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Was macht eigentlich der Schriftsteller Götz R. Richter?

Wem das Reisen in ferne Länder zu gefährlich geworden ist, der kann sich in der Bücherei seine Abenteuerlektüre ausleihen.

© privat

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Bis 1970 wohnte der bekannte DDR-Schriftsteller und Kinderbuchautor Götz R. (Rudolf) Richter in Großenhain. Viele werden ihn schon vergessen haben, die allermeisten Zeitgenossen des heute 92-Jährigen leben nicht mehr. Geblieben sind außer der Erinnerung auch seine Bücher. Sie erzählen von fremden Ländern und Menschen, das allermeiste hat Richter selbst erlebt. In der Karl-Preusker-Bücherei sind immerhin neun seiner Werke ausleihbar – und sie erfreuen sich in Zeiten , wo die Menschen aus Angst vor Anschlägen doch nicht mehr überall hin reisen, wachsender Beliebtheit. „Die Löwen kommen“, berichtet über Kenia im ausgehenden 19. Jahrhundert, „Msuri“ erzählt ebenfalls von Afrika, in „Die Männer von der Senegal“ geht es speziell um die Schifffahrt. Entstanden sind diese Bücher zwischen 1964 und 1983.

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Heute geht es ihm nicht mehr gut

Was macht Götz R. Richter heute? Mit seiner Frau Christa, einer gebürtigen Großenhainerin, lebt der Autor in Bad Saarow. Dorthin waren die Richters 1970 gezogen. Aber es geht ihrem Mann nicht gut, sagt seine 90-jährige Frau. Sie muss ihn pflegen. Seit einer Woche ist er nach einer OP ans Bett gefesselt. Altersdemenz plagt ihn, außerdem sei er schon viele Jahre schwerhörig. „Jetzt wird noch ein Pflegedienst kommen müssen“, so Ehefrau Christa.

Zu seinem 90. Geburtstag 2013 trat der Schriftsteller letztmalig in seinem Wohnort öffentlich auf. Doch, bis vor einigen Jahren machten, die Richters immer ein paar Tage in der Waldschänke Moritzburg Urlaub. „Dann sind wir auch durch Großenhain gefahren“, sagt Christa Richter. Gewohnt haben sie damals auf dem Bornweg. Der junge Götz Richter wuchs auf der Dorfstraße in Kleinthiemig auf. Geboren ist er am 1. August 1923 aber in Kleinröhrsdorf.

Er ging in die Pestalozzischule in Großenhain, liebte Geografie und Zeichnen und las leidenschaftlich gern. Schon 14-jährig machte Richter sich auf in die weite Welt, wurde Schiffsjunge bei der Handelsmarine. Auf dem Schulschiff Admiral Brommy erhielt er eine Grundausbildung, dann führten ihn drei Reisen auf die Deutsch-Afrika-Linie. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich freiwillig für die Kriegsmarine. Er soll gesagt haben: „Das schillernde Wort Abenteuer lockte, gaukelte uns wilde Bilder vor.“ Doch tatsächlich gab es tagein, tagaus schwere körperliche Arbeit. Die geringe Freizeit nutzte der Großenhainer zum Selbststudium, erwarb neben Englisch auch Sprachkenntnisse in Spanisch und Portugiesisch.

Stelle beim Kulturbund

Nach 1945 malte Richter, arbeitete in der Landwirtschaft und begann zu schreiben. Eine Stelle beim Kulturbund half ihm, sich auf die Arbeit als Neulehrer ab 1948 vorzubereiten. Bis 1955 unterrichtete er Geografie und Kunstgeschichte an seiner, der Pestalozzischule. Nebenbei schrieb er Kurzgeschichten, Reportagen, Glossen, Gedichte für Zeitungen und Zeitschriften. Die Sächsische Zeitung veröffentlichte seine Beiträge zur deutschen Sprache. 1952 erschien sein erstes Buch „Najok, der Perlentaucher“. Weitere Kinder- und Jugendbücher folgten: „Schiffe, Menschen, fernes Land“, „Kimani in Nairobi“. Die spannend erzählten Bücher der Savvy-Triologie erschienen 1956, 1958 und 1963: „Savvy, der Reisshopper“, „Die Höhle der fliegenden Teufel“ und „Trommeln der Freiheit“. Insgesamt schreibt Richter 25 Bücher. Mehr als drei Millionen Exemplare werden bis 1990 in der DDR gedruckt. Zusätzlich Übersetzungen in mehr als zehn Sprachen.

„Kind- und jugendgemäß hat er die Menschenwürde und die Achtung vor dem Anderen, dem Schwarzen dargestellt“, erinnert sich Harald Kühne, der 2003 im damaligen Ratskeller an einer Richter-Lesung beteiligt war. „Seine Bücher haben selten die Regale gehütet.“ Richter zeigte, dass der Wohlstand der zivilisierten Welt zu einem großen Teil auf Kosten Afrikas entsteht.