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Warum die neue Brücke so teuer wird

Ein möglicher Baustart für die Salzwegbrücke in Ebersbach-Neugersdorf wurde verkündet. Glücklich sind nicht alle.

Die Brücke am Salzweg in Ebersbach muss weg, daneben wird eine neue gebaut.
Die Brücke am Salzweg in Ebersbach muss weg, daneben wird eine neue gebaut. © Archivfoto: Matthias Weber

1,287 Millionen Euro! Da hält es Stadtrat Karl-Ernst-Simm beinahe nicht mehr auf seinem Stuhl. Die Summe, die den CDU-Mann aus Ebersbach-Neugersdorf so erregt, ist für den Bau einer neuen Brücke in der Stadt vorgesehen. Die Salzwegbrücke ist seit Jahren ein Dauerbrenner im Gremium der Bürgervertreter und an den Stammtischen. Genauer seit 2012. Da nämlich hatte eine turnusmäßige Brückenprüfung - aller paar Jahre finden sie statt - das Dilemma zutage gebracht. Die über 100 Jahre alte Brücke über die Bahnstrecke Dresden-Zittau, eine Konstruktion aus Stahl und Holz, ist marode und muss erneuert werden. Geplant ist nun ein kompletter Ersatzneubau. Bis das neue Bauwerk fertig ist, bleibt das alte stehen und soll weiter genutzt werden. 

Ursprünglich betrug die Kostenschätzung für die neue Brücke einmal 887.000 Euro. Inzwischen musste die Stadt die Schätzung an die gestiegenen Baupreise anpassen - und landet nun bei den knapp 1,3 Millionen Euro, wie Bauamtsleiter Matthias Lachmann jetzt im Stadtrat berichtete. Finanziert werden soll die Bausumme zu einem großen Teil aus Fördermitteln. Der Antrag liegt derzeit beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zur Bewilligung vor. Die Erhöhung bedeutet aber auch, dass die Stadt einen höheren Eigenanteil bestreiten muss: 83.000 Euro mehr als geplant. Bauamtsleiter Matthias Lachmann hat aber schon einen Vorschlag, wo das Geld herkommen könnte. Eine Summe von 120.000 Euro sei für die Straßensanierung der August-Weise-Straße in Ebersbach eingeplant worden, das Geld wird nun aber vorerst nicht für dieses Bauvorhaben verwendet. Denn: "Auch hier sind die Kosten explodiert, das wird nicht reichen", sagt Lachmann. Deshalb schlägt er vor, das Geld erst einmal für die Mehrkosten bei der Brücke einzusetzen und die August-Weise-Straße hinten anzustellen. "Der Brückenbau hat Vorrang", sagt der Bauamtsleiter. Er hofft nun, dass die Umschichtung der Gelder in der bevorstehenden Haushaltsdebatte fürs kommende Jahr so berücksichtigt wird. 

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Stadtrat Simm ist wütend über diese Neuigkeit, weil er vor ein paar Jahren schon einen Alternativvorschlag für eine Brückenkonstruktion am Salzweg eingebracht hatte, der günstiger war. "Eine Wellstahlbrücke wäre billiger gewesen und mit einer Bauzeit von ein paar Monaten ginge auch alles viel schneller", so der Ebersbacher. Jetzt rechnet man bei der Stadt mit einer Bauzeit von anderthalb bis zwei Jahren für die Brücke. Bei der Wellstahlvariante wird eine Art riesiges Stahlblechprofil verwendet, das mit Erde überschüttet wird. Darauf kann dann ein Weg oder eine Straße angelegt werden. Die Konstruktion, die Simm vorgeschlagen hatte, fiel allerdings bei der Prüfung des Ingenieurbüros durch. Mit einem Straßenanschluss sollte auch diese Variante einer Brücke zum damaligen Zeitpunkt vor fünf Jahren mehr als 850.000 Euro kosten. Das größere Problem war aber, dass es strenge Richtlinien für Brücken gibt, durch die Züge fahren. Dennoch ist Karl-Ernst Simm weiterhin überzeugt, dass es eine billigere Lösung hätte geben können. "Was jetzt hier gemacht wird, das ist eine Geldverschwendung sondersgleichen!", echauffiert sich der CDU-Stadtrat. 

Tatsächlich erscheint die hohe Summe unverhältnismäßig für den Zweck der Brücke. Sie erschließt lediglich zwei private Grundstücke von der Spreedorfer Straße aus. Aber: Die Brücke muss sein, eine andere Zufahrt haben die Bewohner nicht. Die Bahnstrecke trennt ihre Grundstücke von der Spreedorfer Straße. Auch aus diesem Grund gab es hitzige Debatten um eine vernünftige Lösung. Ein einfacher, ebenerdiger Bahnübergang beispielsweise war auch nicht möglich. Das lässt das Bundesamt für Güterverkehr aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu. Es sei zu gefährlich, wenn Autos über die Gleise fahren. Derartige Übergänge haben zwar Bestandsschutz, neu angelegt werden sie aber nicht. 

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