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Was Stuckornamente über Pirnas Gasthäuser verraten

An der Bergstraße 2 in Pirna finden wir versteckt am seitlichen Hausgiebel ein sehr schönes grünfarbenes Relief: Eine Tanne. Diese weist auf den einstmals größten Ball-, Konzert- und Theatersaal der Stadt...

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Von Rainer Rippich

An der Bergstraße 2 in Pirna finden wir versteckt am seitlichen Hausgiebel ein sehr schönes grünfarbenes Relief: Eine Tanne. Diese weist auf den einstmals größten Ball-, Konzert- und Theatersaal der Stadt hin: Das bekannte Etablissement „Grüne Tanne“. Vom früheren Ruhm des Hauses ist heute nicht viel zu sehen. Zwar erfolgte eine Notsicherung des seit 1712 bestehenden Hauses, aber eine grundlegende Sanierung steht noch aus.

An ehemalige Pirnaer Hotels und Schankwirtschaften erinnern auch Stuck-Ornamente an vier weiteren Gebäuden. Anfang des 20. Jahrhunderts stiegen zum Beispiel am Dohnaischen Platz 2 zahlreiche Fremde ab, am damals weithin bekannten Hotel „Schwarzer Adler“ – einem Schmuckstück der Stadt. Für besondere Attraktionen sorgte jahrelang das hier ansässige Offizierscasino mit seinen Musikbällen im hauseigenen Saal. An der nordwestlichen Ecke in Höhe der 1. Etage schmückt noch heute ein Doppeladler das Haus. Er ist Symbol des 1744 erstmals erwähnten Gasthofes.

Sorge um das grüne Schiff

Auf der Dresdner Straße 16 eröffnete im Jahr 1926 in einem neu erbauten Haus der Gasthof „Goldener Löwe“. Auf dem Vorplatz hielten damals Pferdefuhrwerke und Kraftwagen. Später gab es dort auch eine Tankstelle. Noch heute ist aus den Anfangsjahren das vergoldete Relief eines Löwen erhalten.

Ein Sandsteinrelief, das einen Bienenkorb darstellt, erinnert direkt über dem Hauseingang der Schössergasse 7 an die im Jahr 1874 eröffnete Schankwirtschaft gleichen Namens. Der späteren Wirtin wurde 1938 die Konzession wegen eines Devisenvergehens und der Förderung von Unsittlichkeit entzogen. Erneute Konzessionsgesuche nach dem Zweiten Weltkrieg blieben erfolglos.

Das Sorgenkind unter Pirnas Wirtshauszeichen finden wir am ehemaligen Gasthof „Zum Grünen Schiff“, Ziegelstraße 2. Diese Form ist einmalig und daher auch ein erhaltenswertes Zeichen. Das gesamte Portal, einschließlich des Wirtshauszeichens, befindet sich in einem besorgniserregenden Zustand. Die Umschrift am Rundbogen „Dieses Haus steht in Gottes Hand, Zum grünen Schiff wird es genannt. Renoviert 1784“ ist schon lange verwittert und nur noch in Archivunterlagen dokumentiert. Was würde wohl Johann Gottfried Seume (1763-1810), der hier 1801 auf seiner Wanderung nach Syrakus von der Pirnaer Literarischen Gesellschaft empfangen wurde, über den heutigen Zustand des „Schiffchens“ denken und schreiben?

Gänzlich verschwunden sind hingegen die alten Wirtshauszeichen des ehemaligen Hotels „Goldener Stern“, Bahnhofstraße 14, und des Gasthofs „Grauer Storch“ in Mockethal. Ihre Wappen gingen allerdings auf verschiedene Art und Weise verloren. Das 1876 erbaute schlichte dreistöckige Hotel „Zum goldenen Stern“ mit seinen zwölf Fremdenzimmern erhielt ein Jahr später die volle Schankkonzession mit Fremdenbeherbergung, Ausspannen und Krippensetzen.

Wegsanierter Storch

Die Fassade des Hauses zierte weithin sichtbar ein goldener Stern. Der letzte Besitzer verpachtete das Objekt alters- und krankheitsbedingt 1965 an die HO. Die später zum Schnellimbiss degradierte HO-Gaststätte verlor zunehmend an Niveau. Als der Gaststättenbetrieb endete, verfiel das Haus. So entschied man sich nach langem Leerstand im August 1993 für den Abriss. Somit war der „Stern“ endgültig erloschen und Pirna verlor eine traditionsreiche Lokalität.

Das Mockethaler Gast- und Wohnhaus „Grauer Storch“ in seiner heutigen Form entstand nach einem Brand von 1900 umgehend neu. Es war der kulturelle Mittelpunkt von Mockethal und Umgebung. Hier versammelten sich die Vereine und auf dem Saal traf man sich zum Tanz. Die Gaststätte war von 1961 bis 1990 an die Konsum-Genossenschaft verpachtet. Bei einer umfangreichen Sanierung im Jahr 1994 verschwand bedauerlicherweise am Ostgiebel im Dachgeschoss das Wappentier des Gasthofes: Das Relief eines Storchs.

In der Lange Straße 43 besticht ein Gebäude, welches auch als Promnitz-Haus bekannt ist, durch seinen markanten Fassadenschmuck. Ein Weinfass, verziert mit grünem Weinlaub und blauen Reben, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Obwohl es in dem Haus von 1877 bis 1883 ein einfaches Restaurant gab, ist nicht anzunehmen, dass der Wandschmuck ein Wirtshauszeichen war. Aus dem Jahr 1882 existiert ein Gesuch des damaligen Hausbesitzers, der um die Schankkonzession in seinem Haus bat, weil er dort bereits einen Weinhandel betrieb. Es ist eher anzunehmen, dass das Fass an den Weinhandel erinnert.

Eine in Pirna heute wieder weit verbreitete Form der Wirtshausschilder sind die sogenannten Nasenschilder. Sie werden an der Hauswand verankert, ragen wie eine Nase auf die Straßen – und gelten somit als besonders geeignet, Passanten auf eine Lokalität aufmerksam zu machen. Nasenschilder haben eine lange Tradition und sind vielfach auch als Innungszeichen bekannt. Generationen von Kunstschmieden erstellten wahre Meisterwerke in den vielfältigsten Ausführungen – anfangs in Eisen, später wurden Emailleschilder modern. Auch sie gerieten wieder in Vergessenheit, aber nun erleben diese Werbeschilder seit zirka 20 Jahren eine Renaissance.

Teil 1 ist am 3. Januar erschienen.