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Döbeln

Was Gärtnereien dürfen, Baumärkte nicht

Die Grundversorgung an Baumaterial ist gesichert. Aber es gibt auch Ausnahmen im pflanzenproduzierenden Bereich.

Bianca Seidl von der BluBäu-Gärtnerei präsentiert frisch gezogene Priemeln. Die dürfen in der Harthaer Betriebsstätte des Unternehmens weiter verkauft werden, weil dort Pflanzen produziert werden.
Bianca Seidl von der BluBäu-Gärtnerei präsentiert frisch gezogene Priemeln. Die dürfen in der Harthaer Betriebsstätte des Unternehmens weiter verkauft werden, weil dort Pflanzen produziert werden. © Dietmar Thomas

Es hat noch einmal richtig gebrummt in den Baumärkten der Region. Nachdem am Freitag von der Politik die Ausgangsbeschränkungen beschlossen wurden, deckte sich so mancher Hobbyhandwerker und -gärtner noch einmal mit Bau- und Gartenmaterial für seine Projekte ein. Denn ab Montag sind die Märkte bis 20. April vorerst geschlossen. Aber es gibt Ausnahmen. Selbst produzierende und vermarktende Baumschulen und Gartenbaubetriebe dürfen weiterhin geöffnet bleiben. Und auch der Baustoffhandel ist für Firmenkunden, Gewerbetreibende und Handwerker weiter aktiv.

„Es gibt jeden Tag etwas Neues“, sagt Sven Wunder, Geschäftsführer von BluBäu in Hartha. Nachdem die Gärtnerei am Montag geschlossen war, öffnete sie am Dienstag wieder. Die Kundenzahl habe sich allerdings im Rahmen gehalten. Ärgerlicher sei für die Firma, dass der Verkauf auf der Döbelner Burgstraße geschlossen bleibt. „Es dürfen nur dort Geschäfte öffnen, wo auch produziert wird“, erklärt Wunder.

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Filiale in Döbeln bleibt dicht

Und das sei zwar in Hartha, aber nicht in Döbeln der Fall. Geplant hatte die Firma eigentlich einen Bestellservice. Diese Idee sei aber mittlerweile wieder verworfen worden. „Man muss Aufwand und Nutzen abwägen“, sagt der Geschäftsführer. Da in Hartha geöffnet ist, müsse man nicht so viel wegwerfen. „Es ist besser als gar nichts, aber sicher nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, kommentiert er die Situation. Denn die Leute müssten erst nach Hartha fahren, um etwas zu kaufen. Arbeit gäbe es in der Gärtnerei aber dennoch. Beton bekomme Sven Wunder noch. Die Saisonkräfte würden nun damit beschäftigt, Baumaßnahmen durchzuführen, die eigentlich für den Sommer geplant waren.

Auch Matthias Streubel hat seine Baumschule in Döbeln-Masten geöffnet. Der Andrang halte sich allerdings bei ihm in Grenzen, so Streubel. Viele Kunden wüssten nicht, dass geöffnet ist. Und auch der Nachtfrost sorge dafür, dass die Leute erst einmal nicht pflanzen. „Es gibt Anrufe, ob wir auch Rindenmulch und Erde verkaufen. Aber das würde vom Sortiment zu weit führen“, sagt Streubel, der es positiv sieht, dass er öffnen darf.

Auflagen werden umgesetzt

Dabei versucht er, die Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, hat Distanzmarken im Kassenbereich angebracht. „Gerade die älteren Kunden nehmen das noch gar nicht so richtig ernst. Die muss man auf den Mindestabstand hinweisen“, sagt Streubel und fügt an: „Auf dem Gelände verteilen sich die Leute ja. Selbst wenn es am Wochenende warm wird und vielleicht ein paar Kunden mehr kommen, dürfte es keine Probleme geben.“

Anders als bei den pflanzenproduzierden Betrieben sieht die Lage im Baumarktbereich aus. Für Privatkunden bleiben diese ab sofort geschlossen. Auch bei der RHG Mittelsachsen, die allerdings mit einem Teil der Mitarbeiter über ein Liefersystem den Baustoffhandel aufrechterhält. „Damit erfüllen wir den Auftrag, den Produktionsverbindungshandel abzusichern, damit die Firmenkunden, Gewerbetreibenden, Handwerker und die Industrie weiter arbeiten können. Denn wenn wir als Großhandel ausfallen, dann steht alles still““, sagt Vorstand Torsten Hamann.

Dabei würde vor Ort oberste Priorität auf die Einhaltung von zwei Metern Sicherheitsabstand gelegt. Auch wären die Gewerbekunden aufgefordert, ihre Bestellungen vorzugsweise per E-Mail, Fax oder Telefon abzugeben. „Es geht einfach darum, den Kundenkontakt für die Mitarbeiter so klein wie möglich zu halten“, so Torsten Hamann. „Aber wenn bei uns jemand etwas bestellt, dann bekommen wir die Lieferung auch hin.“

Ähnlich sieht die Lage bei Renner Baustoffe in Waldheim aus. „Privatkunden dürfen nicht zu uns rein, da keine Beratung erfolgen darf. Aber liefern können wir“, sagte Niederlassungsleiterin Bettina Hadler. „Wir kommen so lange weiter, bis unser Material alle ist. Wir haben versucht, die Lager noch so gut es geht aufzufüllen, da wir viele italienische Lieferanten haben.“ Aber die Handwerksprofis, die Kunden im Unternehmen seien, hätten mit dem vorhandenen Material noch gut zu tun. „Die Saison geht erst los und ich bin optimistisch, dass wir auch weiterhin etwas hinbekommen. Zumindest wenn die Lage nicht so prekär wird wie in Italien, wo die gesamte nicht lebensnotwendige Produktion gestoppt wurde“, sagte Hadler. So würden ihre Mitarbeiter im ständigen Austausch mit Handwerkern und Bauunternehmern stehen. „Gott sei dank gibt es das Internet. Da kann man sich viel anschauen. Ob wir bei den Lieferanten oder die Kunden bei uns“, sagte die Niederlassungsleiterin und verspricht: „Wir geben unser Bestes.“

Eine Variante, weiterhin eine Grundversorgung abzusichern, wurde in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung auch für Toom in Döbeln gefunden. Das wird im System „Click & Reserve“ geschehen. „Die Kunden können online bestellen und sich die Ware dann im Markt abholen“, erklärt Marktleiter Thomas Schumann.

Reglementierte Kaufabwicklung

Dabei sei die Abwicklung des Verkaufs stark reglementiert. Es würde jeweils nur ein Kunde in den abgesperrten Vorraum des Marktes eingelassen, der dann an der Kasse bargeldlos oder später auf Rechnung bezahlt. Die Ware würde unterdessen an der Eingangstür zur Mitnahme bereitgestellt. Dabei ist es laut Schumann nicht das Ziel, dass „jeder eine Priemel bestellt“. „Es geht wirklich nicht um Kommerz, sondern darum, für Handwerker und Gewerbetreibende eine Grundversorgung zu gewährleisten. Das ist natürlich auch der Fall, wenn mal eine Glühlampe oder ein Wasserhahn kaputt geht“, sagt Schumann und verweist nochmals auf die besonderen Gegebenheiten: „Im Internet bestellen und vor Ort nur abholen.“