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Warum ist der Glühwein so teuer?

Der deutschlandweite Vergleich zeigt, das Elbland treibt die Preise eher hoch. Mit kleinen Ausnahmen.

Der übliche Preis für eine Tasse Glühwein mit 0,2 Liter Inhalt liegt derzeit bei 3,50 Euro. Nur ganz wenige Stände in Radebeul, in Meißen mehrere, verlangen weniger – allerdings ist es auch nicht überall Winzerglühwein und schon gar nicht aus der Region o
Der übliche Preis für eine Tasse Glühwein mit 0,2 Liter Inhalt liegt derzeit bei 3,50 Euro. Nur ganz wenige Stände in Radebeul, in Meißen mehrere, verlangen weniger – allerdings ist es auch nicht überall Winzerglühwein und schon gar nicht aus der Region o © Norbert Millauer

Radebeul. Warum wird der Glühwein immer teurer? Diese Woche wurde ein Vergleich quer durch Deutschland von mobilerweihnachtsmarkt.com veröffentlicht. Demnach ist das heiße Adventsgetränk in München mit 4,50 Euro, gefolgt von Hamburg mit 4 Euro am teuersten. In Rostock und Dortmund trinken die Weihnachtsmarktbesucher mit 2,50 Euro den Glühwein am günstigsten. Durchschnittlich kostet eine Tasse Glühwein auf einem deutschen Weihnachtsmarkt 3,25 Euro.

Und wo liegen die Elbländer? Den absoluten Ausreißer gibt es in Dresden auf dem Neumarkt, nahe der Frauenkirche. Dort vertreibt ein Händler den vom Radebeuler Weingut Hoflößnitz in Zehn-Liter-Packs aufgekauften Bio-Glühwein für 6 Euro den Viertelliter.

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Der Garten verwöhnt im Spätsommer mit frischem Obst und Gemüse. Und langsam heißt es auch, sich auf den Herbst und die anstehenden Arbeiten vorzubereiten.

Richtig günstig gibt es das heiße Getränk noch in Meißen. Und gut obendrein. Winzerin Anja Fritz von der Lage Mariaberg hat nicht aufgekaufte Weine aus der Pfalz, sondern den eigenen Weißburgunder und Dornfelder. Abends würzt sie den unter Marias Weiß und Marias Rot angebotenen Glühwein in der Küche noch selbst, und für 3 Euro der übliche 0,2-Liter Becher wird er am Meißner Heinrichsplatz in der eigens vom Lebensgefährten gezimmerten Bude angeboten.

Ansonsten gibt es in Meißen Winzerglühwein, der aus Österreich stammt, für 2,50 Euro und solchen, der als „Arzgebirg“ überschrieben wird, für den gleichen Preis. Je näher man in der Glühweinwelt Richtung Dresden kommt, umso mehr steigt der Preis auch über den Deutschlanddurchschnitt. Das übliche Preismaß in Radebeul ist 3,50 Euro für 0,2 Liter in der einheitlichen Tasse. Gab es in den Vorjahren noch einzelnen Winzer wie Steffen Schabehorn und Lutz Gerhardt, die für diesen Preis 0,25 Liter einschenkten, so ist das mit der Einheitstasse nivelliert.

Und wie entsteht der Preis? Gibt es Absprachen unter den Händlern? Jörg Hahn, Geschäftsführer vom Weingut Hoflößnitz, sagt: „Wir schauen uns um. Wie dicht stehen die Glühweinbuden, wie ist unser Standort.“ Notfalls wird auch mal der Preis verändert – von Montag bis Montag übernächster Woche soll der Bio-Glühwein der Hoflößnitz auf dem Striezelmarkt zum Kampfpreis von 3 Euro angeboten werden. Hahn sagt: „Als Dank an die, die unserem Weißen über Jahre schon die Treue halten.“

3,50 Euro scheint entlang der Elbe fast überall der Einheitspreis zu sein. Auf dem Striezelmarkt sowieso, aber auch in Radebeul. Über Preiskalkulationen redet keiner gern. Aber aus Insiderkreisen ist zu erfahren, dass ein Liter aufgekaufter Grundwein aus der Pfalz zwischen 1 und 2 Euro kostet. Die meisten kaufen von dort zu.

Vier bis fünf Tassen bekommt man aus einem Liter, der in der Flasche von der Hoflößnitz (1 Liter) 7,90 Euro oder von Wackerbarth (0,75 Liter) 8,90 Euro kostet. Würzen sind die geringsten Kosten, Standmiete beträgt auf dem Striezelmarkt um die 10 000 Euro, dazu Personalkosten, Strom und Aufwaschen. Wer gut wirtschaftet, so einer, der das seit Jahren macht, könne pro Tasse bis zu 2 Euro Reingewinn machen.

Die Hoflößnitz lässt den Glühwein nach eigenem Rezept in der Obstkelterei Heide in Siebenlehn biorein herstellen. Das Staatsweingut stellt seinen Wackerbarths Weiß & Heiß selbst her. Winzer Lutz Gerhardt, in Altkötzschenbroda und auf dem Striezelmarkt vertreten, kocht zwei- bis dreimal jede Woche den eigenen Würzsud an. Noch hat er eigenen Weißburgunder, notfalls wolle er auch zukaufen.

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Die großen Glühwein-Verkäufer aus dem Elbland sind Wackerbarth und mittlerweile auch die Hoflößnitz. Sie haben ihre Stände – wie auf dem Striezelmarkt, der Hauptstraße und der Prager Straße in Dresden. Aber auch Ableger, wo ihr Glühwein verkauft wird, etwa in Potsdam und Rostock (Hoflößnitz) oder Chemnitz, Leipzig, Halle und Erfurt (Wackerbarth).

Und wohin wird der Preis noch steigen? Hoflößnitz-Chef Hahn: „Ich denke, dass in Sachsen bei höchstens 4 Euro die Schmerzgrenze erreicht ist.“

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