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Warum Treibjagden in der Heide stattfinden

Muss es wirklich sein, dass Tiere aufgescheucht, eingekesselt und abgeschossen werden? Was dafür und dagegen spricht.

Die Tradition mit Jagdhornbläsern wird auch nach der Jagd in der Dresdner Heide gepflegt, um den Tieren die letzte Ehre zu erweisen.
Die Tradition mit Jagdhornbläsern wird auch nach der Jagd in der Dresdner Heide gepflegt, um den Tieren die letzte Ehre zu erweisen. © dpa

Seit vier Wochen finden jeden Freitag in der Dresdner und Laußnitzer Heide Treibjagden statt. Am 15. November war es im Revier Bühlau und Ullersdorf so weit, am 4. Dezember in Langebrück. 

Am Freitag trafen sich die rund 50 Jäger und 60 Treiber mit ihren Hunden in der Laußnitzer Heide. Viele Dresdner lehnen diese Jagden ab, wie sie in Mails auch an die SZ schreiben. Es sei brutal, die Tiere einzukesseln und zu töten, außerdem bestehe beim Waffengebrauch eine Gefahr für Waldbesucher. Der Bühlauer Revierförster Thomas Stelzig erklärt die Hintergründe der Aktionen.

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Warum werden Treibjagden veranstaltet?

Der Wildschweinbestand in der Dresdner Heide ist sehr hoch und durch das sogenannte Mastjahr 2018 noch angewachsen, als die Bäume besonders viele Früchte getragen haben. Damit war die Futtersituation für die Tiere perfekt, sie haben sich stark vermehrt, sagt Stelzig. Außerdem ist die Afrikanische Schweinepest fast an den sächsischen Landesgrenzen angelangt, sodass auch deshalb die Bestände reduziert werden müssen, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. „Im Wald richten Wildschweine kaum Schaden an, jedoch im Sommer auf vielen Feldern.“

Wie wird das Gelände abgesichert, damit niemand gefährdet wird?

Sicherheit habe oberste Priorität, sagt Stelzig. Deshalb werde nie am Wochenende gejagt, wenn sich besonders viele Leute im Wald aufhalten. Das Areal, in dem die Jäger unterwegs sind, sei immer ein Bereich, durch den keine Hauptwege verlaufen. Auf den benachbarten Hauptwegen werde mit Schildern auf die Jagd hingewiesen und darauf, dass Besucher auf den Hauptwege bleiben sollen. „Die Jäger halten sich auf Hochsitzen auf und dürfen maximal 50 Meter weit schießen. Vorher müssen sie sich vergewissern, dass kein Mensch in der Nähe ist“, sagt Stelzig. Jäger, Treiber und Hunde trügen Signalwesten, damit sie gut sichtbar sind. Außerdem gebe es Bereiche wie rund um den Konzertplatz am Weißen Hirsch, wo nicht gejagt wird, weil selbst nachts noch viele Leute im Wald sind, sagt der Förster. Vor allem Hundebesitzer. Dort sei es einfach zu gefährlich, zu schießen. „Aber erst kürzlich habe ich dort eine Rotte von 25 Wildschweinen gesehen, die das Gelände umgewühlt haben.“

Wie genau läuft eine solche Treibjagd ab?

„Wir treffen uns jeweils um 8 Uhr, dann gibt es eine Sicherheitsbelehrung und Einweisung“, sagt Stelzig. Ab 9.30 bis gegen 12 Uhr werde gejagt. Das heißt, die Hunde stöbern das Wild aus seinen Einständen, den Liegeplätzen, auf und die Treiber versuchen es in Richtung der Jäger zu treiben.“ Aber Schweine sind gelehrig und wissen mittlerweile, dass sie einfach in die andere Richtung rennen müssen, um nicht getroffen zu werden“, sagt der Förster. Generell gelte, dass schwache vor starken und kranke vor gesunden Tieren geschossen werden. Neben Wildschweinen werden auch Rehe und Hirsche gejagt. „Natürlich ist das Stress für die Tiere, aber er dauert nur wenige Stunden. Die vielen Pilzsammler im Oktober, die wirklich überall hingekrochen sind, haben die Tiere ebenso verunsichert“, sagt Stelzig.

Was passiert im Anschluss mit den erlegten Tieren?

Sie werden aus dem Wald auf einen Streckenplatz gebracht und dort nebeneinandergelegt. Jagdhornbläser erweisen dem Wild mit dem sogenannten Totverblasen die letzte Ehre. „Das hat etwas mit Tradition zu tun, die wollen wir aufrechterhalten“, sagt Stelzig. Die Tiere werden aufgebrochen und die Innereien gesammelt, damit sie später in die Tierkörperbeseitigung transportiert werden. Ein Tierarzt untersucht die Wildschweine auf Trichinen, das sind Fadenwürmer. Dann werden die toten Tiere in die Kühlzellen der Forstämter gebracht. Das erlegte Wild wird anschließend an Jäger, Gaststätten und Händler verkauft. „Vor Weihnachten ist ja Hochzeit für Wild. Wir könnten mehr verkaufen, als wir schießen“, sagt der Förster.

Wie reagieren sie auf Waldbesucher, die Jagden ablehnen?

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