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Bautzen

Was bewegt die Menschen in Radibor

Was läuft gut, was läuft schlecht? Vor der Kommunalwahl am 26. Mai schaut sich die SZ in den Städten und Gemeinden um.

Der Wuschenzgraben bei Lomske ist ein Sorgenkind der Gemeinde. In diesem Bereich sind Teile der Böschung an mehreren Stellen abgebrochen.
Der Wuschenzgraben bei Lomske ist ein Sorgenkind der Gemeinde. In diesem Bereich sind Teile der Böschung an mehreren Stellen abgebrochen. © SZ/Uwe Soeder

Radibor. Jede Straße, die gebaut wird und über die sich die Menschen freuen, ist ein Erfolg, sagt der Radiborer Bürgermeister Vinzenz Baberschke (CDU). Dennoch können nicht alle Wünsche erfüllt werden. Aber der Kreuzungsausbau in Radibor, der im vergangenen Herbst begonnen hat, ist ein Vorhaben, das viele Partner gemeinsam angehen. „Hier kommen ja Staats- und Kreisstraßen zusammen. Auch die Gemeinde ist beteiligt“, sagt Baberschke. Auftraggeber ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Es baut zusammen mit dem Landkreis Bautzen, der Gemeinde Radibor und dem Abwasserzweckverband Kleine Spree . Verlegt werden auch Strom- und Telekomleitungen für den Breitbandausbau sowie Trinkwasserleitungen. Die Gemeinde beteiligt sich bei der Beleuchtung und den Gehwegen. Im Vorfeld dieser Arbeiten gab es im Gemeinderat große Diskussionen wegen der Umleitungsstrecke. Doch auch hier wurde eine Lösung gefunden – dank der Agrargesellschaft Radibor. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, ist ein Unfallschwerpunkt entschärft. Da die Arbeiten schon eher begonnen haben, hoffen die Radiborer, dass sie bereits im Herbst diesen Jahres beendet sind.

Weitere Straßen wurden in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Abwasser oder Lasuv gebaut, so teilweise die Dorfaue in Cölln und die Ortsdurchfahrt Schwarzadler, wo die Gemeinde lange auf die Abrechnung für Gehweg und Beleuchtung warten musste. Andere, vor allem kommunale, Straßen warten weiter auf die Instandsetzung. So schon seit mehr als einer Wahlperiode zum Beispiel die Straße in Lippitsch. „Es gibt noch viele Straßen, die nur schottergeschlämmt sind“, sagt Baberschke. Den Bürgermeister ärgert, wenn zwar Straßen zum Beispiel vom Kreis gebaut werden, aber die Gewerbetreibenden durch eine langwierige Bauzeit in Schwierigkeiten kommen. Er denkt zum Beispiel an Milkel, wo eine Brücke hinter Teicha ewig nicht fertig wird und zum Beispiel der Bäcker in Milkel seit Jahren an einer gesperrten Straße auskommen muss.

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Dennoch freut er sich auch über kleine Erfolge. So unter dem Motto: was lange währt, wird gut, sind nun endlich ein Bushäuschen in Teicha aufgestellt und das in Cölln saniert worden. Auch ein langer Wunsch der Gemeinderäte wurde erfüllt: Die Feuerwehr in Luppa hat endlich einen Wasseranschluss bekommen. Wann nun auch Sanitäranlagen gebaut werden können, ist noch nicht klar. Dafür ist klar, dass die Feuerwehr in Cölln nun eine neue Fahrzeughalle bekommt. Auch dies steht schon lange auf der Prioritätenliste der Investitionen in Radibor. „Die Ertüchtigung der Standortwehr wird erst später erfolgen können – und erst dann ist auch Luppa dran“, denkt Vinzenz Baberschke.

Ein Drittel der Einnahmen für Schulen und Kitas

Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren auch in die Schulen und Kitas investiert. Zurzeit geht es um die Außenanlagen der Schulen. Die derzeitigen Vorstellungen der Eltern, Schüler und Lehrer übersteigt bei Weitem den Finanzrahmen der Kommune. Überhaupt sind die drei Kindertagesstätten und zwei Schulen ein großer Kostenfaktor für Radibor. Ein Drittel der Einnahmen werden jährlich dafür gebraucht. Dazu kommen weitere Pflichtaufgaben wie vier Feuerwehren für 24 Orte und rund 100 Kilometer Gewässer zweiter Ordnung. „Das vom Freistaat jetzt für die Gewässer zugewiesene Geld reicht bei uns gerade für die ersten 100 Meter“, sagt Baberschke. Für Radibor sind das 52 000 Euro.

Es geht der Gemeinde zwar im Moment so, dass man die seit 1999 laufende freiwillige Konsolidierung abschließen könnte. Der Beschluss nach der Vereinigung von Milkel und Radibor dazu wurde nie aufgehoben. Doch die finanziellen Spielräume sind nicht größer geworden. Deshalb sollte auch der neue Gemeinderat so wirtschaften, wie man das zu Hause auch macht. Nur Vorhaben anpacken, für die das Geld auch da ist, findet Baberschke. Und dazu gehört eben auch, auf Fördermittel zu warten. Kredite hat die Gemeinde schon sehr lange nicht mehr aufgenommen. Klar seien die 70 000 Euro zur freien Verwendung momentan ein kleiner Lichtblick und das Geld für die Gewässerunterhaltung ein Anfang. Auch der Mehraufwand für sorbische Angelegenheiten wie Übersetzungen und zweisprachige Beschriftung in Höhe von 5 000 Euro pro Jahr findet Baberschke gut, aber in vielen Fällen sieht er die Gemeinden im ländlichen Raum im Stich gelassen. Vinzenz Baberschke wird seine Arbeit als Bürgermeister im nächsten Jahr beenden. Ein neuer Bürgermeister soll im Februar gewählt werden, zwei Monate später hat Baberschke seinen letzten Arbeitstag.

Diese Kreuzung in Radibor war lange Zeit ein Unfallschwerpunkt. Nun wird er entschärft. Das freut Bürgermeister Vinzenz Baberschke.
Diese Kreuzung in Radibor war lange Zeit ein Unfallschwerpunkt. Nun wird er entschärft. Das freut Bürgermeister Vinzenz Baberschke. © SZ/Uwe Soeder

Rückblickend auf die vergangenen fünf Jahre sieht er den Gemeinderat als homogene Einheit. „Die Hälfte der Räte kamen damals neu dazu“, erinnert er sich. Und freut sich, dass die meisten sehr aktiv mitgearbeitet haben. Viele engagieren sich außerdem darüber hinaus, zum Beispiel in Vereinen. Das habe ihm immer das Gefühl gegeben, dass es um die Gesamtgemeinde und nicht nur einzelne Orte geht. Und er freut sich, dass bei den Kandidaten zur Wahl im Mai auch einige junge Leute sind.

Mit 31 Kandidaten haben die Radiborer doch eine große Auswahl. Viel der vor fünf Jahren erstmals angetretenen Räte bewerben sich wieder um einen Platz. Nur bei der CDU sinkt die Zahl der Bewerber fast um die Hälfte. Das habe sicher mit der großen Politik zu tun, vermutet Vinzenz Baberschke. Im Gegenzug gibt es mehr Interessenten bei den Freien Wählern.

31 Kandidaten stellen sich in Radibor zur Wahl

CDU

1. Roman Zieschwauck (*1975), Leiter Logistik, Quoos
2. Peter Klimann (*1955), Projektleiter, Radibor
3. Julia Paulusch (*1982), kaufm. Angest., Radibor
4. Thomas Retschke (*1956), Maschinenbaumeister, Camina
5. Birgit Elsner (*1984), Verwaltungsfachangestellte, Radibor
6. Philipp Wersch (*1996), kaufmännischer Angestellter, Schwarzadler
7. Sven Lorenz (*1975), Maurer, Wessel
8. Stephan Dej (*1964), Bauunternehmer, Radibor

Wählervereinigung Heimatfreunde Milkel

1. Madeleine Rentsch (*1977), Bauamtsleiterin, Luppa
2. Thomas Scheffel (*1969), Sachbearbeiter, Milkel
3. Ronny Jannasch (*1980), stellv. Geschäftsführer, Lippitsch
4. Lothar Bomsdorf (*1950), Haus- und Gebäudetechniker, Lippitsch

Freie Wähler

1. Dr. Monika Ließner (*1959), Ärztin, Radibor
2. Thomas Wierig (*1979), Malermeister, Luttowitz
3. Manfred Hörauf (*1955), Elektriker, Cölln
4. Maik Wirrig (*1976), Bauingenieur, Quoos
5. Maik Lehmann (*1966), Bauingenieur, Cölln
6. Raphaela Lehmann (*1981), Projektkoordinatorin, Radibor
7. Christina Albrecht (*1960), Angestellte, Cölln
8. Albrecht Kuhne (*1970), Angestellter, Milkwitz
9. Eva-Maria Keschke (*1965), Angest., Bornitz

Sorbische Wählervereinigung

1. Jovan Rehor (*1974), Unternehmer, Camina
2. Kyrill Hantschick (*1977), Arzt, Radibor
3. Peter Hantusch (*1961), Tierarzt, Radibor
4. Wito Böhmak (*1969), Informatiker, Radibor
5. Daniel Hennig (*1983), Ing. für Elektrotechnik, Grünbusch
6. Frank Schäfer (*1972), Rettungssanitäter, Radibor
7. Kathleen Waurick (*1976), Untern., Radibor
8. Peter Wenzel (*1974), Tischler, Merka
9. Benno Bilk (*1955), Journalist, Radibor

Die Linke

1. Bernd Rubel (*1957), Wohnungswirtsch., Lomske

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