach dem Einsatz ja auch im Ersatz-Depot umkleiden. Ein Luxus-Ersatzdepot ist so nicht entstanden, aber eine pragmatische Lösung. "Bloß gut, dass wir bei der Feuerwehr nahezu alle Gewerke vertreten haben, da konnten wir fast alles selbst machen", schildert Jähne die Teamarbeit. Über Monate ist die frühere Scheune peu-a-peu vorbereitet worden, der eigentliche Umzug dauerte dann eigentlich nur knapp zwei Tage.

Dass in dem alten Gemäuer früher einmal Kälber untergestellt waren, kann man auch heute noch gut erkennen. "Das ist aber schon lange vorbei, bis etwa Ende der 90-er Jahre hat die Agrargenossenschaft das Gebäude genutzt. Bei meinem Großvater war es früher nur eine Scheune", erklärt Michael Jähne. Glücklicherweise passen die beiden Einsatzfahrzeuge trotz Stützpfeilern gut hinein: Sowohl das Einsatzfahrzeug mit Tragkraftspritze und 750-Liter-Tank als auch der Mannschaftstransporter finden ausreichend Platz. Glücklicherweise gibt es durch den neuen Standort auch keine großen Veränderungen bei den Einsatz- und Ausrückezeiten: "Wir können alles einhalten", bestätigt Jähne. Auch mit seinen Nachbarn hat er vorab gesprochen. "Natürlich wird ein bisschen mehr Bewegung sein, wenn wir einen Einsatz haben", sagt er. Aber mit einer deutlich größeren Belastung der Anwohner rechnet er nicht. Und Parkplätze für die Kameraden gebe es auf dem Hof und in der Umgebung auch, das habe man bereits geprüft.

15 bis 20 Einsätze im Jahr hat die Ruppersdorfer Wehr im Schnitt zu bewältigen. "Es ist ein bisschen mehr geworden, seitdem die B 178 n bei uns durchgeht", sagt der Wehrleiter. Da muss die Ruppersdorfer Wehr immer einsatzbereit sein - und das klappt auch ganz gut: 38 Kameraden sind momentan aktiv, damit stelle man die stärkste Ortswehr in Herrnhut. Auch die Tageseinsatzbereitschaft sei inzwischen ganz gut zu decken, weil viele Mitglieder in der näheren Umgebung ihrer Arbeit nachgehen. Ein Argument, das auch den Herrnhuter Stadtrat überzeugte, dass man die Gelegenheit eines sich recht plötzlich bietenden Förderprogramms nutzen sollte, um für die Ruppersdorfer endlich moderne und bessere Bedingungen zu schaffen.

Knapp eine Million Euro soll der Neubau kosten, die Stadt selbst wird rund 290.000 Euro zahlen. Die Bauarbeiten sollen im Mai starten. Der Abriss des alten Depots ist ein erster Schritt. Damit auch alles seine Ordnung hat, wird auch das Ersatz-Quartier noch entsprechend ausgewiesen: An den Jähne-Hof an der Obercunnersdorfer Straße kommen demnächst Schilder dran, dass alle gewarnt sind, wenn die Feuerwehr plötzlich auf die Straße fährt.

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