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Bautzen

Autobahn-Planer suchen dringend Personal

Von Bautzen aus wird der Ausbau der A 4 in Ostsachsen gesteuert, doch derzeit ist es im zuständigen Büro auffallend ruhig.

Michael Ditter ist bei der Projektgesellschaft Deges für Sachsen zuständig. Er leitet die Planungen für den Aus- und teilweisen Neubau der A 4. Dafür wurde in Bautzen extra eine Zweigstelle eingerichtet.
Michael Ditter ist bei der Projektgesellschaft Deges für Sachsen zuständig. Er leitet die Planungen für den Aus- und teilweisen Neubau der A 4. Dafür wurde in Bautzen extra eine Zweigstelle eingerichtet. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es ist still geworden in dem Haus an der Bautzener Steinstraße 15. Der Partytempel „Mono“ im Erdgeschoss pausiert wegen Corona. Und auch zwei Etagen darüber öffnet derzeit nur selten jemand die Tür. Vor gut drei Monaten herrschte hier großer Bahnhof. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, kurz Deges, eröffnete in der Steinstraße 15 ihr Oberlausitz-Büro, um von hier aus den sechs- beziehungsweise achtspurigen Ausbau der Autobahn 4 zwischen Nossen und Bautzen voranzutreiben. Es gab Sekt und Schnittchen; Deges-Chefs und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beschworen bessere Zeiten dank einer irgendwann breiteren Autobahn.

In diesen drei Monaten ist viel passiert: Einerseits hat Corona das öffentliche Leben gerade weitgehend lahmgelegt. Wer den Gang ins Büro vermeiden kann, arbeitet zu Hause – auch bei der Deges. Doch die Suche nach geeigneten Mitarbeitern für die Bautzener Zweigstelle läuft dennoch weiter. Deges-Sprecher Lutz Günther lässt durchblicken, dass „der Personalaufbau aufgrund des Fachkräftemangels recht viel Zeit und Ressourcen in Anspruch nimmt und noch am Anfang steht“.

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Aber es gibt Fortschritte: „Mittlerweile arbeiten drei Kollegen in der neuen Zweigstelle“, sagt Günther. „Weitere aussichtsreiche Bewerbungsverfahren laufen.“ Bewerbungen kämen aus dem gesamten Bundesgebiet. Viele Interessenten würden ursprünglich aus der Oberlausitz stammen und nun die Chance sehen, in ihre Heimatregion zurückzukehren.

In diesem Gebäude an der Bautzener Steinstraße hat die Deges ihr Büro.
In diesem Gebäude an der Bautzener Steinstraße hat die Deges ihr Büro. © SZ/Uwe Soeder

Einarbeitung in Berlin

Die ersten drei Mitarbeiter der Bautzener Zweigstelle kommen derzeit allerdings nur selten in die Spreestadt. An drei Tagen pro Woche werden sie in der Deges-Zentrale in Berlin eingearbeitet. Dort laufen auch die ersten Abstimmungen mit den beiden Projektteams, die den Autobahn-Ausbau in Sachsen vorantreiben sollen. Ein Team soll sich um den Ausbau des Abschnittes zwischen den Dreiecken Nossen und Dresden-Nord von sechs auf acht Spuren kümmern. 

Das andere Team ist für den Ausbau des Abschnittes zwischen Dresden-Nord und der Anschlussstelle Bautzen-Ost von vier auf sechs Spuren zuständig. Zurzeit bereiten beide Teams die Ausschreibungen für Ingenieurleistungen vor. Denn ehe an einen ersten Spatenstich überhaupt gedacht werden kann, muss es erst einmal Verkehrsuntersuchungen geben und die Pflanzen- und Tierwelt entlang der Trasse unter die Lupe genommen werden.

Perspektivisch sollen einmal 50 bis 60 Personen den A-4-Ausbau voranbringen, davon etwa zwölf vor Ort in Bautzen. Platz wäre hier auch noch für mehr Deges-Mitarbeiter, denn außer der zweiten Etage über dem „Mono“ sicherte sich die Berliner Projektgesellschaft vorsorglich ein weiteres Stockwerk in dem Altbauhaus.

Baurecht frühestens 2030

Dessen Besitzer, die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft, kann länger als ein Jahrzehnt mit Mietzahlungen durch die Deges planen. Denn der für Sachsen zuständige Bereichsleiter Michael Ditter rechnet frühestens 2030 mit Baurecht für den Autobahn-Ausbau. Auf eine Prognose für den Baubeginn möchte sich derzeit niemand einlassen. Ebenso wenig auf eine Vorhersage, wie lange der Bau dauern wird.

„Aber der eigentliche Bau ist nicht das Problem, sondern die vielen Hürden auf dem Weg dahin“, sagt Michael Ditter. Allein 233 Brücken und andere Bauwerke sind zu planen, teilweise zu verlängern, teils neu zu bauen. Auf 63 Kilometern soll die Trasse Lärmschutzwände erhalten. Bei alledem sind Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen.

Die 1991 gegründete Deges gehört zu knapp 30 Prozent dem Bund. Jeweils rund sechs Prozent an der Gesellschaft besitzen die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin. Miteigentümer Sachsen übertrug der Deges die Verantwortung für den A-4-Ausbau im Herbst 2019. Zuvor hatte der Bund dem sächsischen Antrag zum Ausbau der Autobahn zugestimmt.

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Schon länger hält die Trasse der sprunghaft gestiegenen Belastung nicht mehr stand. So sind auf den 15 Kilometern zwischen den Anschlussstellen Dresden-Nord und Pulsnitz täglich mehr als 67.000 Fahrzeuge unterwegs, auf den 38 Kilometern zwischen Pulsnitz und Bautzen-Ost immerhin noch mehr als 55.000. Mehr als ein Drittel der Fahrzeuge sind Lkws. Staus sind an der Tagesordnung.

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