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Was passiert mit der Baugewerkeschule?

Das geschichtsträchtige Zittauer Gebäude steht seit Jahren leer. Nun gibt es eine neue Initiative zur Belebung des Hauses.

Von Jan Lange
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Auch der frühere Zittauer Stadtrat Gottfried Soukup setzt sich dafür ein, dass die ehemalige Baugewerkeschule nicht länger leersteht.
Auch der frühere Zittauer Stadtrat Gottfried Soukup setzt sich dafür ein, dass die ehemalige Baugewerkeschule nicht länger leersteht. ©  Archivfoto: Matthias Weber

Wie geht es nach dem Aus der Zittauer Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2025 weiter? Welche Perspektiven gibt es für Ideen und Projekte? Immerhin mehr als 200 Ideen und Vorschläge sind während des Bewerbungsprozesses gesammelt worden. Passenderweise beschäftigte sich nun der Kulturbeirat der Stadt Zittau mit diesem Thema. Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) gab dem Beirat einen Ausblick. Mit dem Freistaat sei demnach schon vorher vereinbart worden, gute Projekte weiterzuführen.

Zu denen könnte ebenso die ehemalige Baugewerkeschule am Zittauer Stadtring gehören. Schon vor etwas mehr als einem Jahr hatte der frühere Zittauer Stadtrat Gottfried Soukup Vorschläge zur künftigen Nutzung des Gebäudes gemacht und dabei auch Bezug auf die Kulturhauptstadt genommen. Denn viele Zittauer störe es, dass das geschichtsträchtige Haus seit Jahren ungenutzt ist. Zuletzt nutzte die Volkshochschule (VHS) Dreiländereck die Räumlichkeiten. Seit deren Umzug 2014 ins Salzhaus steht die ehemalige Baugewerkeschule leer.

Man müsse die Baugewerkeschule aktiv angehen, erklärte Zenker dem Kulturbeirat. Die Stadt Zittau könne sich nicht auf dem Pachtvertrag mit dem Landkreis ausruhen, so die Meinung des OB. Das markante Gebäude am Ring gehört der Stadt, der Landkreis ist aber Erbbaupächter. Jahrelang war hier die Berufsschule untergebracht, später die Volkshochschule. Auch nach dem VHS-Auszug ist der Landkreis weiterhin Pächter.

Licht brannte in der ehemaligen Baugewerkeschule zuletzt nur bei "Ring on Feier".
Licht brannte in der ehemaligen Baugewerkeschule zuletzt nur bei "Ring on Feier". ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Die Stadt Zittau und der Landkreis sprechen seit Längerem über eine mögliche Auflösung des Erbbaupachtvertrages, wie Zittaus Pressesprecher Michael Scholze der SZ mitteilt. Anfang Februar 2020 treffen sich der 1. Beigeordnete des Landkreises und Zittaus OB, um verschiedene Sachverhalte in Bezug auf Liegenschaften zuklären, wie Kreissprecherin Julia Bjar auf SZ-Nachfrage informiert. Im Rahmen dieses Termins soll es auch um die weitere Nutzung beziehungsweise vertragliche Regelung zur Baugewerkeschule gehen. Der Landkreis wolle erst diesen Termin abwarten, ehe man sich näher zu dem Thema äußere.

Dass der Landkreis die Immobilie wieder selbst nutzen will, ist nicht bekannt. Im Zittauer Rathaus gibt es dagegen durchaus Ideen für eine Belebung des Hauses, das eng mit Carl August Schramm, dem Erbauer des Zittauer Rathauses, verbunden ist. In der 1840 eröffneten Baugewerkeschule unterrichtete Schramm und wurde 1855 deren Direktor.

Die Überlegungen bezüglich der künftigen Nutzung betreffen keinesfalls den Umzug des Technischen Rathauses in die Baugewerkeschule. Der wurde zwischenzeitlich in Erwägung gezogen, ist aber kein Thema mehr. Vielmehr könnten das Museum und die Kraftwerksstiftung die ehemalige Baugewerkeschule nutzen. Gespräche sind mit beiden dazu bereits geführt worden, sagt Scholze. Es gebe grundsätzliches Interesse an einer künftigen gemeinsamen Nutzung. Deren Umsetzung und Finanzierung sei jedoch noch ungeklärt.

Platz für naturkundliche Ausstellung

Museumsdirektor Peter Knüvener hatte sich schon nach dem öffentlichen Vorstoß von Gottfried Soukup zu Wort gemeldet und großen räumlichen Bedarf angemeldet. Vor allem für die museumspädagogische Arbeit fehle der Platz. Mit Schulklassen können zwar Führungen gemacht werden, aber es gebe keinen großen Raum, um darüber hinaus mit kompletten Klassen arbeiten zu können. Die Räumlichkeiten im Curt-Heinke-Museum seien eng, niedrig und nicht barrierefrei.

In der ehemaligen Baugewerkeschule könnte ebenfalls die naturkundliche Ausstellung wieder präsentiert werden. Im Curt-Heinke-Museum kann sie derzeit nicht der Öffentlichkeit gezeigt werden. Die Wiedereröffnung des Museums ist ein erklärtes Ziel von Peter Knüvener seit seinem Amtsantritts 2016. Deshalb ist bereits 2017 eine Machbarkeitsstudie für die Baugewerkeschule erstellt worden. Ein zusätzlicher Standort sei aber auch nicht unproblematisch, meint Knüvener.

Denkbar wäre, dass ebenso die Museumsverwaltung mit in die alte Baugewerkeschule umzieht. Doch dann müsste gleichzeitig für das Hauptsche Haus (Curt-Heinke-Museum) eine Nachnutzung gefunden werden, sagt der Museumschef.

Einfach nur umziehen in das Gebäude am Stadtring ist aber nicht möglich. In Abhängigkeit von der künftigen Nutzung muss mindestens eine Renovierung erfolgen, erklärt Zittaus Pressesprecher. Nach sechs Jahren Leerstand nicht verwunderlich.

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